Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Gabriel Zucman leitet das neue EU-Steuerobservatorium
International 1 2 Min. 01.06.2021

Gabriel Zucman leitet das neue EU-Steuerobservatorium

Der junge französische Ökonom Gabriel Zucman wird die neue EU-Steuerbeobachtungsstelle leiten. Zucman ist ein weltweit anerkannter Experte zum Thema Steueroasen und Ungleichheiten.

Gabriel Zucman leitet das neue EU-Steuerobservatorium

Der junge französische Ökonom Gabriel Zucman wird die neue EU-Steuerbeobachtungsstelle leiten. Zucman ist ein weltweit anerkannter Experte zum Thema Steueroasen und Ungleichheiten.
AFP
International 1 2 Min. 01.06.2021

Gabriel Zucman leitet das neue EU-Steuerobservatorium

Diego VELAZQUEZ
Diego VELAZQUEZ
Die Europäische Steuerbeobachtungsstelle nimmt ihre Arbeit auf. Ihr Leiter Gabriel Zucman hatte einst den EU-Ausschluss Luxemburgs ins Spiel gebracht.

Die EU-Kommission und das EU-Parlament lassen nicht locker. Am Dienstag kündigten sie die Eröffnung der neuen Europäischen Steuerbeobachtungsstelle an. Dabei handelt es sich um „ein Konsortium von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, das EU-Mittel in Höhe von 1,2 Mio. Euro erhalten hat, um Steuervermeidung, Steuerhinterziehung und aggressive Steuerplanung eingehender zu erforschen und die politischen Entscheidungsträger in der EU entsprechend zu beraten“. 

Ein weiteres Ziel sei es, die Debatte rund um EU-Steuerpolitik in der breiten Öffentlichkeit zu führen anstatt in den Hinterzimmern der Finanzminister und Lobbyisten, so der niederländische Sozialdemokrat Paul Tang, der den Unterausschuss für Steuerangelegenheiten im EU-Parlament leitet. Die Europäische Volksvertretung hatte 2019 Druck gemacht, um ein derartiges Institut ins Leben zu rufen. Nun ist es so weit. 


Finanzminister Gramegna will auf Transparenz setzen aber behält dennoch die Interessen des Finanzplatzes im Blick.
Steuerfairness ja, aber ...
Die Hälfte der Abgeordneten im Europaparlament wollten Luxemburg auf eine schwarze Liste setzen. Die Regierung wehrt sich gegen die Darstellung des Landes als Steuerparadies. Trotz Veränderungen ist Luxemburg nicht immer der Vorreiter, der es vorgibt zu sein. Ein Überblick.

Die Beobachtungsstelle wird demnach an der Paris School of Economics angesiedelt sein. Und der Franzose Gabriel Zucman wird die Stelle leiten. Der junge Ökonom (Jahrgang 1986) ist für seine Forschung zu Steueroasen weltweit bekannt. Sein jüngstes Buch „Der Triumph der Ungerechtigkeit: Steuern und Ungleichheit im 21. Jahrhundert“ gilt als Referenzwerk und Zucman ist derzeit Professor für Wirtschaft an der Universität von Kalifornien in Berkeley. Seine Forschungsschwerpunkte sind dabei die Anhäufung, Verteilung und Besteuerung des weltweiten Wohlstands. 

Zucman: Akademiker mit klarer Sprache

Durch seine Thesen ist Zucman besonders bei linken Intellektuellen und Politikern beliebt. Im Kern seiner Analysen steht die Idee, wonach gute Politik es schafft, Ungleichheiten zu reduzieren. Für Gabriel Zucman ist allerdings auch klar: „Luxemburg hilft multinationalen Konzernen bei der Steuervermeidung und so manchem Reichen bei der Steuerhinterziehung. Außerdem sind in Luxemburg zahlreiche Fonds angesiedelt, in denen schmutziges Geld, versteckt vor den Behörden, investiert und damit gewaschen wird“, wie er neulich in einem Interview sagte. 

In seinem ersten Buch („La richesse cachée des nations“), das Wirtschaftsminister Franz Fayot (LSAP) damals zwar interessant, doch unnötig polemisch fand, hatte Zucman den EU-Ausschluss Luxemburgs ins Spiel gebracht. 

Auf die Frage, ob die neue Beobachtungsstelle sich nicht angreifbar mache, weil sie einen polemischen und eher linken Ökonomen als Leiter habe, erwiderte der EU-Steuerkommissar Paolo Gentiloni, dass Zucmans akademische Leistungen für sich sprechen. Das stimmt wohl. Und auch Zucman versprach, bei den Untersuchungen für die neue Beobachtungsstelle „nicht mit dem Finger auf dieses oder jenes Land zeigen zu wollen“.  Nichtsdestotrotz wird Luxemburg in der ersten Studie des Observatoriums als „Steueroase“ bezeichnet. 

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema