Wählen Sie Ihre Nachrichten​

G7-Gipfel: Handelskrieg und lahme Weltkonjunktur
International 3 Min. 25.08.2019 Aus unserem online-Archiv

G7-Gipfel: Handelskrieg und lahme Weltkonjunktur

An einem Tisch: Die Staats- und Regierungschefs der G7 begannen am Sonntagmorgen in großer Runde mit ihrer ersten Arbeitssitzung.

G7-Gipfel: Handelskrieg und lahme Weltkonjunktur

An einem Tisch: Die Staats- und Regierungschefs der G7 begannen am Sonntagmorgen in großer Runde mit ihrer ersten Arbeitssitzung.
Foto: dpa
International 3 Min. 25.08.2019 Aus unserem online-Archiv

G7-Gipfel: Handelskrieg und lahme Weltkonjunktur

In französischen Biarritz findet der Gipfel der sieben großen Industrienationen statt. Auf der Tagesordnung steht unter anderem ein Handelsclinch zwischen den USA mit China und Europa.

(dpa) - Die Staats- und Regierungschefs der sieben großen Industrienationen (G7) tagen seit Samstag im französischen Biarritz. An dem Treffen nehmen außer Macron und Trump noch Kanzlerin Angela Merkel sowie die Regierungschefs aus Großbritannien, Italien sowie Kanada und Japan teil.


French CRS riot police officers gather in front of Hotel du Palais of Biarritz, in Biarritz, southwestern France on August 22, 2019, where G7 delegations will be hosted, ahead of the 45th Group of Seven (G7) nations annual summit which will take place from August 24 to 26 in the French seaside resort. - A raft of unprecedented measures are set to transform the glamorous French resort of Biarritz into a security fortress as it gears up to host G7 leaders this weekend. Activists have announced a "counter-summit" of thousands of people to lambast the policies of world powers, and the French authorities want at all costs to avoid the event being marred by clashes with police. (Photo by Bertrand GUAY / AFP)
Vorbereitungen für G7-Gipfel laufen auf Hochtouren
Biarritz rüstet sich für den Gipfel der reichen Industrieländer. Vorher spricht Emmanuel Macron noch mit NGO-Vertretern, die er erst auf Distanz halten wollte.

Das Augenmerk liegt bei diesem Gipfel vor allem auf drei Teilnehmern: Trump, der den letzten Gipfel per Twitter nachträglich platzen ließ, indem er das Abschlussdokument für nichtig erklärte. Dem britischen Premierminister Boris Johnson, für den es die Premiere auf der großen Gipfelbühne ist - er trifft am Sonntagmorgen erstmals in neuer Funktion Trump. Und Macron, der nach dem denkwürdigen Scheitern im vergangenen Jahr als Gastgeber nun vieles anders machen möchte.

Erstmals in der 44-jährigen Geschichte des illustren Clubs ist zumindest von vornherein kein gemeinsames Abschlusskommuniqué mehr geplant. Ob es tatsächlich dabei bleibt, ist noch unklar. Beobachter halten es für möglich, dass zumindest geplante Dokumente zu Einzelthemen zu einer gemeinsamen Erklärung zusammengebaut werden.

Trump und die Europäer im Handelsclinch

Die Handelsstreitigkeiten der USA mit China und Europa und die dadurch belastete Weltwirtschaft stehen am Sonntag im Mittelpunkt der Beratungen des G7-Gipfels. Während US-Präsident Donald Trump seinen Handelskrieg mit China unmittelbar vor dem Gipfel noch einmal verschärft hat, drängen die anderen G7-Partner den amerikanischen Präsidenten, grundsätzlich von Strafzöllen abzusehen, um seine handelspolitischen Ziele zu erreichen.

Foto: dpa

Mit den Europäern liegt Trump im Dauerstreit, da er nicht nur Zölle auf europäische Autos, sondern zuletzt auch auf französischen Wein androhte. Auslöser sind die Pläne des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, eine Steuer von globalen Internet-Unternehmen wie Google, Amazon, Facebook und Apple zu erheben. Da viele von ihnen ihren Sitz in den USA haben, ist Trump gegen die Steuer.

Initiative gegen Brände im Regenwald

Es wird damit gerechnet, dass Macron eine gemeinsame Initiative zum Kampf gegen die verheerenden Brände im Amazonas verkünden wird. Der Präsident hatte die Waldbrände wegen der Bedeutung des Amazonasgebiets für den Klimawandel kurzfristig auf die Tagesordnung gehoben. Dagegen hatte sich Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro gegen eine Einmischung und Ratschläge aus dem Ausland gewehrt.

Umweltschützer werfen Jair Bolsonaro vor, ein politisches Klima geschaffen zu haben, in dem Brandrodungen geduldet werden. Die Europäer erhöhen den Druck auf den rechtspopulistischen Präsidenten Brasiliens, indem angesichts der Brände das grundsätzlich vereinbarte Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten infrage gestellt wird.

Macron dringt auf Gleichstellung von Frauen

Bei einem Mittagessen geht es zusammen mit Vertretern der Vereinten Nationen, der Weltbank und des Währungsfonds anschließend um die Gleichstellung von Frauen. Das Thema Gleichheit hat Gastgeber Macron in den Mittelpunkt der dreitägigen Beratungen gestellt. Die Chefin der Entwicklungsorganisation ONE, Gayle Smith, forderte endlich „Fortschritte statt Versprechen“ für Frauen.

Durch die Reform von Gesetzen und Zugang zu Kapital müssten „Veränderungen im System“ erreicht werden, sagte die ONE-Chefin der Deutschen Presse-Agentur. Gleichberechtigung sei nicht nur gerecht, sondern auch schlau. „Niemand bringt seine Wirtschaft dazu, zu funktionieren und zu liefern, wenn nicht die strukturellen Hindernisse für die Hälfte seiner Bevölkerung beseitigt werden.“

Proteste am Rande des Gipfels

G7-Gegner haben für Sonntag neue Proteste angekündigt. Am Samstagabend gab es bereits erste Ausschreitungen. In Bayonne, einer Nachbarstadt von Biarritz, kam es bei einer Demonstration von mehreren Hundert Gipfelgegnern zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, die Wasserwerfer und Tränengas einsetzte, nachdem Steine geflogen waren. Hingegen demonstrierten im 30 Kilometer von Biarritz entfernten Badeort Hendaye am Samstag nach Angaben der Veranstalter etwa 15 000 Menschen friedlich.

Am Abend berichtete die Nachrichtenagentur AFP dann unter Berufung auf die örtliche Präfektur von mindestens 68 Festnahmen am Rande des Gipfels. Orte und Umstände der Festnahmen blieben zunächst offen. Der Gipfel wird von 13.000 Sicherheitskräften im weiträumig abgeriegelten Biarritz gesichert.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Johnson auf Europatour
Berlin und London haben im Streit über den britischen EU-Austritt Gesprächsbereitschaft signalisiert - jetzt trifft der britische Premierminister den französischen Präsidenten.
British Prime Minister Boris Johnson speaks to journalists with the German Chancellor at the Chancellery on August 21, 2019 in Berlin. - Johnson visits Berlin to kick off a marathon of tense talks with key European and international leaders as the threat of a chaotic no-deal Brexit looms. (Photo by Tobias SCHWARZ / AFP)
Brexit: Johnson startet diplomatische Offensive
Vor dem Brexit-Termin am 31. Oktober bewegt sich rein gar nichts zwischen London und Brüssel. Nun versucht es der britische Premierminister Johnson mit einem Brief an den „lieben Donald“ Tusk.
(FILES) In this file photo taken on August 07, 2019 Britain's Prime Minister Boris Johnson prepares to greet King Abdullah II of Jordan outside 10 Downing Street in London on August 7, 2019, ahead of bilateral talks and a working lunch. - Prime Minister Boris Johnson makes his debut on the global stage at the G7 summit this weekend, August 24, 2019, where all eyes will be on his chumminess with US President Donald Trump. (Photo by Daniel LEAL-OLIVAS / AFP)