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G7-Gipfel: Der Bruch
International 2 Min. 10.06.2018

G7-Gipfel: Der Bruch

Es war ein unrühmlicher Abgang für den US-Präsidenten, der sich nicht nur fünf Stunden vor dem eigentlichen Ende aus dem Staub machte, sondern auch die gemeinsame Erklärung aufkündigte.

G7-Gipfel: Der Bruch

Es war ein unrühmlicher Abgang für den US-Präsidenten, der sich nicht nur fünf Stunden vor dem eigentlichen Ende aus dem Staub machte, sondern auch die gemeinsame Erklärung aufkündigte.
Foto: AFP
International 2 Min. 10.06.2018

G7-Gipfel: Der Bruch

Ein historisches Fiasko bei dem G7-Treffen geht dem historischen Gipfel mit Nordkoreas Diktator Kim Jong-Un voraus. US-Präsident Donald Trump verabschiedet sich aus der auf Regeln und Zusammenarbeit begründeten Werte-Gemeinschaft.

Von LW-Korrespondent Thomas Spang aus Washington

Die Mitreisenden Reporter auf der "Air Force One" ahnten nichts Böses als sie bei der Zwischenlandung auf Kreta ihre Handys anschalteten. Wie auch Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht, die sich auf dem Rückweg vom G7-Gipfel in Kanada schon zur Ruhe gelegt hatte. Schien es im idyllischen La Malbaie doch gelungen zu sein, einen offenen Bruch zwischen den USA und ihren ältesten Verbündeten aus Europa, Kanada und Japan zu vermeiden. 

Der von Angela Merkel und Emmanuel Macron mühsam ausgehandelte Formelkompromiss für das gemeinsame Abschlusskommuniqué hielt keine drei Stunden. Mit einer einzigen Kurznachricht aus der Luft zerstörte Trump nicht nur den Konsens, sondern stellte nach Ansicht von Analysten die Zukunft des "Westens" insgesamt in Frage.

Das Foto des Gipfels: Bundeskanzlerin Angela Merkel redet auf den US-Präsidenten ein.
Das Foto des Gipfels: Bundeskanzlerin Angela Merkel redet auf den US-Präsidenten ein.
Jesco Denzel/Bundesregierung /dp

"Basierend auf den falschen Aussagen von Justin bei seiner Pressekonferenz ... habe ich unsere US-Unterhändler angewiesen, die Abschlusserklärung nicht zu unterstützen", tobte Trump auf Twitter, bevor er den kanadischen Gastgeber des Gipfels Trudeau dann frontal angriff. Dieser sei "sehr unehrlich und schwach".

Ein solches Fiasko hat es in den 40 Jahren seit Bestehen des Treffens der sieben wichtigsten Industrienationen nicht gegeben. Dabei zeichnete sich schon vor dem Wutausbruch ab, dass Trump weder an dem gemeinsamen Lösen von Problemen, noch dem Einhalten von Regeln interessiert ist.

Zielsicher provozierte er vor dem Auftakt des Gipfels die übrigen G7-Staaten mit der Forderung, Russland wieder aufzunehmen. Dann zeigte er seinen mangelnden Respekt vor den Alliierten mit dem verspäteten Eintreffen in Kanada. Die vorzeitige Abreise verstanden nicht wenige als Symbol Trumps demonstrativer Abwendung von der westlichen Werte-Gemeinschaft.

Vor seinem Abflug drohte er den engsten Verbündeten offen mit einem Handelskrieg. Die USA würden die "unfairen" Außenhandelsüberschüsse nicht länger hinnehmen. "Wir werden das nun reparieren". Wenn dies nicht gelinge, "werden wir mit diesen Ländern nicht mehr handeln."

Die anderen sechs halten dagegen

Ein Sprecher Trudeaus wies Trumps Wutausbruch via Twitter umgehend zurück. "Der Premierminister hat nichts gesagt, was er nicht bereits zuvor gesagt hat". Dazu gehörte unter anderem die Ankündigungen von Gegenmaßnahmen zum 1. Juli, zu den verhängten US-Strafzölle auf Aluminium und Stahl. Auch die anderen sechs hielten dagegen.

Der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert illustrierte das mit einem Bild, das zeigt, wie Merkel im Kreise der Staats- und Regierungschef auf den schmollenden US-Präsidenten einwirkt. Ob "6+1" oder "7-1" - Beobachter außerhalb der Trump-Welt erkennen eine historische Zäsur, die zum Ende der Nachkriegsordnung führen könnte, die so alt ist wie der Präsident selbst.

"Er betreibt keine Amerika zuerst Politik", kritisiert Nobelpreisträger Paul Krugman das Agieren Trumps. "Russland zuerst wäre die bessere Beschreibung". Vladimir Putin ließ denn auch nicht lange darauf warten, genüsslich das Messer in der Wunde herumzudrehen. Die Kritik an den permanenten Regelverletzungen Russlands wies er als "Gequassel" zurück. Der russische Präsident kündigte an, er wolle Trump treffen, sobald dieser bereit dafür sei. 


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