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G20 in Hamburg: Harte Landung an den Landungsbrücken
International 12 2 Min. 07.07.2017

G20 in Hamburg: Harte Landung an den Landungsbrücken

German riot police scuffle with protester during a demonstration at the G20 summit in Hamburg, Germany, July 7, 2017. REUTERS/Pawel Kopczynski

G20 in Hamburg: Harte Landung an den Landungsbrücken

German riot police scuffle with protester during a demonstration at the G20 summit in Hamburg, Germany, July 7, 2017. REUTERS/Pawel Kopczynski
REUTERS
International 12 2 Min. 07.07.2017

G20 in Hamburg: Harte Landung an den Landungsbrücken

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Keine Atempause für die Polizei in Hamburg - es ist der dritte Tag in Folge mit einer großen Demonstration der G20-Gegner, wieder überschattet von Krawallen. Das Zentrum sind diesmal die bei Touristen beliebten Landungsbrücken.

(dpa) - Das Ziel der Demonstration von „Block G20“ ist klar: Sie wollen am Freitag zur Elbphilharmonie, wo sich gegen Abend die Staats- und Regierungschefs zu einem Konzert einfinden wollen. Zu einem „Arschgeigen-Konzert“, wie eine Sprecherin mit heiserer Stimme aus dem Lautsprecherwagen ruft. Bunt gekleidete Clowns und eine pink gekleidete Percussion-Gruppe erheitern niemanden.

Tausende Demonstranten, darunter Hunderte schwarz gekleidete, ziehen vom Millerntorplatz aber erstmal in die entgegengesetzte Richtung. Es seien 5.000, sagen die Veranstalter. Mehrere Hundertschaften der Polizei lassen sie erst einmal losmarschieren. Oberhalb der Landungsbrücken vereinen sie sich mit Hunderten weiteren Demonstranten in einem Schwarzen Block. Bevor sie runter zur Elbe gehen, werfen einige Vermummte noch schnell Steine auf eine Hotelfront. Von der Polizei ist an der engen Kreuzung Davidstraße/Bernhard-Nocht-Straße nichts zu sehen.

Die Elbphilharmonie scheint in Reichweite. Die Demonstranten ziehen in Richtung des Konzerthauses - mit Flaggen und Bannern türkischer kommunistischer Gruppen hinter der Parole „Wir werden eure Krise sein!“. Sie skandieren „Antikapitalista“ oder „Antifaschista“.

Doch die Polizei hat die Straße abgeriegelt. Wasserwerfer stehen bereit. Ein Hubschrauber knattert in der Luft. Die Demonstranten setzen sich auf die Straße. Bald kommt es zu Auseinandersetzungen. Böller krachen. Die Polizei drängt die Demonstranten Richtung Fischmarkt/Reeperbahn zurück. Auf der Elbe versuchen Greenpeace-Aktivisten mit Booten in die Sicherheitszone auf dem Wasser einzudringen.

Einige Meter oberhalb, an einem Aussichtspunkt, stehen derweil zwei Demonstranten mit ungewöhnlichen Pappschildern: „Mama, mir geht es gut. Wir sind in Hamburg. Randalierer und Politiker - bitte verpissen!“ Die Maschinenbau- und Mechatronik-Studenten Eike und Matthias haben es satt, dass Autos angezündet werden.

Ein Gleichaltriger mit schwarzer Regenkleidung und Kopfbedeckung widerspricht: „Jeder soziale Wandel ist mit Gewalt durchgesetzt worden.“ Als Beispiel nennt er das Ende der DDR und die russische Oktoberrevolution. In die Diskussion mischt sich eine schwarz gekleidete junge Frau ein. „Ihr könnt hier nicht diskutieren. Jetzt geht es um Aktion!“, schreit sie aufgebracht.

Hamburg hat an diesem Freitag bereits eine heftige Krawallnacht hinter sich. 159 verletzte Beamte meldet die Polizei. Wie viele Demonstranten und Unbeteiligte zu Schaden kamen - unklar. Die ganze Nacht gab es Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizei, Sitzblockaden, brennende Autos, zerstörte Geschäfte, beschädigte Streifenwagen. Die Polizei bitte andere Bundesländer um Verstärkung. Die mehr als 19 000 im Einsatz befindlichen Beamten sind offenbar zu wenig.

Nach den Krawallen haben etliche Banken ihre Filialen vorübergehend geschlossen. Im Nobelviertel Harvestehude stehen ungewöhnlich viele Parkplätze leer. Die Besitzer haben ihre Autos in Sicherheit gebracht. Hamburg stellt sich auf weitere Gewalt ein. Die Polizei konzentriert sich am Abend erst einmal auf das Nächstliegende: Die G20-Teilnehmer müssen sicher vom Veranstaltungsort Messehallen zur Elbphilharmonie gebracht werden.    


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