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G20 in Hamburg: Gewaltexzesse beim Gipfel
Am Freitagabend plünderten die Randalierer einen Supermarkt in der Sternschanze.

G20 in Hamburg: Gewaltexzesse beim Gipfel

Foto: REUTERS
Am Freitagabend plünderten die Randalierer einen Supermarkt in der Sternschanze.
International 11 3 Min. 07.07.2017

G20 in Hamburg: Gewaltexzesse beim Gipfel

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Autos und Mülltonnen in Flammen, vermummte Randalierer mit Böllern und Wurfgeschossen, blockierte Straßen: Die Polizei in Hamburg hat Mühe, der Lage Herr zu werden. Es ist ein Gipfel unter extremen Bedingungen.

(dpa) - Eine Explosion der Gewalt von Linksautonomen hat am Freitag die politischen Gespräche der Staats- und Regierungschefs beim G20-Gipfel in Hamburg überschattet. Angesichts stundenlanger Krawalle seit Donnerstagabend forderte die Polizei der Hansestadt Verstärkung aus anderen Bundesländern an. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, Proteste mit Angriffen auf Polizisten und Brandstiftungen seien „nicht zu akzeptieren“. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verurteilte die Ausschreitungen scharf.

„Brutale Gewalt hat auf unseren Straßen nichts verloren“, betonte Steinmeier in der „Bild“-Zeitung (Samstag). „Sie hat keine Rechtfertigung und kann nicht mit Verständnis rechnen.“ Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) sagte: „Hochaggressive, gewalttätige Straftäter bringen Sicherheitskräfte in Bedrängnis und fordern unsere offene Gesellschaft in einer Weise heraus, die für niemanden akzeptabel sein kann.“

Mindestens 196 Polizisten verletzt 

Bei den Krawallen wurden nach Polizeiangaben vom Freitagabend 196 Beamte verletzt, darunter seien keine Schwerverletzten. Zur Zahl der verletzten Demonstranten konnten weder Polizei noch Feuerwehr Angaben machen. Ein Feuerwehrsprecher sagte, die Demonstranten hätten eigene Sanitäter dabei, so dass sie in vielen Fällen nicht auf fremde Hilfe angewiesen seien. Die Polizei nahm bis Freitagabend nach eigenen Angaben 83 Gipfelgegner fest und 17 weitere in Gewahrsam. Zur Zahl der abgebrannten Autos konnte die Polizei keine Angaben machen, die Feuerwehr sprach von einigen Dutzend.

Am Abend begann eine weitere Kundgebung mit massiven Ausschreitungen. Nach Angaben der Polizei versammelten sich etwa 1.000 Demonstranten zur Kundgebung „Revolutionäre Anti-G20-Demo“ - unter dem Motto „G20 entern - Kapitalismus versenken“. Angesichts dramatischer Szenen noch bei Tageslicht wurden für die Nacht weitere Gewaltexzesse in St. Pauli und Altona befürchtet. 

Supermarkt geplündert, Notaufnahme angegriffen

Diese traten dann auch ein. Im Schanzenviertel plünderten Randalierer einen Drogeriemarkt und einen Lebensmittelladen. Auf der Straße brannten Feuer, teils meterhoch. Dichter Rauch stieg auf. Steine flogen. 


Nach Angaben der Polizei waren mehrere Randalierer mit Eisenstangen unterwegs, andere schossen den Angaben zufolge mit Zwillen auf Beamte. Viele Demonstranten kletterten nach Angaben von Augenzeugen auf Gerüste der angrenzenden Häuser. Laut Polizei bewarfen Randalierer von dort die Beamten mit Gegenständen.



Den ganzen Tag gab es aber auch friedliche Kundgebungen Tausender Gipfelgegner. Die Demonstranten versuchten über die Straßen und auf der Elbe in die Nähe der Elbphilharmonie zu gelangen, wo die G20-Mächtigen, ihre Partner und ausgewählte Gäste später am Abend Beethovens 9. Symphonie hörten. Die immer wieder von Krawallmachern angegriffenen Polizeibeamten verhinderten dies mit dem Einsatz von Wasserwerfern. Die Polizei sprach von etwa 6.000 Demonstranten.

Seit Freitag 06.00 Uhr und bis Samstagnachmittag 17.00 Uhr gilt in Teilen der Hamburger Innenstadt ein Versammlungsverbot. Dann etwa endet das G20-Treffen. Hamburgs Polizeipräsident Ralf Meyer schätzte, dass rund 21.000 Polizisten das G20-Treffen in den Messehallen schützen. Er sprach von blinder Gewalt. Auch viele Demonstranten wurden verletzt, elf von ihnen schwer. 

Gipfelgegner sprechen von Erfolg

Bundespräsident Steinmeier wies in der „Bild“-Zeitung auch auf die klar in der Mehrzahl befindlichen friedlichen Gipfelgegner und auf die eingesetzten Polizisten hin: „Meinen Respekt haben diejenigen, die - wie von unserer Verfassung garantiert - auch ihren Protest zum Ausdruck bringen, und die Polizisten, die es mit ihrem Einsatz ermöglichen, dass Deutschland ein guter Gastgeber für wichtige und notwendige Gespräche sein kann.“      

Das Gipfelgegner-Bündnis „Block-G20“ wertete die Protestaktionen als Erfolg. „Wir haben getan, was wir angekündigt haben: Tausende Menschen sind in die so genannte blaue Zone eingedrungen“, sagte Bündnissprecherin Jana Schneider am Freitagabend. Der Gipfelablauf sei gestört worden. „Wir waren da, wo wir nicht sein sollten: auf den Zufahrtswegen und Protokollstrecken zum Gipfel.“

Vertreter der am Vorabend eskalierten „Welcome to Hell“-Demonstration verlangten wegen deren gewaltsamer Auflösung den Rücktritt von Scholz und Grote. „Natürlich müssten aus diesen Vorkommnissen personelle Konsequenzen gezogen werden“, sagte Christoph Kleine von der G20-Plattform. Er nannte auch den G20-Polizeieinsatzleiter Hartmut Dudde. „Die Polizei hat Tote in Kauf genommen.“ Polizeipräsident Meyer verteidigte dagegen den Einsatz. Er sei sich „absolut sicher“, dass dieser verhältnismäßig gewesen sei.


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