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Für immer rätselhaft
International 3 Min. 01.11.2017 Aus unserem online-Archiv
Der Fall Amanda Knox

Für immer rätselhaft

Maximales Medieninteresse: Amanda Knox auf den Titelseiten der britischen Presse.
Der Fall Amanda Knox

Für immer rätselhaft

Maximales Medieninteresse: Amanda Knox auf den Titelseiten der britischen Presse.
Archivfoto: AP
International 3 Min. 01.11.2017 Aus unserem online-Archiv
Der Fall Amanda Knox

Für immer rätselhaft

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Amanda Knox will wieder Normalität. Zehn Jahre nach dem Mord an der britischen Studentin Meredith Kercher spricht sie sogar von einer Rückkehr nach Italien. Am damaligen Tatort kommt das nicht gut an.

(dpa) - Das gewöhnliche Haus im Grünen in einer hübschen italienischen Universitätsstadt ist immer noch Anziehungspunkt für Sensationslustige: Hier in Perugia wohnten die britische Austauschstudentin Meredith Kercher und die US-Studentin Amanda Knox. Kercher wurde in der Nacht vom 1. auf den 2. November vor zehn Jahren vergewaltigt und halb nackt mit durchschnittener Kehle gefunden. Knox wurde für den Mord vier Jahre in ein italienisches Gefängnis gesperrt. Nach einem acht Jahre langen Justizdrama unter maximaler Weltöffentlichkeit wurde die inzwischen 30-Jährige 2015 endgültig freigesprochen. Bis heute ist nicht geklärt, wer Kercher umgebracht hat.

"Der Engel mit den Eisaugen" sucht die Öffentlichkeit

Knox, wegen ihres Aussehens „Engel mit den Eisaugen“ genannt, war von Anfang an im Zentrum des Interesses. Zehn Jahre später hat sie einen Weg gewählt, der nicht ohne Fallen ist: Den der größtmöglichen Öffentlichkeit. Die Geschichte von ihrer ungerechtfertigten Verurteilung soll überall gehört werden. Sie engagiert sich nicht nur für Opfer von Justizirrtümern, gibt Interviews und hat ein Buch und eine Doku über ihr Schicksal veröffentlicht. In sozialen Netzwerken postet sie zudem massenhaft private Fotos von sich, ihrem Freund Christopher Robinson und ihren Katzen. Man sieht Knox als Rotkäppchen verkleidet im Schwarzwald, Knox im Zoo und Knox beim Essen und Lesen.

Amanda Knox auf dem Weg zu einem Berufungstermin im Jahr 2011.
Amanda Knox auf dem Weg zu einem Berufungstermin im Jahr 2011.
Foto: REUTERS

Wie passt das zusammen, wenn jemand jahrelang der Sensationsgier der Öffentlichkeit ausgesetzt war und dies auch immer wieder angeprangert hat und sein Privatleben nun für jeden sichtbar in Szene setzt? Sie wolle endlich wieder ein Leben wie jeder andere Mensch auch leben, sagte Knox, die wieder in den USA wohnt, dem Magazin „People“. „Langsam kann ich wieder zum Rest der Menschheit gehören, weil ich nicht mehr gejagt werde.“ Sie hätte nach dem Mord auch verschwinden können, „und niemand hätte mehr von Amanda Knox erfahren“, sagte sie. „Aber ich denke, das ist der falsche Weg.“


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Amanda Knox endgültig freigesprochen
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Mit ihrem Freund, einem Schriftsteller, wohnt Knox in Seattle und arbeitet als Journalistin. Sie freue sich darauf, mit ihm ein Baby zu haben, erzählte sie. Hinter Gittern hätte sie diesen Wunsch fast aufgegeben. In einem anderen Interview sagte sie, dass sie auch Todesdrohungen bekomme. Sie könne nichts daran ändern, wenn Menschen sie für eine „Femme fatale“ hielten.

Eine offene Wunde

Aber auch wenn sich das Scheinwerferlicht vor allem auf Knox konzentriert hat: An der Geschichte sind viele Personen beteiligt, die mit dem Fall auch zehn Jahre danach noch nicht abgeschlossen haben. Raffaele Sollecito, der damalige Freund von Knox, wurde zusammen mit ihr verurteilt und freigesprochen. Er kämpft in Italien immer noch um Entschädigung und seinen Ruf. Es bleibe eine „offene Wunde, die sich wahrscheinlich nie schließen wird“, sagte zuletzt sein Vater Francesco Sollecito der Nachrichtenagentur Ansa.


PRODUKTION - 14.09.2021, Hessen, Frankfurt/Main: Jens Söring steht im Palmengarten in Frankfurt und hält sein Buch «Rückkehr ins Leben» in der Hand. Der Sohn eines deutschen Diplomaten war in den USA wegen Doppelmordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden und erst 2019 nach 33 Jahren hinter Gittern nach Deutschland abgeschoben worden. Hier versucht er jetzt, sich eine neue Existenz aufzubauen. (zu dpa «Nach mehr als 33 Jahren Haft: Jens Sörings erste Monate in Freiheit») Foto: Boris Roessler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
„Ich habe Derek und Nancy nicht umgebracht“
Ein verurteilter Doppelmörder auf freiem Fuß: Jens Söring über das Verbrechen, das ihn ins Gefängnis brachte, und seinen Neuanfang nach der Haft.

Und dann ist da Rudy Guede, der einzige, der wegen des Mordes noch in Haft sitzt. Am Tatort wurden seine DNA-Spuren gefunden, später wurde der Ivorer in Deutschland festgenommen und sitzt mittlerweile in Viterbo bei Rom eine 16 Jahre lange Gefängnisstrafe ab. Er hält sich für den Sündenbock. Eine Revision lehnte ein Gericht jedoch dieses Jahr endgültig ab.

In Perugia wurde das Haus, in dem der Mord passierte, mittlerweile verkauft. Die Menschen sind froh, dass ihre Stadt aus dem Scheinwerferlicht verschwunden ist. Der zuletzt von Knox geäußerte Wunsch, eines Tages in die Stadt in Umbrien zurückzukehren, um das Kapitel endgültig zu schließen, kam in Italien allerdings nicht gut an. Auch nicht bei der Familie des Opfers: „Die Tat hat starke Spuren in Perugia hinterlassen. Spuren, die immer noch nicht verschwunden sind“, sagte der Familienanwalt Francesco Maresca, „deshalb wäre eine Rückkehr von Amanda Knox unangemessen.“ 


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