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Fünf Jahre „Charlie“-Anschlag: Frankreichs Kampf gegen Terror
International 4 Min. 07.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Fünf Jahre „Charlie“-Anschlag: Frankreichs Kampf gegen Terror

Die Charlie-Redaktion. Bei dem Anschlag töteten die Kouachi-Brüder damals mehrere bekannte Zeichner des Blattes.

Fünf Jahre „Charlie“-Anschlag: Frankreichs Kampf gegen Terror

Die Charlie-Redaktion. Bei dem Anschlag töteten die Kouachi-Brüder damals mehrere bekannte Zeichner des Blattes.
AFP
International 4 Min. 07.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Fünf Jahre „Charlie“-Anschlag: Frankreichs Kampf gegen Terror

Jeder laute Knall, jede Explosion - in Frankreich stellt sich sofort die Frage: Ist es Terror? Fünf Jahre ist es nun her, dass bei „Charlie Hebdo“ das Unfassbare geschieht.

Es war der Anfang. Auch wenn das nicht ganz korrekt ist, fühlt es sich doch für viele so an. Am 7. Januar vor fünf Jahren dringen die Brüder Chérif und Said Kouachi in die Pariser Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ ein und eröffnen das Feuer. Es beginnt eine drei Tage währende Großfahndung - inklusive Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt. Insgesamt sterben 17 Menschen, auch die drei islamistischen Täter werden erschossen. Der Anschlag steht symbolisch für den Auftakt einer islamistischen Terrorserie in Frankreich - mit seither mehr als 250 Toten.

Der Slogan „Je suis Charlie“ wurde zum Schlagwort für das Zusammenstehen nach Terrorangriffen.
Der Slogan „Je suis Charlie“ wurde zum Schlagwort für das Zusammenstehen nach Terrorangriffen.
AFP

Frankreich kennt den islamistischen Terror. Bereits in den 1980er und vor allem 1990er Jahren gab es immer wieder Angriffe - vor allem auf Züge und Metros. Der Angriff auf „Charlie Hebdo“ war auch nicht die erste tödliche Attacke in den 2010ern Jahren im Land: Im März 2012 ermordete Mohamed Merah über mehrere Tage drei Soldaten sowie einen Lehrer und drei Kinder einer jüdischen Schule in Südfrankreich. Doch nach dem mörderischen Angriff auf das Satiremagazin und den Supermarkt folgten die Attacken in hoher Schlagzahl - und das Land verändert sich.

Brandanschlag auf Redaktionsräume

Paris, November 2015: 130 Tote. Nizza, Juli 2016: 86 Tote. Straßburger Weihnachtsmarkt, Dezember 2018: 5 Tote. Pariser Polizeihauptquartier, Oktober 2019: 4 Tote. Das ist nur eine Auswahl. Und ganz aktuell nun wohl die Messerattacke vom Freitag bei Paris mit einem Toten. Mehrere Dutzend Attentate wurden außerdem vereitelt.

Eine beispiellose Solidarität.
Eine beispiellose Solidarität.
AFP

Bei dem Anschlag auf „Charlie Hebdo“ töteten die Kouachi-Brüder damals mehrere bekannte Zeichner des Blattes. Die Redaktion wurde wegen ihrer Mohammed-Karikaturen Ziel der Attentäter. Auf die Redaktionsräume war einige Jahre zuvor bereits ein Brandanschlag verübt worden. Die Solidarität nach der Attacke war vor fünf Jahren riesig. Der Slogan „Je suis Charlie“ (dt. Ich bin Charlie) wurde zum Schlagwort für das Zusammenstehen nach Terrorangriffen.


(FILES) This combination of images created on February 2, 2015 shows graffitties painted in walls of Paris commemorating Charlie Hebdo magazine. 
Three years after the attack on the satirical newspaper Charlie Hebdo, its editor-in-chef Riss complained in the new edition to be published on January 3, 2018, that freedom of speech has become a "luxury", regarding the cost of security measures for the newspaper and its staff. / AFP PHOTO / Jo�l SAGET / ----IMAGE RESTRICTED TO EDITORIAL USE - STRICTLY NO COMMERCIAL USE----- / GETTYOUT
Der Preis der Freiheit
Am Sonntag sind es drei Jahre her, dass Extremisten die Redaktionsräume der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" überfallen und dabei zwölf Menschen getötet haben. Alltag aber ist noch nicht eingekehrt.

Die Terrorgefahr ist seitdem omnipräsent in Frankreich. Schwerbewaffnete Polizisten und Soldaten patrouillieren an stark frequentierten Orten, Betonbarrieren schützen Großereignisse. Und sogar der weltberühmte Eiffelturm ist nun von einer Glaswand umschlossen. Und jeder herrenlose Koffer bringt das Pariser Leben kurz zum Stillstand.

Die tödliche Messerattacke im Süden der Hauptstadt sorgte kurz vor dem Jahrestag wieder für große Aufregung. Ein Mann griff Menschen wahllos an - tötete einen 56-Jährigen. Und momentan deutet vieles darauf hin, dass auch dieser Angriff terroristisch motiviert war.

Ausnahmezustand

Nach den Anschlägen auf die Konzerthalle Bataclan in Paris, das Stade de France und zahlreiche Bars im November 2015 galt der Ausnahmezustand fast zwei Jahre lang. Zahlreiche zentrale Notstandsmaßnahmen wurden kurz vor dessen Ende ins normale Recht übernommen. Sicherheitsbehörden haben im Anti-Terror-Kampf nun weitgehendere Befugnisse.

Die Terrorgefahr ist omnipräsent in Frankreich. Schwerbewaffnete Polizisten und Soldaten patrouillieren an stark frequentierten Orten, Betonbarrieren schützen Großereignisse.
Die Terrorgefahr ist omnipräsent in Frankreich. Schwerbewaffnete Polizisten und Soldaten patrouillieren an stark frequentierten Orten, Betonbarrieren schützen Großereignisse.
AFP

Ende vergangenen Jahres nahm die Redaktion von Charlie-Hebdo in Straßburg erstmals seit dem Anschlag wieder an einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung teil. „Wir haben die katholische Religion kritisiert, wir kritisieren den Islam, wir kritisieren Buddhisten dafür, die Rohingya angegriffen zu haben“, sagte die Zeichnerin Coco damals dem Sender Franceinfo. Sie war am Tag des Anschlags gerade auf dem Weg in die Redaktion, als die zwei Angreifer sie bedrohten und zwangen, die Tür zu öffnen. Ein Horror-Szenario. Anschließend richteten die Gebrüder Kouachi ein Massaker an.


Antonio Fischetti: «J'aurais pu devenir un héros mort, mais j'aime mieux être un homme ordinaire et vivant».
«A l'avant-garde de la transgression»
Antonio Fischetti est journaliste. Chez Charlie Hebdo. Vivant. Il était absent de la rédaction le jour de la tuerie, pour cause d'enterrement, car sa tante venait de décéder. Il était présent récemment au Luxembourg, nous l'avons rencontré.

Im Frühjahr 2020 steht nun in Paris der Prozess gegen mutmaßliche Hintermänner des Anschlags an. „Ich hoffe auch, dass dieser Prozess uns wirklich den Krieg bewusst macht, den der islamische Fanatismus uns erklärt hat“, sagt Patrick Pelloux dem Magazin „Paris Match“. Er ist Notfallarzt und hat immer wieder für „Charlie Hebdo“ gearbeitet - nach dem Anschlag war er einer der ersten am Tatort. Die Opfer gehörten zu seinen engsten Freunden. Es sei nun wichtig „ein starkes Signal an unsere Feinde zu senden“.

Ein „wichtiger Wendepunkt“

Einer, der den Anschlag auf das Satiremagazin damals begrüßte, war Mickaël Harpon. Fast fünf Jahre später greift er selbst zum Messer. Er trifft Frankreich mitten ins Herz: Im Pariser Polizeihauptquartier, einen Steinwurf von Notre-Dame entfernt, tötet er brutal drei Kollegen und eine Kollegin. Er selbst war Polizeimitarbeiter, arbeite in einer sensiblen Abteilung. Harpon war Jahre vorher zum Islam konvertiert und hatte sich radikalisiert. Kollegen hatten auffälliges Verhalten gemeldet.

Präsident Emmanuel Macron hat den Franzosen einen „rastlosen Kampf“ gegen den islamistischen Terrorismus versprochen.
Präsident Emmanuel Macron hat den Franzosen einen „rastlosen Kampf“ gegen den islamistischen Terrorismus versprochen.
AFP

Für den Islamexperten Gilles Kepel ist dieser Angriff ein „wichtiger Wendepunkt“. Er habe eine enorme symbolische Bedeutung, sagt er der Zeitung „Le Figaro“. „Das Innere der Pariser Polizeipräfektur soll eine Bastion sein. Sie ist das Symbol für Recht und Ordnung in Frankreich und für den Kampf gegen den erschütternden Dschihadismus.“ Dieser Terrorismus „unter dem Radar“, für den Harpon stehe, sei eine besondere Gefahr, sagte der Experte.

In diese Reihe könnte auch der aktuelle Messerangriff von Paris passen. Der Täter war psychisch krank, konvertierte vor einigen Jahren zum Islam und rief während der Tat „Allahu akbar“ (Arabisch für „Gott ist groß“). Wie Harpon hatten ihn die Terrorfahnder vorher nicht auf dem Schirm.

Präsident Emmanuel Macron versprach den Franzosen bei der Trauerfeier für die Opfer des Angriffs auf das Polizeihauptquartier einen „rastlosen Kampf“ gegen den islamistischen Terrorismus. Der Islamismus, sagte der Staatschef, sei eine Hydra - also wie das Ungeheuer aus der griechischen Mythologie mit mehreren Schlangenköpfen, dem beim Abschlagen eines Kopfes mehrere nachwachsen. Frankreich dürfte der Hydra noch nicht den letzten Kopf abgeschlagen haben.


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Three years after the attack on the satirical newspaper Charlie Hebdo, its editor-in-chef Riss complained in the new edition to be published on January 3, 2018, that freedom of speech has become a "luxury", regarding the cost of security measures for the newspaper and its staff. / AFP PHOTO / Jo�l SAGET / ----IMAGE RESTRICTED TO EDITORIAL USE - STRICTLY NO COMMERCIAL USE----- / GETTYOUT
Rencontre avec Antonio Fischetti, journaliste à Charlie Hebdo
Antonio Fischetti est journaliste. Chez Charlie Hebdo. Vivant. Il était absent de la rédaction le jour de la tuerie, pour cause d'enterrement, car sa tante venait de décéder. Il était présent récemment au Luxembourg, nous l'avons rencontré.
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Charlie, un an après la tuerie
Un an après la tuerie au sein de sa rédaction, Charlie Hebdo se livre à une nouvelle provocation, dans l'obstination aveugle à défendre son fond de commerce éditorial. Un commentaire de Gaston Carré.
Un dieu assassin, encore armé et toujours en fuite: la couverture de Charlie Hebdo, un an après le drame.
Alors que «toute la journée on nous a dit de rester chez nous», à la tombée de la nuit, les Parisiens sont venus par centaines sur la Place de la République, samedi, pour exprimer de façon poignante leur solidarité avec les familles des victimes de la barbarie qui s'est jouée là, tout près.
A la nuit tombée, Florence est enfin sortie de chez elle (tout près de deux lieux de fusillades) car à «République», elle «se sent au contact de l'Humanité bienveillante».
Millionenfach ist das Logo "Je suis Charlie" von Joachim Roncin geteilt worden - im Internet, auf Kaffeetassen, T-Shirts und Babystramplern. Der Schöpfer des Logos ist nicht damit einverstanden, dass sein Werk kommerziell ausgeschlachtet wird.
Schilder mit der Aufschrift "Je suis Charlie" waren überall auf der ganzen Welt in den Medien zu sehen. Der Schöpfer der Grafik hat davon nichts.
Trauer und Erleichterung nach den Geiselnahmen
Drei Tage lang fühlen sich die Franzosen wie in einem Alptraum. Nach dem Terroranschlag auf „Charlie Hebdo“ und auf die Meinungsfreiheit ist Trauer angesagt. Hinzu kommen nun Erleichterung und auch Trotz.
Die Franzosen trauern um die Opfer, sind aber auch froh, dass die Geiselnahmen beendet sind.
Auflage: eine Million Exemplare
Die Journalisten von Charlie Hebdo geben nicht auf. "Wir machen weiter, darüber sind wir uns alle einig", sagte Mitarbeiter Patrick Pelloux.
Die Mannschaft von Charlie Hebdo ist entschlossen, trotz des Attentats weiterzumachen.
Die Polizei hat Männer, die an dem Attentat auf die Redaktion des Satireblatts Charlie Hebdo beteiligt gewesen sein sollen, identifziert. Bei den beiden Hauptverdächtigen handelt es sich um zwei Brüder: Chérif und Said Kouachi.
Vor allem Cherif Kouachi (l.), der mit seinem Bruder Said das Attentat verübt haben soll, war den Behörden als Dschihadist bekannt.
Hintergrund: „Charlie Hebdo“
Das französische Satireblatt „Charlie Hebdo“ sorgt seit Jahren immer wieder für Skandale. Es nimmt regelmäßig mit derben Karikaturen radikale Ausprägungen der Religion aufs Korn. Ein kurzes Portrait des Blatts.