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Führender Kopf hinter ruandischem Völkermord verhaftet
International 2 Min. 17.05.2020

Führender Kopf hinter ruandischem Völkermord verhaftet

Das Fahndungsfoto von Félicien Kabunga

Führender Kopf hinter ruandischem Völkermord verhaftet

Das Fahndungsfoto von Félicien Kabunga
Foto: IRMTC
International 2 Min. 17.05.2020

Führender Kopf hinter ruandischem Völkermord verhaftet

Internationaler Fahndungserfolg mit Luxemburger Beteiligung: Am Samstag konnte Félicien Kabuga, einer der führenden Köpfe hinter dem Völkermord in Ruanda, gefasst werden.

(mth/dpa) - Am Samstag konnte in Frankreich eine weltweit wegen ihrer Beteiligung am Völkermord im Ruanda gesuchte Person festgenommen werden. Félicien Kabuga wird verdächtigt, 1994 eine Schlüsselrolle bei der Planung und Durchführung des Genozids an der Tutsi-Minderheit im Ruanda gespielt zu haben.


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Ein Erfolg, an dem neben Ermittlern aus mehreren europäischen Ländern auch Fahnder aus Luxemburg mitwirkten, wie aus der betreffende Mitteilung des zuständigen "Internationalen Residualmechanismus für die Ad-hoc-Strafgerichtshöfe" (IRMTC) hervorgeht.

Félicien Kabuga war bereits 1997 vom Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda wegen Völkermord, Beihilfe zum Völkermord und mehreren beigeordneten Verbrechen angeklagt worden. Seitdem war er untergetaucht und befand sich auf der Flucht vor der Polizei.

Nach Angaben dieser erfolgte die Festnahme am Samstagmorgen. Kabuga habe unter falscher Identität in einem Apartment in Asnières-sur-Seine im Norden der französischen Hauptstadt gewohnt, teilte die Gendarmerie mit. Seine Kinder seien dabei Komplizen gewesen, hieß es in der Mitteilung. Die Festnahme habe nun den Weg frei gemacht für ein Gerichtsverfahren in Paris. Am Ende müsse Frankreich Kabuga an den Strafgerichtshof in Den Haag überstellen.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) sprach von einem „Meilenstein in der Aufarbeitung des Völkermords in Ruanda“. GfbV-Direktor Ulrich Delius meinte jedoch: „Es ist beschämend, dass es 26 Jahre gedauert hat, einen der bedeutendsten Hintermänner des Genozids in Ruanda zu fassen.“ Für die Angehörigen der Opfer des Völkermords sei es wichtig, dass Kabuga trotz seines hohen Alters noch zur Rechenschaft gezogen werde.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres nannte die Festnahme ein starkes Signal dafür, dass Täter auch nach Jahrzehnten zur Rechenschaft gezogen werden können. An diesem Tag seien seine Gedanken vor allem bei den Opfern der damaligen grausamen Verbrechen.

Kabuga stand auch einem Fonds zur nationalen Verteidigung vor, der Gelder für die Finanzierung der berüchtigten Interahamwe-Miliz beschaffte. Er soll auch große Mengen an Macheten importiert haben, mit denen später Massaker verübt wurden.

1994 hatten in Ruanda Vertreter der Hutu-Mehrheit tausende Angehörige der Tutsi-Minderheit sowie gemäßigte Hutu getötet. Das Massaker wurde erst nach rund 100 Tagen beendet, als die im Exil von Tutsi gegründete Ruandische Patriotische Front (RPF) mit dem heutigen Präsidenten Paul Kagame an der Spitze aus Uganda einmarschierte.


(FILES) In this file photograph taken on February 6, 2009, a pair of Rwandan Hutu rebels of the Democratic Forces for the Liberation of Rwanda (FDLR) stand in dense forest outside Pinga, some 150kms north-west of Goma. - A Rwandan Hutu rebel leader wanted by the International Criminal Court on war crime charges has been shot dead by the Congolese army, a DRC military spokesperson said September 18, 2019. Sylvestre Mudacumura, commander of the Democratic Forces for the Liberation of Rwanda (FDLR) that has often been accused of committing atrocities, was "definitively neutralised" in DRC's North Kivu province late September 17, General Leon-Richard Kasonga told AFP. (Photo by Lionel HEALING / AFP)
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Er war ein gefürchteter Kriegsverbrecher, der Mitverantwortung am Völkermord in Ruanda trug: Der Rebellenchef Sylvestre Mudacumura wurde erschossen.

Bei dem Völkermord in Ruanda im Jahr 1994 starben Schätzungen zufolge zwischen 800.000 und einer Million Menschen.

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