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Friedensnobelpreis geht nach Belarus, Russland und Ukraine
International 3 Min. 07.10.2022
Vorkämpfer für Menschenrechte

Friedensnobelpreis geht nach Belarus, Russland und Ukraine

Der Friedensnobelpreis zeichnet diesmal eine Persönlichkeit und zwei Organisationen aus, die in Belarus, Russland und der Ukraine für Menschenrechte kämpfen.
Vorkämpfer für Menschenrechte

Friedensnobelpreis geht nach Belarus, Russland und Ukraine

Der Friedensnobelpreis zeichnet diesmal eine Persönlichkeit und zwei Organisationen aus, die in Belarus, Russland und der Ukraine für Menschenrechte kämpfen.
Foto: dpa
International 3 Min. 07.10.2022
Vorkämpfer für Menschenrechte

Friedensnobelpreis geht nach Belarus, Russland und Ukraine

In Oslo ist das Geheimnis gelüftet worden, wer den Friedensnobelpreis erhält. Er geht an Aktivisten aus Belarus, Russland und der Ukraine.

(dpa/jt) – Vorkämpfer für die Menschenrechte in Belarus, Russland und der Ukraine erhalten in diesem Jahr den Friedensnobelpreis. Der renommierteste Friedenspreis der Erde geht an den inhaftierten belarussischen Menschenrechtsanwalt Ales Bjaljazki, die russische Organisation Memorial und das ukrainische Center for Civil Liberties. Das gab das norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo bekannt.   

Die diesjährigen Preisträger repräsentierten die Zivilgesellschaft in ihren Heimatländern, sagte die Vorsitzende des Komitees, Berit Reiss-Andersen, bei der Preisbekanntgabe. Sie setzten sich seit vielen Jahren für den Schutz der Grundrechte der Bürger und das Recht ein, Machthabende zu kritisieren.

Die international bekannte russische Menschenrechtsorganisation Memorial wurde im vergangenen Jahr auf Anweisung der Behörden aufgelöst, weil sie gegen Gesetze verstoßen haben soll. Memorial lehnte es ab, den umstrittenen Titel „ausländischer Agent“ zu tragen. Die Organisation setzte sich für politisch Verfolgte und Gefangene ein. Und sie klärte über Verbrechen der kommunistischen Gewaltherrschaft auf.

Ales Bjaljazki saß bereits zwischen 2011 und 2014 in Haft. 2021 wurde er erneut festgenommen.
Ales Bjaljazki saß bereits zwischen 2011 und 2014 in Haft. 2021 wurde er erneut festgenommen.
Archivbild: AFP

Der bereits seit mehr als einem Jahr in einem belarussischen Gefängnis inhaftierte Ales Bjaljazki kämpft seit vielen Jahren für Demokratie und Freiheit in seinem Heimatland. Bjaljazki war bereits im Jahr 2020 mit dem Right Livelihood Award ausgezeichnet worden, der gemeinhin als Alternativer Nobelpreis bezeichnet wird. Große internationale Berühmtheit erlangten der 60-Jährige und das von ihm gegründete Menschenrechtszentrum Wesna insbesondere im Zuge der Massenproteste nach der als gefälscht eingestuften Präsidentenwahl im Sommer 2020.

Hunderttausende Belarussen gingen damals gegen den als „letzten Diktator Europas“ kritisierten Langzeit-Machthaber Alexander Lukaschenko auf die Straßen. Zehntausende wurden vorübergehend festgenommen, Hunderte verletzt und mehrere getötet. 

Bjaljazki: „Verwirklichung der Demokratie ist ein langwieriger Prozess“

Im August 2020 erklärte Bjaljazki in einem Interview mit der „Luxembourg Times“, dass er „begeistert“ über den Erfolg der Massenproteste sei. Ziel der Aktivisten sei „ein demokratisches Belarus mit europäischen Werten“. 

Gleichzeitig machte sich der damals 57-jährige Menschenrechtler keine Illusionen über einen baldigen Sturz des Regimes: „Die Verwirklichung der Demokratie ist ein langwieriger Prozess.“ In dem Interview sprach Bjaljazki auch über die Gefahr, erneut inhaftiert zu werden: „Diesmal werde ich wissen, wie ich damit umgehe.“ Ein knappes Jahr später wurde der Aktivist erneut verhaftet und später wegen Steuerflucht zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Mit dem Friedensnobelpreis haben die Tage der Nobelpreis-Bekanntgaben ihren Höhepunkt erreicht. Zuvor waren in dieser Woche bereits die Preisträgerinnen und Preisträger in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie und Literatur verkündet worden. Am kommenden Montag folgt zum Abschluss noch der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften, der als einziger der Preise nicht auf das Testament des Dynamit-Erfinders und Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896) zurückgeht.


(FILES) In this file photo taken on November 16, 2012 Northern Irish Nobel Peace Prize laureate Lord David Trimble discusses efforts to negotiate a peace accord between the Philippine government and the Moro Islamic Liberation Front, in the south during a press briefing in Manila. - David Trimble, Northern Ireland's Nobel peace prize winning former first minister, has died at the age of 77, his Ulster Unionist Party said on July 25, 2022. Trimble helped forge the 1997 landmark peace deal in the troubled UK province which ended decades of conflict, and won the prize along with SDLP leader John Hume. (Photo by JAY DIRECTO / AFP)
Nordirischer Friedensnobelpreisträger Trimble gestorben
Der nordirische Friedensnobelpreisträger David Trimble ist nach kurzer Krankheit am Montag im Alter von 77 Jahren gestorben.

Dotiert sind die Nobelpreise in diesem Jahr erneut mit jeweils zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 980.000 Euro) pro Kategorie. Verliehen werden sie traditionell an Nobels Todestag, dem 10. Dezember. Der Friedensnobelpreis ist dabei der einzige der Preise, der nicht im schwedischen Stockholm, sondern in der norwegischen Hauptstadt Oslo überreicht wird.

Der Friedensnobelpreis gilt als der bedeutendste Friedenspreis der Erde. Insgesamt 343 Kandidaten - 251 Persönlichkeiten und 92 Organisationen – waren in diesem Jahr für ihn nominiert worden. Die Namen der Nominierten werden traditionell 50 Jahre lang geheim gehalten. Im vergangenen Jahr waren die Philippinerin Maria Ressa und der Russe Dmitri Muratow mit dem Preis geehrt worden. Die beiden Journalisten erhielten ihn für ihren Kampf für die Meinungsfreiheit.

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