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"Franzosen müssen nun mit Terror leben"
International 2 Min. 16.11.2015 Aus unserem online-Archiv
Pariser Terror in den Zeitungen

"Franzosen müssen nun mit Terror leben"

In den Zeitungen gibt es weltweit nur ein Thema: die brutalen Anschläge in Paris.
Pariser Terror in den Zeitungen

"Franzosen müssen nun mit Terror leben"

In den Zeitungen gibt es weltweit nur ein Thema: die brutalen Anschläge in Paris.
Foto: AFP
International 2 Min. 16.11.2015 Aus unserem online-Archiv
Pariser Terror in den Zeitungen

"Franzosen müssen nun mit Terror leben"

Wie verarbeitet die internationale Presse die Terroranschläge in Paris? Wir verschaffen Ihnen einen Überblick.

(ml) - Bereits am Sonntag erschienen zahlreiche französische Zeitungen mit Sonderausgaben. Einigkeit herrscht bei der Verurteilung der Anschläge. Die Mehrheit der großen Medien übernimmt die Wortwahl von Staatspräsident François Hollande, der von "Krieg" sprach. Ein Überblick:

"Le Monde", neben dem Figaro ein wichtiges Leitmedium des Landes, kam zu dem Schluss, dass Frankreich sich in einem "Krieg gegen einen totalitären, blinden, schrecklich mörderischen Terrorismus" befinde.

Im Visier der Mörder seien Menschen jeder Herkunft gewesen, schrieb am Sonntag "Libération". Nur die Achtung der Freiheit erlaube es, frei zu bleiben. Freiheiten wegzunehmen, Notstandsgesetze vorzuschlagen, hieße bereits einzulenken: "Die Schlussfolgerung zwingt sich mit ihrer schrecklichen Realität auf: Die Franzosen müssen künftig mit dem Terrorismus leben.“

Die Tageszeitung "Le Figaro" kommentiert am Montag die Haltung der sozialistischen Regierung im Kampf gegen den Terror so: "Wenn die Linke an der Regierung diesen Krieg (gegen den Terror) gewinnen will, muss sie sich selbst verleugnen (...) Wenn François Hollande eine Chance auf Erfolg haben will, muss er auch Angela Merkel klar machen, dass ihre großzügige Politik den Migranten gegenüber ein historischer Fehler ist. Es ist offensichtlich, dass diese Migration großen Ausmaßes ein unverhoffter Glücksfall für Fanatiker (...) ist, um im Namen des großen Kalifats Blut in unseren Ländern fließen zu lassen.“

Die konservative britische Zeitung "The Times" findet es beunruhigend, dass die Nachrichtendienste keinerlei Hinweise auf die Anschläge in Paris bekommen haben. Dennoch liege die Stärke des Westens darin, im Kampf gegen den Terror Informationen zu sammeln: "Im weitesten Sinn müssen alle Alliierten Frankreichs zusammenhalten und erklären: 'Zu den Waffen, Bürger'.“

In den USA geht die "New York Times" davon aus, dass die Angriffe Frankreich noch enger an die Anti-Terror-Koalition mit den Vereinigten Staaten binden werden. IS habe deutlich gemacht, dass ihre Reichweite unbegrenzt sei, deshalb sei eine internationale Aktion gegen IS nötig.

In Italien appelliert die Turiner Tageszeitung "La Stampa", die Realität zu akzeptieren, den Gegner zu studieren und vielleicht auch Kompromisse einzugehen: "Um gegen die Dschihadisten zu gewinnen, braucht es schwierige Allianzen, auch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. (...) Brillante Lösungen gibt es nur im Fernsehen, in der Realität muss man leider manchmal auch einen Pakt mit dem Teufel eingehen, um den Teufel IS zu besiegen.“

Die russische Zeitung "Kommersant" glaubt, dass die Schüsse von Paris auch ein Anschlag auf die regierenden Sozialisten in Frankreich waren. Ziel der Terroristen sei es zu zeigen, dass die politische Führung ihre Bürger nicht schützen könne.

Von einer "neuen Dimension des Terrors" spricht die "Neue Züricher Zeitung". Staaten wie Deutschland und die Schweiz, die ihren Sicherheitsbehörden nur zögerlich neue Kompetenzen zugestehen, müssten ihre Anstrengungen verstärken: "Europa sollte sich ferner mit aller Entschlossenheit im Nahen Osten militärisch engagieren, um den IS (Terrormiliz Islamischer Staat) zu vernichten. Die enge Verzahnung von Polizei, Nachrichtendiensten und Armee bringt in der Epoche des globalen Jihad die besten Resultate. Die Amerikaner haben so die Kaida zerschlagen.“

Die linksliberale spanische Zeitung "El Pais" ist überzeugt, dass die Pariser Anschläge eine Lösung in der Flüchtlingskrise noch schwieriger machen werden: "Die Attentate geben den Befürchtungen Auftrieb, dass Terroristen mit den Flüchtlingen in die EU gelangen können. Die EU wird geschwächt, denn getroffene Vereinbarungen werden nicht umgesetzt."


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