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Französische Widerstandskraft: Einigkeit macht stark
International 4 Min. 14.07.2020

Französische Widerstandskraft: Einigkeit macht stark

Das Ehepaar Macron in dem Moment, als die luxemburgische Fahne vorbeigetragen wird: Vier Armeevertreter aus Luxemburg führten die Parade an.

Französische Widerstandskraft: Einigkeit macht stark

Das Ehepaar Macron in dem Moment, als die luxemburgische Fahne vorbeigetragen wird: Vier Armeevertreter aus Luxemburg führten die Parade an.
Foto: AFP
International 4 Min. 14.07.2020

Französische Widerstandskraft: Einigkeit macht stark

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Der französische Nationalfeiertag steht im Zeichen des Covid-Kampfes: Hommage und Proteste. Auch Luxemburg wird geehrt.

Traditionell wird der französische Nationalfeiertag mit einer großen Militärparade auf der Champs-Élysées begangen. Covid-19 prägte in diesem Jahr auch diese Feierlichkeiten: Sie fanden im reduzierten Rahmen rund um den Obelisken auf der Place de la Concorde statt und waren besonders dem militärischen, aber auch aus aktuellem Anlass dem medizinischen Personal gewidmet, das sich im Kampf gegen das Virus besonders engagierte

Gesetzlich sind in Frankreich  derzeit maximal 5.000 Personen zu einer Großveranstaltung zugelassen. Gut 2.500 Zuschauer und 2.200 Teilnehmer zählte die Zeremonie denn auch nur, wo sonst Zehntausende an den Straßen stehen und etliche Tausende aktiv beteiligt sind. 

Hommage an de Gaulle

32 Kontingente aus den Armeen und Militärschulen mit jeweils 49 Teilnehmern und etliche Musikkapellen standen vor den Tribünen und defilierten schlussendlich an der Ehrentribüne vorbei. Die Tribünen waren zum großen Teil besetzt mit Personal aus dem Gesundheitssektor und Zivilschutz sowie ehrenamtlichen Helfern aus ganz Frankreich. 

Eine Szene in drei Bildern wurde aufgeführt. Sie begann mit einer Hommage an General Charles de Gaulle, der in diesem Jahr gleich drei Jahrestage zu verzeichnen hat: Sein Geburtstag jährte sich zum 130. Mal, der Appell zum Widerstand vom 18. Juni 1940 zum 80. Mal und der erste Präsident der fünften Republik verstarb vor 50 Jahren. Held des Ersten Weltkriegs, Anführer des freien Frankreichs, Gründer der fünften Republik - in eingespielten Filmausschnitten wurde an seine militärischen und politische Erfolgsgeschichte erinnert. 

Hommage an die Nation

Man ehre General Charles de Gaulle für seinen französischen Esprit, und die Werte der Gleichheit, der Freiheit und der Brüderlichkeit. Darauf verwies Staatspräsident Emmanuel Macron in seinem Grußwort in der Broschüre zu den Feierlichkeiten. Reden werden traditionell keine gehalten.   

"Dieser Geist und diese Werte, die uns während der Krise geeint haben und uns heute noch einen, werden mit der Militärparade geehrt. Eine Zeremonie, von der ich wünsche, dass sie eine nationale Hommage an alle ist, die ihr Leben gaben, um anderen zu dienen und sie zu pflegen und eine Dankesform an alle, die in unterschiedlichsten Arten die Akteure in dieser außergewöhnlichen Gesundheitskrise waren”, heißt es dort.  

Französische Armee im Covid-Kampf

Am 25. März begann aber auch die Opération Résilience und damit der Beitrag der französischen Armee, die Verbreitung von Covid-19 zu bekämpfen. Schützend, logistisch und medizinisch griff sie ein: Material wurde in Lagern und Convois gesichert, wurde transportiert und verteilt und der Service de Santé der Armee war mit Personal und seinen Krankenhausinfrastrukturen im Einsatz beziehungsweise verlegte Patienten aus den besonders betroffenen Regionen, vor allem der Region Grand Est. Auch daran wurde gestern erinnert.

Ein Stück weit feierte sich die Nation dieses Jahr aber auch selber. Unter dem Motto “Une Nation engagé, unie et solidaire" wurde der Widerstandsfähigkeit gedacht, die die Frucht eines kollektiven Engagements und der Solidarität der Französinnen und Franzosen ist, die sich für das Gemeinwohl zu vereinen wussten. 

Europäische Dimension der Solidarität

In diesem Jahr sei es  angesichts der außergewöhnlichen Krise die ganze Nation gewesen, die ihr Schicksal in die eigene Hand genommen habe. "Ich möchte  zusammen mit allen Franzosen und mit den Armeen selber das medizinische Personal und jeden in allen Sektoren ehren, die halfen, das öffentliche, soziale und wirtschaftliche Leben aufrechtzuerhalten. Darauf können wir stolz sein. Und stolz auch auf unser Land", schreibt Macron, wo sonst nur die Streitkräfte geehrt werden. 

Die Hilfe unserer deutschen, österreichischen, luxemburgischen und Schweizer Partner war entscheidend, um unsere Krankenhäuser zu entlasten und Leben zu retten.

Die Solidarität habe aber auch eine europäische Dimension angenommen, von der Frankreich profitierte. Die Gesundheitskrise habe einmal mehr gezeigt, dass Einigkeit stark macht. “Die Hilfe unserer deutschen, österreichischen, luxemburgischen und Schweizer Partner war entscheidend, um unsere Krankenhausstrukturen zu entlasten und Leben zu retten."  

Paulette Lenert war Ehrengast


Gesundheitsministerin Paulette Lenert (r.) war Ehrengast in Paris.
14 Juillet: Paulette Lenert bei Zeremonie in Paris
Luxemburgs Gesundheitsministerin nimmt als Ehrengast an den Feierlichkeiten zum 14. Juli teil. Und an einem Arbeitsessen mit europäischen Kollegen.

Zu den vier Ehrengästen gehörte auch Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP), der neben ihren deutschen, österreichischen und Schweizer Homologen feierlich für ihre Hilfe während der Krise gedankt wurde. Um 161 französische Patienten konnten die überlasteten Krankenhäuser der Region Grand Est entlastet werden: Elf Patienten waren auf Luxemburgs Intensivstationen versorgt worden, 128 waren es auf deutscher Seite, drei Patienten nahm Österreich auf und 27 kamen in Schweizer Spitäler.

Eine bewegende Hommage an das medizinische, zivile und militärische Personal schloss denn auch die Zeremonie. Ein Bild nimmt Gestalt an: Eine große Fahne wurde vor der Präsidententribüne ausgebreitet, wobei der Chor der französischen Armee die Marseillaise und das Musikkorps der Luftwaffe die Komposition “Résilience” erklingen ließ. In der ersten Reihe und an vorderster Front standen dabei Vertreter aus dem Gesundheitssektor in Arbeitskleidung.

Zeitgleich Proteste für bessere Arbeitskonditionen

Protest in gelben Westen für bessere Arbeitsbedingungen im Gesundheitssektor.
Protest in gelben Westen für bessere Arbeitsbedingungen im Gesundheitssektor.
Foto: AFP

30.000 Covid-Tote hat Frankreich zu verzeichnen, darunter mehr als 1.000 aus dem Gesundheitssektor selber. Zeitgleich mit der Ehrung fanden Proteste dieses Personals statt: Ihnen waren zwar am Vortag noch acht Milliarden Euro mehr an Vergütung zugesprochen worden, worauf man sich mit drei der fünf Gewerkschaften geeinigt hatte, das reichte aber vielen nicht. 

Sie protestierten vor der Bastille, an deren Fassade Porträts von Personen aus dem Pflegesektor angebracht sind. 183 Euro monatlich netto mehr für jeden, der in den Krankenhäusern arbeitet - dadurch werde gerade das ausgeglichen, was in den vergangenen Jahren verpasst wurde, heißt es. Man fordert zudem bessere Arbeitskonditionen. 

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