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Franziskus und die Flüchtlinge: Fünf Stunden Hoffnung
International 3 Min. 16.04.2016 Aus unserem online-Archiv

Franziskus und die Flüchtlinge: Fünf Stunden Hoffnung

Warten auf den Heiligen Vater: Flüchtlingskinder im Lager Moria auf Lesbos.

Franziskus und die Flüchtlinge: Fünf Stunden Hoffnung

Warten auf den Heiligen Vater: Flüchtlingskinder im Lager Moria auf Lesbos.
REUTERS
International 3 Min. 16.04.2016 Aus unserem online-Archiv

Franziskus und die Flüchtlinge: Fünf Stunden Hoffnung

Marc SCHLAMMES
Marc SCHLAMMES
Nur etwa fünf Stunden wird der Papst-Besuch auf der griechischen Ägäis-Insel Lesbos an diesem Samstag dauern - doch er wird für Aufmerksamkeit sorgen. Mit seiner Kurzvisite will Franziskus den Flüchtlingen Mut machen.

Für fünf Stunden besucht Papst Franziskus heute die griechische Ägäis-Insel Lesbos. Es ist die 13. Auslandsreise des Argentiniers als Papst. Ein Überblick über das Programm:

  • 9.20 Uhr: Ankunft Flughafen Mytilini, Empfang durch Griechenlands Ministerpräsidenten Alexis Tsipras, den griechisch-orthodoxen Patriarchen Bartholomaios I., den orthodoxen Erzbischof Hieronymus II. und den katholischen Bischof Fragkiskos Papamanolis
  • 9.35 Uhr: Treffen mit Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras
  • 10.15 Uhr: Besuch des Flüchtlingslagers Moria: Franziskus trifft 150 minderjährige Flüchtlinge, anschließend begrüßt er 250 weitere Asylbewerber persönlich. Der Papst, Bartholomaios I. und Hieronymus II. halten kurze Ansprachen, unterzeichnen eine gemeinsame Erklärung und essen mit acht Flüchtlingen zu Mittag.
  • 12.45 Uhr: Gemeinsam mit Bürgern und der katholischen Gemeinde Gebet und Schweigeminute für die Opfer der Flüchtlingsunglücke im Hafen von Mytilini. Drei Kränze werden ins Meer geworfen
  •  13.30 Uhr: Private Gespräche und Verabschiedung am Flughafen.

Kaum eine griechische Insel war in den vergangenen eineinhalb Jahren so stark von der Flüchtlingskrise betroffen wie Lesbos. Zu Höchstzeiten des Flüchtlingszustroms in den Monaten August bis November 2015 landeten teilweise täglich mehr als 7000 Menschen an den Stränden und felsigen Ufern der Insel an. An manchen Tagen belief sich die Zahl der Flüchtlinge auf der Insel auf mehr als 20 000 - bei einer Einwohnerzahl von rund 85 000 Insulanern.

Juli 2013: Papst Franziskus erweist vor Lampedusa ertrunkenen Flüchtlingen die letzte Ehre. Es war seine erste Auslandsreise.
Juli 2013: Papst Franziskus erweist vor Lampedusa ertrunkenen Flüchtlingen die letzte Ehre. Es war seine erste Auslandsreise.
AFP

Hunderte Flüchtlinge ertranken bei der Überfahrt in der östlichen Ägäis, wenn ihre völlig überfüllten Boote kenterten. Auf Lesbos wusste man deshalb zwischenzeitlich nicht mehr, wohin mit den Toten; die Leichenhalle und das Krankenhaus waren überfüllt. Nun sind die Friedhöfe stille Zeugen der menschlichen Tragödie.

Die drittgrößte griechische Insel (nach Kreta und Euböa) war denn auch die erste, die auf den Flüchtlingszustrom reagierte und einen „Hotspot“ sowie andere Unterkünfte installierte oder zumindest förderte.

Derzeit halten sich auf Lesbos noch rund 4100 Flüchtlinge und andere Migranten auf. Die meisten von ihnen werden seit dem Inkrafttreten des Flüchtlingspakts zwischen der Europäischen Union und der Türkei im Gefängnis ähnlichen „Hotspot“ festgehalten. Sie sollen gemäß des EU-Flüchtlingspaktes mit der Türkei dorthin zurückgebracht werden.

Seit knapp vier Wochen ist das umstrittene Abkommen in Kraft, seitdem können Flüchtlinge, die auf die griechischen Ägäis-Inseln übersetzen, direkt in die Türkei zurückgeschickt werden. Die Planungen für den Besuch des Papstes wurden anschließend im Rekordtempo vorangetrieben - selbst Lombardi bezeichnete die Reise als „Überraschung“. Der katholische Pfarrer von Lesbos, Leo Kiskinis, sagte Radio Vatikan, die Reise des Pontifex zu diesem Zeitpunkt könne „kein Zufall“ sein.

Der Besuch ist ganz klar ein humanitärer und ein ökumenischer“

Dennoch will der Vatikan die Visite nicht als politische Einmischung oder gar Kritik an dem EU-Türkei-Pakt verstanden wissen. „Der Besuch ist ganz klar ein humanitärer und ein ökumenischer“, sagte Lombardi. Doch allein durch seine Anwesenheit setzt Franziskus Zeichen.

Die Vorbereitungen auf Lesbos laufen derweil auf Hochtouren. Unzählige Polizisten sind mit der Sicherung des Flughafens, des Lagers Moria und des Hafens beschäftigt; seit Dienstag sind Augenzeugen zufolge zudem Sicherheitsfachleute des Vatikans auf der Insel unterwegs, um den Besuch vorzubereiten. Vom streng geregelten, mehrstündigen Programmablauf dürfe nicht abgewichen werden, heißt es. Lombardi betonte, man verlasse sich bei der Sicherheit des Papstes ganz auf die lokalen Behörden.

Aktion Besen

Als „Aktion Besen“ bezeichnen griechische Medien die Aktivitäten, die seit Wochenbeginn laufen. Es wird berichtet, dass wegen des Besuchs möglichst alle Flüchtlinge und Migranten aus dem Straßenbild der Inselhauptstadt Mytilini verschwinden sollten. Bürgermeister Spyros Galinos hat sich deshalb bereits kritisch geäußert: Wegen des Papstes kehre man die Probleme der Insel unter den Teppich. „Wir wollen die Wahrheit sagen“, sagte Galinos dem griechischen Fernsehsender Skai.

ein Schlaglicht auf die Bedeutung lokaler und internationaler Solidarität werfen“

Hilfsorganisationen erhoffen sich von dem Besuch Aufmerksamkeit für das Schicksal der Flüchtlinge. Der Papst werde „ein Schlaglicht auf die Bedeutung lokaler und internationaler Solidarität werfen“, sagte Gauri van Gulik von Amnesty International. Franziskus müsse auch die „Angst und Unsicherheit“ der Menschen ansprechen, forderte sie.


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