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Franziskus forderte eine synodale Kirche auf allen Ebenen
International 3 Min. 19.10.2015 Aus unserem online-Archiv
Festakt zu 50 Jahre Weltsynode

Franziskus forderte eine synodale Kirche auf allen Ebenen

Papst Franziskus sprach sich für ein Überdenken des Papstprimats aus.
Festakt zu 50 Jahre Weltsynode

Franziskus forderte eine synodale Kirche auf allen Ebenen

Papst Franziskus sprach sich für ein Überdenken des Papstprimats aus.
REUTERS
International 3 Min. 19.10.2015 Aus unserem online-Archiv
Festakt zu 50 Jahre Weltsynode

Franziskus forderte eine synodale Kirche auf allen Ebenen

Die Bischofssynode feierte am Samstag ihr 50-jähriges Bestehen. Papst Franziskus nutzte den Festakt zu einer Grundsatzrede über mehr kollegiale Wege und Strukturen in der Kirche: "Kirche und Synode sind Synonyme."

(KNA/AC) - Der Festakt zum 50-jährigen Bestehen der Welt-Bischofssynode schien zunächst als Routinetermin, eine feierliche Unterbrechung der aktuellen Versammlung der Oberhirten zum heftig diskutierten Thema Ehe und Familie. Aber Papst Franziskus nutzte die Feier zu einer programmatischen Rede, die manche italienische Medien (etwa "La Stampa") als "Wende" für die Kirche bezeichneten. Vor den 270 versammelten Bischöfen forderte er eine Aufwertung der synodalen Strukturen der Kirche, sprach sich für ein Überdenken des Papstprimats aus und plädierte für eine Dezentralisierung der Kirche, die Bistümern und Bischofskonferenzen neue Rollen gibt.

Franziskus fordert ausdrücklich dazu auf, über eine Neuausrichtung des Papsttums nachzudenken - und sich damit auf eine neue Situation hin zu öffnen, ohne auf das Wesentliche dieser Sendung zu verzichten. Ähnliches hatten bereits Johannes Paul II. und Benedikt XVI. geäußert - ohne jedoch diese Impulse in der Praxis zu vertiefen. Franziskus scheint nun nicht nur bei der aktuellen Synode noch einen Schritt weitergehen zu wollen, indem er mit der Kollegialität und der Bereitschaft zum Konflikt sowie mit dem "Hören auf das Gottesvolk" (etwa durch die Umfragen im Vorfeld der Synode) ernst macht.

Ob Franziskus damit eine Woche vor Abschluss der 14. Ordentlichen Bischofssynode bereits einen Wink geben wollte, dass etwa in der Frage der wiederverheiratet Geschiedenen die Bischöfe regional über Einzelfalllösungen entscheiden sollten, blieb offen. Seine Ansprache zum Jubiläum der Synode, die in der katholischen Kirche erst 1965 als Organ wieder erfunden wurde, war grundsätzlicher Natur. Das dritte Jahrtausend erfordere eine synodale Kirche. "Kirche und Synode sind Synonyme", stellte er klar.

Dabei steht nicht nur Rom im Blick. Es geht dem Papst um ein gegenseitiges Zuhören und Lernen auf allen Ebenen der Kirche. In den Diözesen sollten die "Gemeinschaftsorgane" wie Priesterrat, Domkapitel oder Pastoralräte gestärkt werden. Auf Ebene der Regionen - Diözesansynoden und Bischofskonferenzen - sei der Geist der Kollegialität noch nicht ausreichend verwirklicht. In einer synodalen Kirche müsse der Papst die Ortsbischöfe nicht bei allen Entscheidungen ersetzen. Notwendig sei eine "heilsame Dezentralisierung". Auf gesamtkirchlicher Ebene sei schließlich die Bischofssynode das Instrument der Kollegialität. Diese tage und handle immer mit und unter dem Papst als Garanten der Einheit.

Das Zuhören des synodalen Wegs gipfelt im "Zuhören des Bischofs von Rom, der berufen ist, sich als Hirte und Lehrer aller Christen" zu äußern, betonte Franziskus. Will heißen: Nach Abschluss der Beratungen in der Synodenaula hat der Papst das Wort. Aber er vertritt damit nicht persönliche Überzeugungen, sondern spricht als oberster Zeuge des Glaubens der gesamten Kirche, als "Garant des Gehorsams und der Übereinstimmung der Kirche mit dem Willen Gottes, dem Evangelium und der kirchlichen Tradition".

Eine stärkere Synodalität hat auch Auswirkungen auf das Verhältnis zu den Kirchen des Ostens und den reformatorische Gemeinschaften, die ihrerseits stark synodal strukturiert sind. Der Primat des Papstes, eines der großen Streitthemen der getrennten Christenheit, erscheint so in ganz neuem Licht. Franziskus betont, dass der Papst nicht allein über der Kirche stehe, dass er ein Getaufter unter Getauften und als Bischof unter Bischöfen sei. Und dass er als solcher die Kirche von Rom leite, die unter allen Kirchen den Vorsitz in der Liebe habe.


Am Sonntag wurde erstmals ein Paar für seine vorbildliche Ehe kanonisiert


Louis und Zélie Martin, die Eltern der hl. Thérèse von Lisieux.
Louis und Zélie Martin, die Eltern der hl. Thérèse von Lisieux.
AFP

(KNA/AC) - Papst Franziskus hat am Sonntag vor der letzten Beratungswoche ein Ehepaar für dessen vorbildliche Partnerschaft heiliggesprochen. Die Franzosen Louis (1823-1894) und Zélie Martin (1831-1877) sind das erste Paar, das nicht als Märtyrer, sondern für seinen ehelichen Lebenswandel in den Heiligenkalender aufgenommen wurde, gemeinsam mit einem italienischen Priester und einer spanischen Nonne. Die Eltern der bereits 1925 heiliggesprochenen Thérèse von Lisieux "haben den christlichen Dienst in der Familie gelebt, indem sie Tag für Tag eine Umgebung voller Glauben und Liebe aufbauten", würdigte sie Franziskus.

Mehr über die Familiensynode in unserem Dossier.


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