Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Frankreich will am Samstag 89.000 Sicherheitskräfte einsetzen
Auch am Donnerstag mussten Sicherheitskräfte - wie hier in Mantes-la-Jolie - nach Auseinandersetzungen eingreifen.

Frankreich will am Samstag 89.000 Sicherheitskräfte einsetzen

AFP
Auch am Donnerstag mussten Sicherheitskräfte - wie hier in Mantes-la-Jolie - nach Auseinandersetzungen eingreifen.
International 1 2 Min. 06.12.2018

Frankreich will am Samstag 89.000 Sicherheitskräfte einsetzen

Eskaliert die Lage - so wie am vergangenen Wochenende? Oder wird es gar noch schlimmer? Was Frankreich am Samstag bei erneuten Protesten der „Gelben Westen“ erwartet, ist ungewiss.

(dpa) - Frankreich rüstet sich mit einem massiven Aufgebot an Sicherheitskräften gegen neue Ausschreitungen. Angesicht neuer Proteste der „Gelbwesten“ wird Frankreich an diesem Samstag im ganzen Land rund 89.000 Sicherheitskräfte einsetzen. Davon entfielen 8000 auf die Hauptstadt Paris, sagte Premierminister Édouard Philippe am Donnerstagabend dem TV-Sender TF1. Die Zahl ist deutlich höher als die 65.000, von denen zunächst die Rede gewesen war. 

Es handele sich um „außergewöhnliche Mittel“. Am Samstag soll es wieder Demonstrationen der „Gelben Westen“ geben. Die französische Regierung fürchtet am Wochenende eine neue Eskalation der Gewalt. Unterdessen breitet sich der Protest im Land auf weitere gesellschaftliche Gruppen aus.

Premierminister Edouard Philippe stand am Donnerstagabend in einem längeren TV-Interview zur Entwicklung Rede und Antwort:

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Am vergangenen Wochenende lieferten sich Demonstranten bei Protesten der „Gelben Westen“ in Paris Straßenschlachten mit der Polizei. Autos gingen in Flammen auf, Geschäfte wurden geplündert. Die Polizei nahm über 400 Menschen fest - ein Niveau, das in den vergangenen Jahrzehnten nicht erreicht wurde. Es ist mittlerweile das vierte Wochenende in Folge, an dem mit großen Aktionen im Land protestiert wird. Die „Gelben Westen“ demonstrieren seit Mitte November gegen geplante Steuererhöhungen auf Benzin und Diesel - mittlerweile ist der Protest aber viel allgemeinerer Natur und richtet sich gegen die Regierung und Präsident Emmanuel Macron.

Premier Philippe erklärte, Innenminister Christophe Castaner rufe dazu auf, am Samstag nicht in Paris zu demonstrieren. Es sei nicht verboten, zu demonstrieren - allerdings würden so Demonstranten nicht die Falle von Schlägern geraten.

Frankreichs Präsident Macron war den Demonstranten am Mittwochabend ein Stück weiter entgegengekommen und hatte angekündigt, die geplanten Steuererhöhungen für Benzin und Diesel für das Jahr 2019 außer Kraft zu setzen. An diesen Erhöhungen hatte sich der Protest der „Gelben Westen“ entzündet.

Mit öffentlichen Auftritten hielt sich der Präsident nach seiner Rückkehr vom G20-Gipfel in Argentinien aber zurück. Die Erklärungen für die Politik der Regierung lieferte stattdessen Premier Philippe vor der Nationalversammlung und dem Senat. Den Kurswechsel bei den Steuererhöhungen kündigte Umweltminister François de Rugy während einer Livesendung im Fernsehen an.

Seit Montag protestieren in ganz Frankreich auch Schüler und Studenten gegen Reformen im Bildungsbereich. Sie blockieren Bildungseinrichtungen. Auch hier ist die Lage angespannt. Bei Demonstrationen wurden am Donnerstag in der Nähe von Paris 146 Menschen festgenommen. Dabei handelte es sich vor allem um Schüler, die in der Nähe einer Schule in Mantes-la-Jolie protestiert hatten, wie die Polizei erklärte. Die Schüler hätten in dem Ort randaliert.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Frankreich im Alarmzustand
Drohen am Wochenende in Paris wieder bürgerkriegsähnliche Ausschreitungen? Das Land wappnet sich mit einem massiven Polizeiaufgebot. Ein Video von der Festnahme von Schülern sorgt für Empörung.
Schon seit längerer Zeit sind nicht nur die "Gilets jaunes" auf den Straßen.
Wütende Franzosen bremsen Macron aus
Die Krise in Frankreich hat einen großen Abwesenden: Staatschef Macron. Regierungschef Philippe kündigt nun einen Kurswechsel an. Kommt die Ankündigung zu spät?