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Frankreich nimmt Freier ins Visier
International 06.04.2016 Aus unserem online-Archiv
Prostitution

Frankreich nimmt Freier ins Visier

Wer beim Kauf von Sex erwischt wird, muss künftig bis zu 1500 Euro Geldbuße zahlen, im Wiederholungsfall sogar 3750 Euro.
Prostitution

Frankreich nimmt Freier ins Visier

Wer beim Kauf von Sex erwischt wird, muss künftig bis zu 1500 Euro Geldbuße zahlen, im Wiederholungsfall sogar 3750 Euro.
Foto: AFP
International 06.04.2016 Aus unserem online-Archiv
Prostitution

Frankreich nimmt Freier ins Visier

Teddy JAANS
Teddy JAANS
Jahrelang stritt die französische Politik um neue Regeln gegen die Prostitution. Nun ist das Gesetz durch - und nimmt künftig die Freier ins Visier. Eine Kehrtwende im Kampf gegen den käuflichen Sex.

(dpa) - Kunden von Prostituierten in Frankreich müssen künftig mit hohen Geldstrafen rechnen. Den Freiern drohen bis zu 1500 Euro Geldbuße, im Wiederholungsfall sogar 3750 Euro Strafe. Nach jahrelangem Streit stimmte die Pariser Nationalversammlung am Mittwoch abschließend für das Gesetz, das gleichzeitig bisher drohende Strafen für Prostituierte aufhebt.

Das Land folgt damit dem Vorbild Schwedens und Norwegens, die Freier ins Visier zu nehmen. Der Kauf sexueller Handlungen sei eine Verletzung der Menschenwürde, sagte Frauenrechtsministerin Laurence Rossignol. „Die Prostitution ist an sich eine Gewalt.“

Bisher drohten nur Prostituierten für „passiven Kundenfang“ Strafen, auch wenn Prostitution selbst eigentlich nicht illegal ist. Dieses Delikt wurde nun abgeschafft, stattdessen wird der Kauf von Sex geahndet.


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