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Frankreich: Großer Auflauf bei Demo für getöteten Lehrer
International 3 1 3 Min. 18.10.2020

Frankreich: Großer Auflauf bei Demo für getöteten Lehrer

Die Anteilnahme ist nach der Attacke auf den Lehrer riesig.

Frankreich: Großer Auflauf bei Demo für getöteten Lehrer

Die Anteilnahme ist nach der Attacke auf den Lehrer riesig.
Foto: AFP
International 3 1 3 Min. 18.10.2020

Frankreich: Großer Auflauf bei Demo für getöteten Lehrer

Der Schreck sitzt tief in Frankreich. Der mörderische Angriff auf einen Lehrer trifft das Land ins Mark. Dieser wollte seinen Schülern Meinungsfreiheit lehren und zahlte dafür mit seinem Leben. Die Anteilnahme an seinem Tod ist riesig.

(dpa/jt) - Zahlreiche Menschen haben sich am Sonntagnachmittag nach der brutalen Ermordung eines Lehrers zu einer Solidaritätsdemonstration in Paris versammelt. Um 15 Uhr klatschten die Menschen minutenlang auf der Place de la République im Osten der Innenstadt. Viele hielten Schilder, auf denen „Je suis Prof“ oder „Je suis enseignant“ (dt.: Ich bin Lehrer) stand, in die Luft. Der Platz war dicht gefüllt.

Die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ hatte sich Demo-Aufruf der Organisation SOS Racisme und Lehrergewerkschaften angeschlossen. Im ganzen Land wollten Menschen auf die Straße gehen. Die Place de la République im Pariser Osten ist ein symbolischer Ort - bereits nach der Terrorserie im Januar 2015, zu der auch der Anschlag auf „Charlie Hebdo“ zählte, gedachten dort Menschen aus ganz Frankreich der Opfer. Seitdem ist der Platz zu einem zentralen Ort der Anteilnahme nach Terroranschlägen geworden.    

Die brutale Ermordung des Lehrers hatte in ganz Frankreich Entsetzen ausgelöst. Das mutmaßliche Motiv des Täters waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft Karikaturen des Propheten Mohammed. Diese hatte der Lehrer zum Thema Meinungsfreiheit vor einigen Wochen im Unterricht gezeigt. Der laut Staatsanwaltschaft 2002 in Moskau geborene Täter mit russisch-tschetschenischen Wurzeln hatte nach der Tat im Netz damit geprahlt.

„Ich habe einen Ihrer Höllenhunde hingerichtet“

Er veröffentlichte ein Foto des Opfers und richtete eine Nachricht an Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, den er als „Anführer der Ungläubigen“ bezeichnete. „Ich habe einen Ihrer Höllenhunde hingerichtet, der es wagte, Mohammed herabzusetzen“, schrieb er laut Staatsanwalt weiter. Das Twitter-Konto wurde inzwischen gesperrt. Der Täter wurde kurz nach der Tat von der Polizei erschossen.


French President Emmanuel Macron (R), flanked by French Interior Minister Gerald Darmanin (2L), speaks to the press in front of a middle school in Conflans Saint-Honorine, 30kms northwest of Paris, on October 16, 2020, after a teacher was decapitated by an attacker who has been shot dead by policemen. - French anti-terror prosecutors said on October 16 they were investigating an assault in which a man was decapitated on the outskirts of Paris and the attacker shot by police. The attack happened at around 5 pm (1500 GMT) near a school in Conflans Saint-Honorine, a western suburb of the French capital. The man who was decapitated was a history teacher who had recently shown caricatures of the Prophet Mohammed in class. French prosecutors are treating the attack as a terror incident, which coincides with the trial of alleged accomplices of the 2015 Charlie Hebdo attackers and comes weeks after a man injured two people he thought worked for the magazine. (Photo by ABDULMONAM EASSA / POOL / AFP)
Entsetzen nach mörderischer Attacke auf Lehrer in Frankreich
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Mehrere Menschen aus dem Umfeld des mutmaßlichen Täters befanden sich am Samstag in Polizeigewahrsam. Ebenfalls festgenommen wurde der Vater einer Schülerin, der im Netz gegen den Lehrer mobilisiert hatte, nachdem dieser die Mohammed-Karikaturen gezeigt hatte. Er hatte ein Video verbreitet und öffentlich gegen den Lehrer gewettert, wie Staatsanwalt Jean-François Ricard sagte.

„Je suis Prof“

Der Vater forderte bei der Direktorin die Entlassung des Lehrers, dabei wurde er von einem Mann begleitet, der Medien zufolge ein bekannter Islamist ist. Auch er befindet sich in Polizeigewahrsam. Die Halbschwester des Vaters hat sich der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) angeschlossen. Die Staatsanwaltschaft stellte bisher keine Verbindung zwischen diesem Vater und dem Angreifer her.

Bereits am Samstag war es in zahlreichen Städten zu Solidaritätsbekundungen für den getöteten Lehrer gekommen. Die Menschen versammelten sich etwa unter dem Motto „Je suis Prof“ (dt. Ich bin Lehrer) in Anlehnung an „Je suis Charlie“. Das Schlagwort prägte die Zeit nach dem verheerenden Mordanschlag auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ 2015.

Foto: AFP/Bertrand Guay

Erst vor wenigen Wochen hatte ein Mann vor dem ehemaligen Redaktionsgebäude zwei Menschen brutal mit dem Messer attackiert. Er gab als Motiv ebenfalls Mohammed-Karikaturen an, die das Magazin veröffentlich hatte. Der Angreifer hatte es eigentlich auf die Redaktion abgesehen, wusste aber nicht, dass diese mittlerweile an einen geheimen Ort umgezogen ist.

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Die brutale Ermordung des Lehrers hatte sich am späten Freitagnachmittag im Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine in der Nähe einer Schule ereignet. Dort tötete der Angreifer den 47 Jahre alten Lehrer, nachdem er ihm aufgelauert hatte. Dessen Leiche wurde enthauptet mit zahlreichen Wunden an Oberkörper und Kopf aufgefunden. In der Nähe des Tatorts fanden die Ermittler zudem ein mehr als 30 Zentimeter langes blutverschmiertes Messer.


(ARCHIVES) - Photo prise le 17 janvier 2008 de personnes traversant une rue à Vaulx-en-Velin. Le président Nicolas Sarkozy dévoile le 08 février 2008 son très attendu plan pour les banlieues, une de ses principales promesses de campagne, qui a suscité de grands espoirs, sur fond de désaccords entre les ministres en charge du dossier, Christine Boutin et Fadela Amara.   AFP PHOTO / FRED DUFOUR
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Der mutmaßliche Angreifer lebte mit seiner Familie als Flüchtling in Frankreich und hat seit Frühjahr eine Aufenthaltsgenehmigung, die bis 2030 gültig ist. Er lebte in Evreux rund 90 Kilometer vom Tatort entfernt und war den Geheimdiensten zuvor nicht bekannt. Die Staatsanwaltschaft machte keine Angaben dazu, seit wann der mutmaßliche Angreifer und seine Familie bereits in Frankreich lebten.

Die brutale Attacke trifft Frankreich mitten in der zweiten Corona-Welle, von der das Land schwer getroffen ist. Am Mittwoch soll es eine nationale Gedenkveranstaltung für den Lehrer geben. Präsident Macron hatte die Tat als islamistisch motivierten Anschlag bezeichnet.

Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn drückte Frankreich seine Anteilnahme aus. „Die Ermordung des Lehrers aus Conflans hat uns alle schockiert“, ließ Asselborn über Twitter mitteilen. "Luxemburg ist solidarisch mit Frankreich im Kampf gegen gewalttätigen Extremismus und Terrorismus und bei der Verteidigung universeller Werte. Ich möchte den Angehörigen von Samuel Paty unser Beileid aussprechen."


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