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Frankreich: Ausschreitungen bei Protest gegen Rentenreform
International 12 3 Min. 05.12.2019

Frankreich: Ausschreitungen bei Protest gegen Rentenreform

In Paris kam es am Donnerstagnachmittag zu Ausschreitungen.

Frankreich: Ausschreitungen bei Protest gegen Rentenreform

In Paris kam es am Donnerstagnachmittag zu Ausschreitungen.
Foto: AFP
International 12 3 Min. 05.12.2019

Frankreich: Ausschreitungen bei Protest gegen Rentenreform

In Paris und in Nantes kam es am Donnerstagnachmittag im Rahmen der großangelegten Protestaktion zu Ausschreitungen. Bis 15.30 Uhr hatte die Polizei bereits 31 Menschen festgenommen.

(dpa) - Massive Streiks gegen die geplante Rentenreform haben in Frankreich den öffentlichen Nah- und Fernverkehr fast komplett lahmgelegt. Zehntausende Menschen - Feuerwehrleute, Lehrer, Ärzte und Mitarbeiter der Müllabfuhr - gingen im ganzen Land auf die Straße. In der Hauptstadt Paris fuhren am Donnerstag fast keine Metros, die meisten Linien wurden nicht bedient, Bahnhöfe und Flughäfen waren geschlossen.

Zahlreiche Gewerkschaften hatten im Konflikt um die geplante Rentenreform zu den branchenübergreifenden Streiks aufgerufen. Unter anderem wird im öffentlichen Dienst, in Krankenhäusern und in der Justiz gestreikt.

In der Hauptstadt Paris sammelten sich am Mittag zahlreiche Demonstranten zu einem großen Protest. Die Behörden befürchteten, dass sich Randalierer unter die Demonstranten mischen könntenAllein in Paris waren daher 6000 Sicherheitskräfte im Einsatz. Auch in anderen Städten des Landes versammelten sich die Menschen - etwa in Nantes oder Marseille. Laut Innenminister Christophe Castaner wurden in ganz Frankreich 245 Demonstrationen angemeldet.  

Bei den Demonstrationen gegen die geplante Rentenreform kam es am Donnerstagnachmittag in Paris zu Ausschreitungen. Fahrzeuge gingen in Flammen auf und Vermummte schlugen Scheiben ein, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Die Stimmung während der Großdemonstration in der französischen Hauptstadt war sehr angespannt, wie ein dpa-Reporter berichtete. Die große Präsenz der Polizei war deutlich spürbar. Der Demonstrationszug war am frühen Nachmittag am Bahnhof Gare du Nord gestartet.

Randalierer versammelten sich am Nachmittag vor allem auf dem Place de la République im Zentrum der Stadt. Die Polizei nahm bis 15.30 Uhr 31 Menschen fest und kontrollierte mehr als 9000. Auch im westfranzösischen Nantes kam es Berichten zufolge zu Ausschreitungen. 

Der öffentliche Nah- und Fernverkehr kam derweil fast komplett zum Erliegen. Die französische Staatsbahn hatte angekündigt, dass nur rund einer von zehn TGV-Schnellzügen am Donnerstag fahren werde. An großen Pariser Bahnhöfen herrschte am Morgen gähnende Leere. Nach Angaben der SNCF haben knapp 86 Prozent der Fahrer und 73 der Schaffner die Arbeit niedergelegt.  

Auch im Luftverkehr kam es zu Behinderungen. Die Pariser Verkehrsbetriebe RATP wollen ihren Ausstand bis mindestens Montag verlängern, wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Gewerkschaften berichtete.

Worum geht es?

Mit der Rentenreform will die Mitte-Regierung die Zersplitterung in 42 Einzelsysteme für bestimmte Berufsgruppen beenden. Sonderregeln, die von anderen oft als Privilegien gewertet werden, gibt es zum Beispiel für Eisenbahner oder Mitarbeiter der Energiewirtschaft.

So können Bahnfahrer in Paris theoretisch mit Anfang bis Mitte 50 in Rente gehen; das normale Renteneintrittsalter liegt bei 62 Jahren. Künftig soll ein Punktesystem die Höhe der Rente mitbestimmen. Außerdem soll es Anreize geben, länger zu arbeiten

Touristenattraktionen geschlossen


Members of the General Confederation of Labour (CGT), a French trade union and demonstrators block the buses leaving from the bus station by the Saint Charles university ahead of a march to protest against the pension overhauls, in Marseille, southern France, on December 5, 2019 as part of a national general strike. - Trains cancelled, schools closed: France scrambled to make contingency plans on for a huge strike against pension overhauls that poses one of the biggest challenges yet to French President's sweeping reform drive. (Photo by Clement MAHOUDEAU / AFP)
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Gebannt hat Frankreich auf diesen Tag gewartet: Zehntausende wollen ihre Arbeit niederlegen und bei einem großem branchenübergreifenden Streik gegen Macrons Rentenreform protestieren.

Der Massenprotest trifft auch Paris-Touristen: Im Eiffelturm gibt es nicht ausreichend Personal, um die Touristenattraktion an der Seine zu öffnen, wie die Betreibergesellschaft Sete mitteilte. Der 130 Jahre alte Turm wird jährlich von rund sieben Millionen Menschen besucht.  Auch andere Sehenswürdigkeiten, wie die Champs-Élysées, der Bereich um den Präsidentenpalast, das Parlament und Notre-Dame bleiben, am Donnerstag gesperrt.

Pariser Museen wie der Louvre hatten bereits vor den Streiks vor Einschränkungen für Besucher gewarnt. Obwohl das Museum am Donnerstag geöffnet bleibt, sind den Besuchern aufgrund des Streiks einige Bereiche nicht zugänglich. Das Impressionisten-Museum Musée d'Orsay bestätigte via Twitter, es bleibe geschlossen.

Nach den "Gelbwesten"-Protesten ist die Rentenreform die nächste große Herausforderung für Präsident Emmanuel Macron und ein durchaus heikles Vorhaben.

In Frankreich fürchten nun viele einen Streik wie zuletzt 1995. Damals wurde wochenlang gegen die Renten- und Sozialversicherungsreform des damaligen Premierministers Alain Juppé protestiert. Auch der aktuelle Streik könnte sich hinziehen.


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