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Flüchtlingsdrama von Ceuta: Zahl der Toten steigt
International 2 Min. 07.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Flüchtlingsdrama von Ceuta: Zahl der Toten steigt

Ein Krankenwagen, der ums Leben gekommene Afrikaner transportieren soll.

Flüchtlingsdrama von Ceuta: Zahl der Toten steigt

Ein Krankenwagen, der ums Leben gekommene Afrikaner transportieren soll.
Foto: AFP
International 2 Min. 07.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Flüchtlingsdrama von Ceuta: Zahl der Toten steigt

Nach dem Sturm von 400 Flüchtlingen auf die spanische Nordafrika-Exklave steigen die Zahlen der Todesopfer. Opposition, Menschenrechtsgruppen und die Kirche fordern Aufklärung.

(dpa) - Einen Tag nach dem tragischen Massenansturm afrikanischer Flüchtlinge auf die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 13 gestiegen.

Die Leichen vier weiterer Menschen seien am Freitag an einer Hafenmole in marokkanischen Gewässern gefunden worden, berichteten mehrere spanische Medien unter Berufung auf die Polizeieinheit Guardia Civil. Patrouillenboote und Taucher suchten nach weiteren Ertrunkenen. In Spanien wuchs die Kritik an den Zuständen in den Afrika-Exklaven.

Rund 400 Flüchtlinge hatten nach Angaben der spanischen Behörden am Donnerstag versucht, von marokkanischem Gebiet aus über den Grenzübergang El Tarajal in die Exklave zu stürmen. Daraufhin griffen marokkanische und spanische Sicherheitskräfte ein. Mehrere Afrikaner sprangen ins Meer und ertranken.

Die marokkanische Nachrichtenagentur MAP berichtete, die Flüchtlinge hätten eine nahe gelegene Landzunge umschwimmen und nach Ceuta gelangen wollen. Zunächst waren neun Afrikaner - darunter eine Frau - tot aus dem Wasser geborgen worden.

Obwohl der Präfekt versicherte, die Opfer seien durch Ertrinken und nicht durch Gewalteinwirkung zu Tode gekommen, forderte das euro-afrikanische Netzwerk Migreurop Spanien dazu auf, eine parlamentarische Untersuchungskommission einzusetzen, die die Grenzkontrollpraktiken in den Exklaven Ceuta und Melilla unter die Lupe nimmt. Auch Kirchensprecher forderten ein „Ende von Tod und Drama“.

Die oppositionellen Sozialisten (PSOE) forderten eine schnelle Aufklärung des Flüchtlingsdramas. Sie wollen von der Madrider Regierung unter anderem eine Antwort auf die Frage, ob Beamte der Guardia Civil - wie Zeugen versichern - die anstürmenden Afrikaner mit Gummigeschossen und Tränengas zurückwiesen. Die Vereinigte Linke (IU), drittstärkste Kraft im spanischen Parlament, forderte den Rücktritt von Innenminister Jorge Fernández Díaz.

Die Guardia Civil teilte derweil mit, sie habe keine Feuerwaffen, wohl aber Gummigeschosse eingesetzt. Dabei habe man jedoch nicht auf die Flüchtlinge gezielt, beteuerte ein Sprecher der paramilitärischen Polizeieinheit im Gespräch mit der spanischen Nachrichtenagentur efe.

Spanien verfügt an der nordafrikanischen Mittelmeerküste über zwei Exklaven, die beide von Marokko beansprucht werden. Die Stadt Ceuta an der Meerenge von Gibraltar und das 250 Kilometer weiter östlich gelegene Melilla haben jeweils 84 000 Einwohner. In der Umgebung beider Exklaven leben auf marokkanischem Gebiet Tausende Afrikaner aus Ländern südlich der Sahara in Lagern und warten auf eine Gelegenheit, in die spanischen Städte zu gelangen.