Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Florida: 17 Tote nach Schüssen an Schule
International 3 Min. 15.02.2018 Aus unserem online-Archiv

Florida: 17 Tote nach Schüssen an Schule

17 Todesopfer, viele Verletzte und traumatisierte Schüler.

Florida: 17 Tote nach Schüssen an Schule

17 Todesopfer, viele Verletzte und traumatisierte Schüler.
Foto: AFP
International 3 Min. 15.02.2018 Aus unserem online-Archiv

Florida: 17 Tote nach Schüssen an Schule

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Ein 19-Jähriger schießt an einer High School in Florida um sich. 17 Menschen sterben, darunter auch Schüler. Der Täter ist gefasst.

(dpa) - Der Valentinstag ist an den Schulen der USA ein Tag, an dem es besonders nett zugeht in den Klassenräumen. Viele Schüler bringen für ihre Freunde kleine Geschenke mit, manche Lehrer organisieren kleine Feiern. In Parkland, im Bundesstaat Florida bringt ein 19-Jähriger an diesem 14. Februar eine halbautomatische Waffe mit in die Marjory Stoneman Douglas High School - und jede Menge Munition. Er erschießt 17 Menschen und verletzt Dutzende weitere. Blut fließt, entsetzliche Szenen spielen sich ab. Polizei, Ärzte und nicht zuletzt Politiker sind fassungslos.

129 Lehrer unterrichten an der Schule mehr als 3000 Schülerinnen und Schüler, von der 9. bis zur 12. Jahrgangsstufe. Der Schütze war keiner mehr von ihnen - er war schon zuvor wegen Disziplinlosigkeiten von der Schule geflogen, wie Sheriff Scott Israel berichtete. Ob dieser Ausschluss ein Motiv für die Tat war, müssen erst die Vernehmungen ergeben. Ein Lehrer sagte am Mittwoch, der Mann habe schon vor seinem Rauswurf nicht mehr mit einem Rucksack auf das Schulgelände kommen dürfen.

Verzweifelte Szenen und Hilferufe per Handy

Viele Schüler lieferten verzweifelte Berichte ab, schilderten wie sie an Leichen und Blutlachen vorbei die Schule verlassen mussten, wie sie sich in Abstellräumen und Spinden oder unter Schulbänken verbarrikadierten. Einige schrieben ihren Eltern via Handy stumme Schreie nach Trost: „Was soll ich tun, wo soll ich hin?“

In den ersten chaotischen Stunden nach Bekanntwerden der Schreckenstat mussten vor allem die Eltern um ihre Sprösslinge bangen. Senator Bill Nelson war der erste, der öffentlich von „mehreren Toten“ sprach - noch ehe sich die Behörden organisieren konnten. „Es ist chaotisch“, stöhnte Sheriff Israel, dessen Kinder einst dieselbe Schule besucht hatten.

Laut Nelsons Darstellung soll der Schütze - den Beschreibungen von Schülern zufolge ein Einzelgänger mit Faible für Schusswaffen und Messer - einen Feueralarm ausgelöst haben. Unter einer Gasmaske geschützt habe er Rauchbomben gezündet und dann das Feuer auf die fliehenden Schüler und Lehrer eröffnet.

Nach Krankenhausangaben wurden am Mittwochabend noch 14 Menschen stationär behandelt, drei von ihnen seien im kritischen Zustand. Der Schütze, zunächst ebenfalls im Krankenhaus, wurde anschließend festgenommen und abgeführt. Er habe keinen Widerstand geleistet. In sozialen Netzwerken machten Bilder die Runde, auf denen ein Mann zu sehen ist, der von Polizisten in Handschellen abgeführt wird.

Halbautomatische AR 15 - oder ein Nachbau

Der Täter habe große Mengen Munition bei sich gehabt. Nach Medienberichten benutzte er eine halbautomatische Waffe des Typs AR-15 - oder einen Nachbau dieses Modells. Diese Waffe wurde auch bei anderen Aufsehen erregenden Bluttaten benutzt, etwa im vergangenen Jahr in Las Vegas, als bei einem Massaker 59 Menschen starben.

Die Schüsse von Florida haben in den USA auch hartgesottene Profis mitgenommen. Philipp Mudd, Terrorexperte des Fernsehsenders CNN, brach vor laufenden Kameras in Tränen aus. „Können wir in diesem Land nicht endlich anerkennen, dass wir das nicht akzeptieren können?“ Anschließend brach er das Gespräch ab.

Der demokratische Senator Chris Murphy aus Connecticut ging mit der politischen Klasse hart ins Gericht. „Das passiert nirgendwo sonst, außer in den Vereinigten Staaten“, sagte er. Murphy sprach von einer „Epidemie von Massentötungen“. „Das passiert nicht durch Zufall, nicht durch Unglück, sondern als Konsequenz aus unserer Untätigkeit“, betonte er.

Trump twittert Gebete - mal wieder

Die US-Demokraten fordern seit langer Zeit schärfere Waffengesetze, um die Vielzahl der schweren Straftaten mit Toten und Verletzen einzudämmen. Allein im laufenden Jahr ereigneten sich in den USA nach Murphys Darstellung bereits 19 Vorkommnisse mit Schusswaffen an Schulen. Die konservativen Republikaner und die Waffenlobby wollen jedoch keinesfalls Einschnitte beim Recht auf Selbstverteidigung auch mit Schusswaffen in Kauf nehmen.

  • Der 64-jährige Stephen Paddock eröffnet aus dem 32. Stock eines Hotels das Feuer auf gut 20.000 Gäste eines gegenüberliegenden Festivals. Er tötet 58 Menschen. Mehr als 500 weitere werden verletzt. Der Täter erschießt sich selbst. Es ist der schlimmste Massenmord in der jüngeren Geschichte der USA. Das Motiv ist nach wie vor unklar.

  • Der 29-jährige Omar Mateen erschießt 49 Besucher eines Nachtclubs, der bei Homosexuellen beliebt ist. Spezialeinheiten töten ihn bei der Erstürmung des Clubs. Der Attentäter, US-Bürger mit afghanischen Eltern, hatte sich zuvor zur Terrormiliz Islamischer Staat bekannt. Seine beiden Waffen, eine Pistole und ein Gewehr, hatte er legal erworben.

  • Adam Lanza, ein 20-Jähriger mit schweren psychischen Problemen, erschießt zunächst seine Mutter und begibt sich dann in seine ehemalige Grundschule, die Sandy Hook Elementary School. Dort ermordet er 20 Schulkinder und sechs Lehrer. Anschließend tötet er sich selbst. Vor seiner Tat hatte er sein Zimmer drei Monate lang nicht verlassen. Mit seiner Mutter hatte er per Mail kommuniziert. Lanza hegte seit seiner Kindheit Gewaltfantasien. Für die Tat nutzte er legal erworbene Gewehre seiner Mutter.

  • Der 23-jährige Südkoreaner Cho Seung-Hui erschießt zunächst zwei Studenten in einem Wohnheim und verletzt mehrere schwer. Anschließend verschickt er von einer Postfiliale aus eine DVD mit Bekenner-Videos und Fotos an den Fernsehsender NBC. Etwa zwei Stunden später verriegelt er die Türen eines anderen Uni-Gebäudes mit Ketten, damit niemand fliehen kann. Dann beginnt er, auf weitere Studenten und Lehrkräfte zu schießen. Insgesamt ermordet er 32 Menschen. Anschließend tötet er sich selbst. Der Täter lebte als Englischstudent in den USA. Obwohl er in psychiatrischer Behandlung war, konnte er die Tatwaffen legal

    erwerben.

  • Der 35-jährige George Hennard fährt mit seinem Pick-up durch die Glasscheibe eines Restaurants. Dann beginnt er, mit zwei Pistolen auf die Gäste zu schießen. Innerhalb weniger Minuten tötet er 22 Menschen. Nachdem die Polizei eintrifft, zieht sich der Täter schwer verletzt in die Toilettenräume zurück und erschießt sich. Er war ein arbeitsloser Matrose der Handelsmarine und galt als verbittert.

  • Bewaffnet mit einer Pistole, einem Gewehr und einer Uzi-Maschinenpistole betritt der 41-jährige James Huberty ein Schnellrestaurant. Dann erschießt er 21 Menschen. Vom Restaurant aus feuert er eine Stunde lang auf die Polizei. Ein Scharfschütze einer Spezialeinheit kann ihn schließlich erschießen. Seine Frau berichtete später, Huberty habe schwere psychische Probleme.

US-Präsident Donald Trump, ebenfalls ein Befürworter des freien Zugangs zu Schusswaffen, ließ sich nach Angaben des Weißen Hauses über die Lage in Florida unterrichten. „Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Betroffenen“, hieß es in einer Stellungnahme. Das Weiße Haus sagte wegen der Entwicklung in Florida die täglich stattfindende Pressekonferenz mit Regierungssprecherin Sarah Sanders ab.  


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Zehn Tote nach Schüssen in High School in Texas
In einer Schule nahe der texanischen Metropole Houston hat sich am Freitag ein Amoklauf ereignet. Nach letzten Informationen wurden neun Schüler und ein Lehrer getötet, es gibt zahlreiche Verletzte.
Emergency crews gather in the parking lot of Santa Fe High School where at least eight students were killed on May 18, 2018 in Santa Fe, Texas. 
At least eight people were killed when a student opened fire at his Texas high school on May 18, 2018, as President Donald Trump expressed "heartbreak" over the latest deadly school shooting in the United States. The shooting took place as classes were beginning for the day at Santa Fe High School in the city of the same name, located about 30 miles (50 kilometers) southeast of Houston."There are multiple fatalities," Harris County Sheriff Ed Gonzalez told reporters. "There could be anywhere between eight to 10, the majority being students."




 / AFP PHOTO / Daniel KRAMER
Nach Parkland: Trump will Lehrer bewaffnen
Eine Woche ist seit dem Massaker von Parkland vergangen. US-Präsident Trump lädt Überlebende zu sich ein. Bei der Suche nach politischen Lösungen heißt er auch eine Idee gut, die von der Waffenlobby stammt.
US President Donald Trump shakes hands with Marjory Stoneman Douglas High School student Ariana Klein (R) watched by fellow student Carson Abt at the start of a �listening session� on gun violence with teachers and students in the State Dining Room of the White House on February 21, 2018. / AFP PHOTO / MANDEL NGAN
Mehrere Verletzte: Schüsse an Schule in Florida
Wieder ist es in den USA zu womöglich tödlichen Schüssen auf einem Schul-Campus gekommen. Chaotische Szenen spielen sich ab, Eltern bangen um das Wohl ihrer Kinder. Der Täter ist schnell gefasst.
Kommentar: Entwaffnet Euch!
Wieder sind in den USA Menschen erschossen worden, wieder passiert politisch nichts Konkretes. Stattdessen: "Thoughts and Prayers". Amerika verweigert sich allen Argumenten. Das muss aufhören.
Ein schwer erträgliches Bild: Trauer um 26 Opfer des Massakers von Sutherland Springs.