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Flensburger Messerangriff: Kein Terrorverdacht
Der IC, in dem der Vorfall stattfand, ist immer noch beschlagnahmt.

Flensburger Messerangriff: Kein Terrorverdacht

Benjamin Nolte/dpa
Der IC, in dem der Vorfall stattfand, ist immer noch beschlagnahmt.
International 2 Min. 31.05.2018

Flensburger Messerangriff: Kein Terrorverdacht

Eine Polizistin erschießt einen Messerstecher mit ihrer Dienstwaffe. Der Mann soll in einem Zug in Flensburg auf einen Fahrgast und dann auf die Beamtin losgegangen sein. Nur nach und nach klärt sich, was am Mittwochabend geschah.

(dpa) - Die Staatsanwaltschaft vermutet hinter der Messerattacke eines Afrikaners in einem Intercity-Zug in Flensburg weder einen terroristischen noch einen sonstigen politischen Hintergrund. „Es gibt überhaupt keine Hinweise darauf“, sagte Flensburgs Leitende Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt am Donnerstag.

Der 24 Jahre alte Messerstecher war am Mittwochabend von einer Polizistin mit ihrer Dienstwaffe erschossen worden. Zuvor soll er sie und einen 35 Jahre alten Mitreisenden aus Köln nach einem Streit angegriffen und schwer verletzt haben. Lebensgefahr bestand nicht.


30.05.2018, Schleswig-Holstein, Flensburg: Rettungskräfte arbeiten vor dem Bahnhof. Nach Angaben der Bundespolizei hat es einen Messerangriff in einem Intercity-Zug in Flensburg gegeben. Es gab einen Toten sowie zwei Verletzte. Foto: Sebastian Iwersen/nordpresse mediendienst/dpa - ACHTUNG: Ein Teil der Polizisten wurden vom Urheber gepixelt. +++ dpa-Bildfunk +++
Polizistin erschießt Messerstecher nach Angriff in Zug
In einem Intercity in Schleswig-Holstein kommt es zu einem Messerangriff. Eine Polizistin setzt ihre Schusswaffe ein. Der mutmaßliche Angreifer ist tot.

Der getötete Angreifer stammte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Eritrea. Er wohnte in Nordrhein-Westfalen und soll eine befristete Aufenthaltserlaubnis für Deutschland gehabt haben. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wollte sich „aus datenschutzrechtlichen Gründen“ nicht zu dem Fall äußern und verwies auf die Ermittlungsbehörden.

Die Nationalität des verletzten 35-Jährigen war zunächst nicht bekannt. Auch dazu, ob sich die Männer, die beide in Nordrhein-Westfalen wohnten, kannten, machten die Ermittler keine Angaben.

Nicht im Dienst, aber in Uniform

Am Mittwochabend gegen 19.00 Uhr fuhr der IC 2406 von Köln nach Flensburg in den Zielbahnhof ein. Zu diesem Zeitpunkt muss das Streitgespräch zwischen dem 24-Jährigen und dem 35-Jährigen bereits eskaliert sein. Die Polizistin aus Bremen, die nicht dienstlich, aber in Uniform an Bord des Zuges war, griff ein und wurde selbst verletzt. Die 22-Jährige erschoss den Täter.

Der Flensburger Bahnhof wurde am Mittwochabend geräumt. Auch die Zufahrtsstraßen waren vorübergehend gesperrt, der Zugverkehr nach Flensburg wurde für einige Zeit unterbrochen. Am frühen Donnerstagmorgen war am Flensburger Bahnhof von den Vorfällen des Vorabends fast nichts mehr zu sehen: keine Polizei, keine Absperrungen mehr. Nur an einer Anzeigetafel lief auch gegen 6.00 Uhr noch der Hinweis über den Bildschirm: „Wegen eines Polizeieinsatzes ist der Bahnhof gesperrt.“


Police walks on a platform next to a Thalys train of French national railway operator SNCF at the main train station in Arras, northern France, on August 21, 2015. A gunman opened fire on a train travelling from Amsterdam to Paris, injuring three people before being overpowered by passengers, French state rail company SNCF and rescue services said. Two of the victims were seriously injured and at least one suffered gunshot wounds, an SNCF spokesman said, adding that the assailant was armed with guns and knives. The motives behind the attack were not immediately known. AFP PHOTO / PHILIPPE HUGUEN
Blutbad verhindert: Sechs Fragen und Antworten zum Angriff im Thalys
Was geschah genau an Bord eines Schnellzugs auf dem Weg von Amsterdam nach Paris? Was hat es mit den "Thalys-Helden" auf sich und welche Informationen gibt es zum mutmaßlichen Täter? Eine Aufschlüsselung.

Wieso es zu dem Angriff auf den 35-Jährigen kam und der Streit derart eskalierte, dass sich eine junge Polizistin offensichtlich genötigt sah, die Dienstwaffe zu zücken und zu schießen, war am Donnerstag weiter offen. Direkte Augenzeugen gab es ersten Erkenntnissen zufolge nicht. Die Polizei sucht dennoch Mitreisende, die noch nicht registriert wurden und Hinweise zum Verhalten des Angreifers machen könnten. Die Polizistin nutzte nach Angaben der Staatsanwaltschaft ihr Schweigerecht und äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall.

Der 35-Jährige wurde zunächst nicht vernommen. Der IC wurde beschlagnahmt. Der Zug befand sich auch am Donnerstag noch in Flensburg.

Keinen Beleg für Zunahme von Messerattacken

Nach wiederholten Messerattacken in Deutschland wurde zuletzt darüber diskutiert, ob solche Angriffe zugenommen haben. Einen Beleg dafür gibt es mangels bundesweiter Zahlen nicht. Am Flensburger Bahnhof scheinen sich indes einige Passanten sicher zu sein: Das habe es früher nicht gegeben, rief etwa ein Mann, der auf dem Bahnhofsvorplatz wartete, Journalisten zu. Eine Bahnpendlerin aus Flensburg, die ihren Namen nicht verraten wollte, meinte ebenfalls, die Aggressivität nehme zu. Ein mulmiges Gefühl, jetzt in den Zug zu steigen, habe sie aber nicht. „Ich meine, das kann überall passieren. Ich nehme das jetzt nicht persönlich für die Strecke Hamburg-Flensburg“, sagte die 56-Jährige.


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