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Flammenhölle Amazonas: Brände zerstören Brasiliens grüne Lunge
International 7 2 3 Min. 22.08.2019

Flammenhölle Amazonas: Brände zerstören Brasiliens grüne Lunge

Auf diesem vom Chico Mendes Institut zum Schutz der Artenvielfalt zur Verfügung gestellten Bild beobachtet eine Gruppe die Flammen bei einem Waldbrand im Naturpark Chapada dos Guimaraes.

Flammenhölle Amazonas: Brände zerstören Brasiliens grüne Lunge

Auf diesem vom Chico Mendes Institut zum Schutz der Artenvielfalt zur Verfügung gestellten Bild beobachtet eine Gruppe die Flammen bei einem Waldbrand im Naturpark Chapada dos Guimaraes.
Foto: Christian Niel Berlinck/ICMBio/d
International 7 2 3 Min. 22.08.2019

Flammenhölle Amazonas: Brände zerstören Brasiliens grüne Lunge

Tausende Feuer im Amazonasgebiet, schwarzer Regen in São Paulo: In Brasilien brennt es so heftig wie seit Jahren nicht. Doch Staatschef Bolsonaro facht die Flammen mit seiner Rhetorik weiter an.

(dpa) - In Brasilien steht der Wald in Flammen. Seit Wochen wüten Tausende Feuer im Amazonasgebiet und den angrenzenden Steppengebieten. Die Flammen fressen sich durch das Unterholz, verzehren Bäume und Sträucher und hinterlassen nichts als verbrannte Erde. "Noch nie hat es soviel gebrannt. Noch nie ist es uns so schwer gefallen zu atmen", sagte die Bürgermeisterin der Ortschaft Brasiléia im Bundesstaat Acre, Fernanda Hassem, der Zeitschrift "Valor". "Das macht uns Angst."

Selbst im fast 2000 Kilometer von den Brandherden entfernten São Paulo sind die Auswirkungen zu spüren: Mitten am Tag verdunkelte sich der Himmel über der Millionenmetropole und es fiel schwarzer Regen. Untersuchungen von zwei Universitäten bestätigten, dass das Regenwasser Brandrückstände enthält, wie das Nachrichtenportal G1 berichtete.

Laut einem Bericht der Zeitung "Folha de S. Paulo" haben die Brände, Feuer und Brandrodungen in Brasilien seit Januar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 83 Prozent zugenommen. Insgesamt seien 72.843 Brände registriert worden. Meist seien Flächen in Privatbesitz betroffen, aber auch in Naturschutzgebieten und indigenen Ländereien brenne es immer wieder.

"Alle Brände im Amazonasgebiet werden auf die eine oder andere Weise von Menschen verursacht", sagt der Leiter des Amazonasprogramms der Umweltorganisation WWF, Ricardo Mello. Häufig würden Farmer zunächst die Bäume abholzen und dann Feuer legen, um neue Weideflächen für ihr Vieh zu schaffen.

Wegen der derzeitigen Dürre in der Region breiten sich die Brände immer weiter aus. "Das Feuer greift von den offenen Flächen auf noch intakte Waldgebiete über", sagt Mello. "Das bedeutet, die Brände haben einen doppelten negativen Effekt."

Die meisten Brände wurden zuletzt im Bundesstaat Mato Grosso gemeldet. Die Löscharbeiten gestalten sich schwierig, da es in der Region nur wenige Straßen gibt und sich die Einsatzkräfte deshalb mit Booten auf Flüssen bewegen müssen. Zudem gibt es unterirdische Feuer, die lange unentdeckt bleiben. "Wir geben unser Bestes", sagte Umweltminister Ricardo Salles. "Es kommt im Moment häufiger zu Bränden, weil es zuletzt sehr trocken war."

Tatsächlich hat die Trockenzeit in der Region gerade erst begonnen. Im August und September werden im Amazonasgebiet unterdurchschnittliche Niederschläge erwartet. "Das sind nicht gerade beruhigende Aussichten", sagte der Koordinator der Brandbeobachtung der Nationalen Weltraumagentur INPE, Alberto Setzer, dem Portal Infoamazonia.


(FILES) File photo taken on October 13, 2014 showing an aereal view of an illegal felling area in the Amazon forest during an overflight by Greenpeace activists over areas of illegal exploitation of timber, as part of the second stage of the "The Amazon's Silent Crisis" report, in the state of Para, Brazil, - The head of Brazil's National Institute for Space Research (INPE) Ricardo Galvao said on Friday he's going to be sacked following a row with President Jair Bolsonaro over deforestation in the Amazon rainforest. Galvao had accused far-right Bolsonaro of "cowardice" for having publically questioned satellite data produced by INPE that showed Amazon rainforest deforestation had increased 88 percent in June compared to the same period one year earlier. (Photo by RAPHAEL ALVES / AFP)
Abholzung am Amazonas hat sich nahezu vervierfacht
Die Rodungen im Regenwald von Brasilien nehmen eklatante Ausmaße an. Doch Präsident Bolsonaro hält die Zahlen für Schwindel.

Die Brandbekämpfung im brasilianischen Regenwald wird teilweise vom Amazonas-Fonds finanziert, um den ein heftiger Streit entbrannt ist. Weil unter dem rechtspopulistischen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro, der auch der "Trump der Tropen" genannt wird, die Abholzung des Regenwaldes zuletzt kräftig zugelegt hatte, fror Hauptgeldgeber Norwegen seine Mittel ein.  Zu Bolsonaros Wählerschaft gehören brasilianische Landwirte, die sich von dem neuen Präsidenten mehr Zugang zu Land und weniger Umweltkontrollen erwarten.    

Der Staatschef hat für die verheerenden Waldbrände indes eine ganz eigene Begründung. Nichtregierungsorganisationen könnten für die Feuer verantwortlich sein, um sich für die Kürzung von Zuschüssen zu rächen und seine Regierung zu diskreditieren, sagte Bolsonaro am Mittwoch. Belege für seine Vorwürfe legte er nicht vor.

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"Diese Behauptung des Präsidenten ist unverantwortlich. Der Schutz der Umwelt hat für die Nichtregierungsorganisationen oberste Priorität. Es hat keinen Sinn, zu behaupten, wir hätten das Feuer gelegt. Das ist absurd", sagte der Präsident des Instituts für Umweltschutz, Carlos Bocuhy, dem Nachrichtenportal G1.

Bolsonaro betrachtet den Regenwald als wirtschaftlich ungenutztes Potenzial. Er will keine neuen Schutzgebiete im Amazonasgebiet ausweisen und weitere Rodungen zulassen. Umweltverbände kritisieren die Pläne, weil der Regenwald als CO2-Speicher für den internationalen Klimaschutz von großer Bedeutung ist.  

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Zuletzt hatten Großgrundbesitzer und Farmer im Südwesten des Bundesstaates Pará einen "Tag des Feuers" ausgerufen und in einer koordinierten Aktion große Flächen entlang der Landstraße BR-163 in Brand gesteckt. "Wir wollen dem Präsidenten zeigen, dass wir arbeiten wollen", zitiert die Lokalzeitung "Folha do Progresso" einen der Organisatoren. „Um unsere Weiden anzulegen und zu säubern, legen wir Feuer.“

Für die Umweltorganisationen ist Bolsonaro damit der eigentliche Brandstifter. "Diejenigen, die den Amazonas abholzen und zerstören, werden durch die Reden und die Aktionen der Regierung von Bolsonaro ermutigt, die seit ihrem Amtsantritt die Umweltpolitik des Landes wirklich demontiert hat", sagt Danicley Aguiar vom Amazonas-Programm von Greenpeace.



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