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Fischsterben in der Oder: Auch giftige Algen im Verdacht
International 2 Min. 19.08.2022
Ursachenforschung dauert an

Fischsterben in der Oder: Auch giftige Algen im Verdacht

Deutschland untersucht bei der Suche nach den Ursachen des Fischsterbens in der Oder in Deutschland und Polen nun auch fischgiftige Algen.
Ursachenforschung dauert an

Fischsterben in der Oder: Auch giftige Algen im Verdacht

Deutschland untersucht bei der Suche nach den Ursachen des Fischsterbens in der Oder in Deutschland und Polen nun auch fischgiftige Algen.
Foto: Patrick Pleul/dpa
International 2 Min. 19.08.2022
Ursachenforschung dauert an

Fischsterben in der Oder: Auch giftige Algen im Verdacht

Die Gründe für das Fischsterben in der Oder sind weiterhin ungeklärt. Polen und Deutschland untersuchen nun giftige Algen als Ursache.

(dpa/fw) – Die Suche nach der Ursache für das massenhafte Fischsterben in der Oder dauert in Deutschland weiter an. Das dortige Landeslabor Berlin-Brandenburg (LLBB) untersucht nach Angaben des Brandenburger Umweltministeriums vom Donnerstag weiterhin Wasserproben verschiedener Tage und Messpunkte sowie Fische.

Laufende Untersuchungen hätten bisher keine eindeutigen Belege für eine singuläre Ursache für das Fischsterben in der Oder ergeben, teilte das Ministerium weiter mit. Bislang zeigten Analyseergebnisse keine besonders hohen Werte für Metalle wie etwa Quecksilber.

Forschung: Mikroalge als Ursache im Verdacht


13.08.2022, Brandenburg, Lebus: Ein freiwilliger Helfer holt mit einem Kescher tote Fische aus dem Wasser des deutsch-polnischen Grenzflusses Oder. Seit mehren Tagen beschäftigt das massive Fischsterben im Fluss Oder Anwohner des Flusses. Die Untersuchungen zur Aufklärung des massenhaften Fischsterbens in der Oder dauern an. Foto: Patrick Pleul/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Weiter Rätselraten über Umweltkatastrophe an der Oder
Tausende Fische sind im Grenzfluss zwischen Deutschland und Polen verendet. Aber woran? Klar scheint: Quecksilber war nicht die Todesursache.

Auch fischgiftige Algenarten geraten bei der Ursachenforschung nun ins Blickfeld. Die dazu laufenden Untersuchungen des Landesamts für Umwelt werden dem Ministerium zufolge ausgeweitet, um ermitteln zu können, welchen Anteil bestimmte Algenvorkommen am Fischsterben der Oder haben könnten und welche Bedingungen oder Ereignisse ihre Ansiedlung begünstigt haben. Partner sei hierbei das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Das Landesumweltamt hatte dorthin auch Proben geschickt.

Forscher des Leibniz-Instituts haben die Mikroalge mit dem Namen Prymnesium parvum in der Oder identifiziert. Die Art sei bekannt dafür, dass es gelegentlich zu Fischsterben komme, hatte Gewässerökologe Christian Wolter am Mittwoch gesagt. Nachgewiesen werden müsse noch, ob das Toxin der Alge für das Fischsterben in der Oder verantwortlich sei. Das Institut hatte gleichzeitig darauf verwiesen, dass es sich um kein natürliches, sondern um ein menschengemachtes Problem handele.

Die Algenart Prymnesium parvum kommt laut der Forscher eigentlich ausschließlich im Brackwasser vor. Sie benötigt erhöhte Salzgehalte, die es auf der betroffenen Oderstrecke normalerweise nicht gibt. An der offiziellen Messstation des Landesamts für Umwelt in Frankfurt an der Oder wurden aber rund zwei Wochen massiv erhöhte, unnatürliche Salzfrachten gemessen, die laut der Forscher ihren Ursprung stromaufwärts haben müssen.

Auch polnische Umweltbehörden mit Fokus auf Algen

Polens Umweltministerin Anna Moskwa äußerte sich am Donnerstagabend ebenfalls zu Algen als möglicher Ursache des Massensterbens: Moskwa gab bekannt, dass in Wasserproben toxische Algen entdeckt worden seien. Es handele sich um sogenannte Goldalgen, die für Fische und Muscheln tödlich seien. Ob es sich um Prymnesium parvum handelt, war zunächst bei polnischen Umweltministerium und dem zuständigen Institut nicht zu erfahren.

Experten wie der Chemie-Professor Marcin Drag von der Fachhochschule in Wroclaw (Breslau) vermuten aufgrund des hohen Salzgehaltes, dass der Fluss mit Einleitungen aus dem schlesischen Bergbau verseucht wurde. Nach Angaben des oppositionellen Parlamentsabgeordneten Piotr Borys leitet ein staatliches Bergbau-Unternehmen bei Glogow regelmäßig salzhaltiges Abwasser aus einem riesigen Rückhaltebecken in die Oder ein - es hat dafür allerdings auch die Genehmigung der Wasserbehörde.

EU-Kommission will gemeinsame Expertengruppe

Die EU-Kommission dringt bei den Untersuchungen zum Fischsterben in der Oder auf Ergebnisse. „Es ist höchst wichtig und dringend, die Ursache zu ermitteln und die geeigneten Maßnahmen flussabwärts zu ergreifen“, sagte ein Sprecher der Brüsseler Behörde am Donnerstag. Die Kommission sei höchst besorgt über die Umweltkatastrophe, bei der bisher rund 100 Tonnen toter Fische anfielen. Die Kommission begrüßt nach Angaben des Sprechers den Einsatz einer gemeinsamen deutsch-polnischen Expertengruppe, um bei den Ermittlungen zusammenzuarbeiten.

Man sei bereit, eigene Experten zu entsenden, um mit der Gruppe zusammenzuarbeiten, hieß es aus Brüssel. „Je eher wir die Ursache dieser ökologischen Katastrophe ermitteln können, desto eher können wir damit beginnen, die weiteren Folgen für die Natur, die Fischerei, die Landwirtschaft und die Freizeitgestaltung zu bewältigen und zu begrenzen“, sagte der Sprecher.


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