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Feuer in Moria: Regierung in Athen beschuldigt Migranten
International 2 Min. 10.09.2020 Aus unserem online-Archiv

Feuer in Moria: Regierung in Athen beschuldigt Migranten

Mehrere Brände haben das Lager Moria auf Lesbos fast vollständig zerstört.

Feuer in Moria: Regierung in Athen beschuldigt Migranten

Mehrere Brände haben das Lager Moria auf Lesbos fast vollständig zerstört.
Foto: Socrates Baltagiannis/dpa
International 2 Min. 10.09.2020 Aus unserem online-Archiv

Feuer in Moria: Regierung in Athen beschuldigt Migranten

Flüchtlinge sollen den Großbrand im Moria-Camp auf Lesbos verursacht haben. Unterdessen suchen Deutschland und Frankreich nach einer "guten Antwort der Solidarität".

(dpa) - Laut griechischer Regierung haben Migranten den Großbrand im Camp Moria selbst gelegt. „Das Feuer wurde von Menschen gelegt, die Asyl beantragt haben - als Reaktion auf die wegen des Corona-Virus verhängte Quarantäne (in Moria)“, sagte Regierungssprecher Stelios Petsas am Donnerstag. Es handele sich um Menschen, die „ihr Gastland nicht respektieren“, so Petsas. 

Mit solchen Aktionen jedoch torpedierten diese Menschen jede Lösung. „Wir sagen es ihnen klipp und klar: Sie werden nicht wegen des Feuers die Insel verlassen. Das können sie vergessen.“ Gelungen sei den Brandstiftern lediglich, Tausende Menschen - darunter Familien- obdachlos zu machen, kritisierte Petsas.

Am Donnerstag flammten im Lager Moria erneut kleinere Brände auf.
Am Donnerstag flammten im Lager Moria erneut kleinere Brände auf.
Foto: Socrates Baltagiannis/dpa

Mehrere neue kleine Brände konnte die Feuerwehr löschen. Die Feuer hätten übrig gebliebene Zelte und andere provisorische Unterkünfte zerstört, berichtete das Staatsfernsehen. In der Luft lag der Gestank von verbranntem Plastik.

Athen will unterdessen in den nächsten Tagen 19.000 Coronatests auf Lesbos durchführen, teilte der Regierungssprecher weiter mit. Die Angst eines unkontrollierbaren Virusausbruchs ist groß: 35 Migranten sind positiv auf das Virus getestet worden, doch infolge des Großbrandes sind sie nicht mehr alle ausfindig zu machen und könnten Tausende andere Menschen anstecken. Die Polizei habe nur acht von ihnen aufgreifen können, teilte die Regierung mit.


TOPSHOT - Children sit on the ground in the burnt camp of Moria on the island of Lesbos after a major fire broke out, on September 9, 2020. - Thousands of asylum seekers on the Greek island of Lesbos fled for their lives on September 9, 2020 as a huge fire ripped through the camp of Moria, the country's largest and most notorious migrant facility. Over 12,000 men, women and children ran in panic out of containers and tents and into adjoining olive groves and fields as the fire destroyed most of the overcrowded, squalid camp. The blaze started just hours after the migration ministry said that 35 people had tested positive at the camp. (Photo by ANGELOS TZORTZINIS / AFP)
Kommentar: Hilferuf aus purer Verzweiflung
Der verheerende Brand im Flüchtlingslager Moria steht symbolhaft für eine verfehlte EU-Flüchtlingspolitik. Ein Kommentar.

Das griechische Fernsehen (ERT) zeigte am Donnerstag erneut Bilder von Menschen, die am Straßenrand lagen und auf Hilfe warteten. Einige Menschen übernachteten auf einem Friedhof. Humanitäre Organisationen und die Behörden planten, am Donnerstag Essen und Wasser zu den Menschen zu bringen, hieß es.

Deutschland und Frankreich wollen Flüchtlinge aufnehmen

Unterdessen arbeitet Frankreich gemeinsam mit Deutschland an einem Vorschlag, um Flüchtlinge aufzunehmen. Dabei gehe es insbesondere um Minderjährige, sagte der französische Staatspräsident Emmanuel Macron am Donnerstag in Ajaccio auf der Mittelmeerinsel Korsika. Es sollten auch andere europäische Partner gewonnen werden: „Wir müssen mit Griechenland solidarisch sein.“ Es gehe nun um eine „gute Antwort der Solidarität“ an Griechenland, sagte der 42-Jährige. 


Jean-Claude Hollerich.
Kardinal Hollerich fordert Umsiedlung der Flüchtlinge von Moria
Der Luxemburger Kardinal fordert alle Länder, die zugesagt haben, Kinder und Kranke aufzunehmen, auf, dies nun endlich zu tun.

Deutschlands Entwicklungsminister Gerd Müller hatte gefordert, dass Deutschland vorangehen und 2.000 Migranten aufnehmen solle. Im Lager Moria lebten etwa 12.500 Geflüchtete. 

Indes wurden die ersten Lager-Insassen aufs Festland gebracht. Etwa 400 Minderjährige, die ohne Begleitung ihrer Eltern unterwegs sind, wurden am Mittwochabend und am Donnerstag von der Insel Lesbos in die Hafenstadt Thessaloniki geflogen. Griechenlands stellvertretender Migrationsminister Giorgos Koumoutsakos schloss allerdings aus, dass auch erwachsene Migranten die Insel verlassen dürfen. Im Nachrichtensender Skai sagte er: „Wer denkt, er könne zum Festland und dann nach Deutschland reisen, der soll es vergessen.“


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TOPSHOT - A man holds a boy during clashes with police outside the refugee camp of Moria on the Greek island of Lesbos, on September 29, 2019. - At least one migrant died on September 29, 2019, after a fire broke out in Moria, the over-crowded refugee camp on the Greek island of Lesbos, Greece's Health Ministry said. Police were firing tear gas to control crowds who started rioting after the fire ignited inside the camp, according to an AFP correspondent. (Photo by ANGELOS TZORTZINIS / AFP)