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FBI ging Hinweis auf Todesschützen nicht nach
International 1 3 Min. 17.02.2018 Aus unserem online-Archiv

FBI ging Hinweis auf Todesschützen nicht nach

In Las Vegas gedenken Menschen der Opfer des Verbrechens in Florida.

FBI ging Hinweis auf Todesschützen nicht nach

In Las Vegas gedenken Menschen der Opfer des Verbrechens in Florida.
Foto: AFP
International 1 3 Min. 17.02.2018 Aus unserem online-Archiv

FBI ging Hinweis auf Todesschützen nicht nach

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Hätte die Bluttat in Florida verhindert werden können? Die Bundespolizei FBI jedenfalls ließ einen wertvollen Hinweis liegen. Der Schütze war seit sehr jungen Jahren auffällig und polizeibekannt. Präsident Trump besucht derweil die Opfer.

(dpa) - Nach den Todesschüssen eines 19-Jährigen an einer High School in Florida kommen bei der Aufarbeitung des Verbrechens immer neue, dramatische Details ans Licht. Am Freitag wurde klar, dass die Bluttat möglicherweise hätte verhindert werden können. Das FBI ging einer Spur nicht nach, die sich im Nachhinein als verlässlich herausstellte. US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania besuchten am Freitag in Florida verletzte Überlebende im Krankenhaus.

Der 19 Jahre alte Nikolas Cruz hat inzwischen den Mord an 17 Menschen in der Marjory Stoneman Douglas High School in Florida gestanden. Das geht aus Gerichtsunterlagen hervor. Der Mann war zuvor erstmals vor Gericht erschienen, in orangefarbener Häftlingskleidung sowie an Händen und Füßen gefesselt. Er hatte sich dort nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Das FBI räumte am Freitag ein, einem sehr starken Hinweis vor mehr als einem Monat nicht nachgegangen zu sein. FBI-Chef Christopher Wray entschuldigte sich in einer persönlichen Stellungnahme. Der Gouverneur von Florida, Rick Scott, forderte den Rücktritt des Chefermittlers.

Ein Anrufer habe Hinweise auf den späteren Täter Cruz gegeben, habe auf dessen Vernarrtheit in Waffen hingewiesen und dass dieser womöglich einen Überfall auf eine Schule plane. Der Anruf sei nie weitergegeben worden und habe die Polizisten vor Ort nie erreicht. FBI-Chef Christopher Wray erklärte, man bedaure zutiefst den zusätzlichen Schmerz, den die Angehörigen der Opfer nun erlitten.

Diskussion, aber keine Konsequenzen

Der 19 Jahre alte Todesschütze hatte am Valentinstag kurz vor Schulschluss das Gebäude betreten und einen Feueralarm ausgelöst. Mit einer halbautomatischen Waffe erschoss er 17 Menschen, die wegen des Alarms aus den Klassenzimmern kamen. Cruz wurde wenig später widerstandslos festgenommen.

Das Massaker von Parkland, etwa eine Autostunde nördlich von Miami, ist eines der folgenschwersten an einer Schule in den USA. Auch nach dieser Tat setzte in den USA wieder eine Diskussion über das Waffenrecht ein. Es ist unwahrscheinlich, dass daraus direkte Folgen abgeleitet werden. Befürworter schärferer Regeln stehen Gegnern jedweder Änderung gegenüber - die politisch die Oberhand haben.

Nikolas Cruz war ein ehemaliger Schüler der High School. Er war aus Disziplinargründen von der Schule geflogen. Medien berichteten,  unter Berufung auf das FBI, Cruz habe seine Waffe legal erworben und besessen. 

Der Sender CNN berichtete am Samstag, dass sich der Todesschütze zuvor in einem Gruppenchat mit Bekannten seit einem halben Jahr oft rassistisch, schwulenfeindlich und antisemitisch geäußert habe. Cruz sprach demnach mehrfach über seinen Hass auf Juden, Menschen mit dunkler Haut und Einwanderer.

Mexikaner wollte er töten, schwarze Menschen in Ketten legen und ihren die Köpfe abschneiden. Weiße Frauen, die Beziehungen zu Schwarzen führten, seien Verräterinnen. Auf eine Beleidigung von Homosexuellen antwortete er: „Schieß ihnen in den Hinterkopf.“ Laut CNN gibt es aber keine Hinweise darauf, dass Cruz oder einer seiner Chatpartner Mitglied einer rechtsextremen Gruppierung waren.

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Auch nach Darstellung von Mitschülern sowie Verwandten und Nachbarn, die sich in US-Medien äußerten, hatte der junge Mann seit längerer Zeit psychische Probleme, er galt als auffällig und polizeibekannt. Ein Nachbar veröffentlichte ein Video, in dem Cruz vor dem Haus der Mutter mit einer Pistole hantiert - auf dem Kopf eine rote Baseballkappe mit der Aufschrift „Make America Great Again“, dem Wahlspruch von US-Präsident Donald Trump. Nach dem Tod der Eltern lebte er seit einigen Monaten bei der Familie eines Mitschülers.

Trump: Täter psychisch gestört

US-Präsident Donald Trump legte auf Twitter eine psychische Störung Cruz' als Grund für die Tat nahe. Er rief dazu auf, solche „Fälle“ stets den Behörden zu melden. Trump besuchte am Freitagabend ein Krankenhaus, in dem Überlebende behandelt werden. „Es ist traurig, dass so etwas passieren konnte“, sagte der Präsident, ohne auf die Waffenproblematik in den USA einzugehen.

Der Präsident hatte bereits zuvor erklärt, man wolle sich des Themas psychischer Erkrankungen annehmen. Ins Detail ging er nicht. Cruz war nach Medienberichten in psychischer Behandlung gewesen, hatte diese aber zuletzt angeblich nicht fortgesetzt. Trump hatte vor einem Jahr ein Gesetz unterzeichnet, das psychisch Kranken den Erwerb von Waffen wieder erlaubte. Er nahm damit eine erst kurz zuvor erlassene Verordnung seines Vorgängers Barack Obama zurück.


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