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Familiensynode in Rom: Heikle Themen hinter verschlossenen Türen
Pope Francis leads a mass for the opening of the synod on the family on October 4, 2015 at St Peter's basilica in Vatican. Pope Francis opened a gathering of bishops intended to review Catholic teaching on the family against a backdrop of controversy over homosexuality. The church's second synod on the family opened in a tense atmosphere the day after a senior priest announced he was gay and accused the Vatican of "institutionalised homophobia".  AFP PHOTO / TIZIANA FABI

Familiensynode in Rom: Heikle Themen hinter verschlossenen Türen

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Pope Francis leads a mass for the opening of the synod on the family on October 4, 2015 at St Peter's basilica in Vatican. Pope Francis opened a gathering of bishops intended to review Catholic teaching on the family against a backdrop of controversy over homosexuality. The church's second synod on the family opened in a tense atmosphere the day after a senior priest announced he was gay and accused the Vatican of "institutionalised homophobia". AFP PHOTO / TIZIANA FABI
International 18 3 Min. 03.10.2015

Familiensynode in Rom: Heikle Themen hinter verschlossenen Türen

Am Sonntag hat die Familiensynode in Rom begonnen. Unterdessen bekannte sich ein Theologe des Vatikan in einem Zeitungsinterview am Wochenende zu seiner Homosexualität.

(dpa) - Mit einer Gebetswache am Samstag und einer Messe an diesem Sonntag um 10 Uhr beginnt die Bischofssynode zu Ehe- und Familienthemen im Vatikan. Das Kirchenoberhaupt eröffnet das dreiwöchige Treffen mit dem feierlichen Gottesdienst im Petersdom.

Insgesamt 270 Bischöfe aus aller Welt beraten bei der Synode hinter verschlossenen Türen über heikle Themen rund um Ehe und Familie in der katholischen Kirche. So soll es auch um den Umgang der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexuellen sowie um die Haltung zu Abtreibung und Verhütung gehen. Auch Laien und Experten nehmen an der Synode teil.

Entscheidungen werden von dem Treffen, das der Papst einberufen hat, nicht erwartet. Franziskus soll am Ende der Synode am 25. Oktober aber ein Abschlussdokument übergeben werden. Die eigentlichen Beratungen in der Synodenaula des Vatikans beginnen am Montag.

Theologe bekennt sich zu Homosexualität

Kurz vor der Bischofssynode zu Ehe und Familie hat sich erstmals ein Theologe aus dem Vatikan zu seiner Homosexualität bekannt. „Ich möchte, dass die Kirche und meine Gemeinschaft wissen, wer ich bin: ein homosexueller Priester, glücklich und stolz auf seine eigene Identität“, sagte der Pole Krzysztof Charamsa (43) der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ (Samstag). Der Vatikan kündigte umgehend die Entlassung aus seinen römischen Ämtern an.

Charamsa (ein Kurzporträt lesen Sie hier) lebt seit 17 Jahren in Rom und ist Assistenzsekretär der Internationalen Theologischen Kommission im Vatikan, die an die Glaubenskongregation der Kurie angegliedert ist. Er unterrichtet Theologie unter anderem an der Päpstlichen Universität Gregoriana. Laut Zeitung ist er der erste Theologe mit einer aktiven Rolle im Vatikan, der sich zu seiner Homosexualität bekennt.

Vatikan verärgert

Vatikan-Sprecher Federico Lombardi erklärte, Charamsa werde seine bisherigen Aufgaben bei der Glaubenskongregation und den Päpstlichen Universitäten nun nicht weiter ausüben können. Alle anderen Aspekte seien Angelegenheit seiner Diözese. Dabei handelt es sich laut Presseberichten um Pelplin südlich von Danzig.

Sichtlich verärgert reagierte Lombardi auf den von Charamsa gewählten Zeitpunkt für das Outing. „Die Entscheidung, eine solch aufsehenerregende Äußerung am Vortag der Eröffnung der Synode abzugeben, erscheint sehr schwer und unverantwortlich, denn sie zielt darauf, die Synodenversammlung einem ungebührlichen Mediendruck zu unterwerfen“, hieß es in einer am Samstag vom Vatikan verbreiteten Erklärung.

"Glaubenskongregation Herz der Homophobie"

„Ich werde mir jetzt Arbeit suchen“, sagte Charamsa bei einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz mit seinem Lebensgefährten Eduardo am Samstag in Rom. „Ich widme mein Coming-out den so überaus vielen homosexuellen Priestern, die nicht die Kraft haben, aus dem Kleiderschrank zu kommen“, sagte er weiter. Die von dem deutschen Kardinal Gerhard Ludwig Müller geleitete Glaubenskongregation bezeichnete der Pole als „das Herz der Homophobie in der katholischen Kirche, einer verschärften und paranoiden Homophobie“.

US-Medien: Papst traf homosexuelles Paar

Amerikanische Medien berichten unterdessen über ein Treffen von Papst Franziskus und einem homosexuellen Paar in der Nuntiatur in Washington: Yayo Grassi ist ein ehemaliger Schüler von Papst Franziskus. In einem Interview des Fernsehsenders CNN sagte Yayo Grassi am Freitag, er habe seinen langjährigen Partner Iwan zu einer Begegnung mit dem Papst mitgebracht.

In einem offiziellen Statement des Pressesprechers Federico Lombardi von Samstag wird bestätigt, dass das Treffen mit Yayo Grassi stattfand. Der Ex-Schüler des Papstes aus Argentinien, sei ein alter Bekannter, den Franziskus schon öfters getroffen hatte. Dieser hatte den Papst gefragt, „ob er nicht auch seine Mutter und einige seiner Freunde vorstellen kann“, betonte Lombardi. Franziskus sei es wichtig seine „persönlichen Beziehungen“ beizubehalten, und er tue dies „pastoral mit einer freundlichen, offenen und dialogbereiten Haltung“.



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