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Falsche Fährte nach Griechenland: Belgien sucht weiter nach Drahtzieher
Belgische Fahnder suchen mit Hochdruck nach einem früheren Syrien-Kämpfer, der hinter dem vereitelten Anschlag gegen Polizisten stecken soll.

Falsche Fährte nach Griechenland: Belgien sucht weiter nach Drahtzieher

REUTERS
Belgische Fahnder suchen mit Hochdruck nach einem früheren Syrien-Kämpfer, der hinter dem vereitelten Anschlag gegen Polizisten stecken soll.
International 2 Min. 18.01.2015

Falsche Fährte nach Griechenland: Belgien sucht weiter nach Drahtzieher

Die Hintergründe eines verhinderten Terroranschlags gegen die belgische Polizei bleiben im Dunkeln. Fahnder suchen einen früheren Syrien-Kämpfer. Festnahmen in Griechenland erweisen sich als falsche Fährte.

(dpa) - Die belgischen Behörden suchen mit Hochdruck nach möglichen Hintermännern des vereitelten Terroranschlags gegen Polizisten. Festnahmen in Griechenland entpuppten sich am Wochenende als Fehlschlag. Justizminister Koen Geens sagte, der vermutete 27-jährige Anführer der vermeintlichen Terrorzelle sei noch nicht gefasst. „Aber es wird gegen ihn ermittelt, und ich nehme an, dass er gefunden werden wird“, sagte Geens am Sonntag dem Sender VRT.

In Belgien herrscht Alarmzustand, seitdem die Behörden nach eigenen Angaben einen größeren Anschlag von Islamisten auf Polizeibeamte in letzter Minute vereitelten. Bei einem Anti-Terror-Einsatz im ostbelgischen Verviers waren am Donnerstag zwei gesuchte Extremisten ums Leben gekommen. Sie stammten offenbar aus Brüssel. Direkt danach wurden 15 Personen festgenommen, davon zwei in Frankreich.

In Athen gingen den Fahndern laut griechischer Nachrichtenagentur ANA-MPA am Samstag nach einem belgischen Amtshilfeersuchen zwei algerische Staatsbürger ins Netz. Griechische Sicherheitsbehörden seien aber von Anfang an davon ausgegangen, dass der richtige Mann nicht dabei gewesen sei.

Zunächst hatten griechische Medien berichtet, es seien vier Verdächtige festgenommen worden, unter ihnen auch der angebliche Anführer der Terrorzelle. Der aus Marokko stammende Extremist Abdelhamid A., der seinen Wohnsitz in Brüssel hatte, war demnach zum Kampf für die Terrormiliz Islamischer Staat nach Syrien aufgebrochen.

Die Festnahmen in Athen und der Terrorfall in Belgien hätten nichts miteinander zu tun, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel. Dies habe eine Prüfung der Ermittlungsergebnisse aus Athen ergeben.

In Brüssel bewachten Soldaten das Jüdische Museum, wo ein Attentäter vergangenen Mai vier Menschen ermordet hatte. Militär unterstützte die Polizei auch in Antwerpen. Die Regierung hatte angekündigt, bis zu 300 Soldaten in den großen Städten einzusetzen.

Drei im Zuge der verschärften Terrorfahndung festgenommene Männer wurden wieder freigelassen. Sie hatten Polizisten bedroht.

Am Sonntag gab es in Brüssel zwei neue Hausdurchsuchungen. Der Anti-Terrorkoordinator der EU, Gilles de Kerchove, sagte am Wochenende in Medieninterviews: „Die Angriffe gegen Polizisten waren für den (vergangenen) Freitag geplant.“ De Kerchove ist Belgier und arbeitete früher für die belgische Regierung.

In Frankreich wurden zwei der drei getöteten Terroristen am Wochenende anonym beigesetzt. Einer der Attentäter auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“, Chérif Kouachi, wurde am Samstag in Gennevilliers im Norden von Paris beerdigt. Sein Bruder Saïd war bereits am Freitag in Reims begraben worden. Die Beisetzungen erfolgten an nicht markierten Orten, um keine Pilgerorte für Fanatiker zu schaffen.


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