Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Fall Skripal: Russland will mit Außenminister Johnson sprechen
International 2 Min. 07.04.2018

Fall Skripal: Russland will mit Außenminister Johnson sprechen

Der russische Botschafter in London, Alexander Jakowenko, äußert sich zum Fall Skripal bei einer Pressekonferenz in London.

Fall Skripal: Russland will mit Außenminister Johnson sprechen

Der russische Botschafter in London, Alexander Jakowenko, äußert sich zum Fall Skripal bei einer Pressekonferenz in London.
Foto: dpa
International 2 Min. 07.04.2018

Fall Skripal: Russland will mit Außenminister Johnson sprechen

Dem vergifteten Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und seiner Tochter geht es viel besser. Können sie zur Aufklärung des Anschlags beitragen? Moskau drängt auf ein Gespräch mit Außenminister Johnson.

(dpa) - Im Streit um den Giftanschlag auf den Ex-Agenten Sergej Skripal hat die russische Botschaft in London ein Treffen mit dem britischen Außenminister Boris Johnson beantragt. Botschafter Alexander Jakowenko warte seit Langem auf ein Gespräch mit Johnson und habe eine Note an das Ministerium geschickt, um über die Ermittlungen in dem Fall zu sprechen, teilte Moskaus Vertretung in Großbritannien der Agentur Tass zufolge am Samstag mit. „Wir hoffen auf eine konstruktive Antwort der Briten und erwarten, dass ein solches Treffen in Kürze organisiert wird“, hieß es weiter.

Ein Sprecher des britischen Außenministeriums sagte dazu: „Wir haben eine Anfrage bekommen. Wir werden zu gegebener Zeit antworten.“ Die russische Botschaft kritisierte außerdem, dass London eine Verwandte der Skripals nicht nach Großbritannien einreisen lässt.

Russland fordert, in die Ermittlungen zum Attentat gegen den früheren russischen Doppelagenten und dessen Tochter Julia eingebunden zu werden. Die beiden waren nach britischen Angaben mit dem Kampfstoff Nowitschok in Südengland vergiftet worden. Das Nervengift wurde einst in der Sowjetunion produziert. London bezichtigt Moskau als Drahtzieher; die Beschuldigungen lösten eine diplomatische Krise aus.

Mehr als einen Monat nach dem Anschlag geht es den beiden Opfern nach Angaben der Ärzte deutlich besser. Möglicherweise können ihre Aussagen zur Aufklärung des mysteriösen Falls beitragen. Die Mediziner nannten noch keinen Zeitpunkt für die Entlassung aus der Klinik. Toxikologen halten Spätfolgen wie Organschäden für möglich. 

Cousine spielt undurchsichtige Rolle

Ärger gibt es um eine Verwandte der Opfer: London verweigerte der Cousine von Julia Skripal ein Besuchsvisum. Der Antrag von Viktoria Skripal sei abgelehnt worden, bestätigte das Innenministerium in London. Er habe die Einreisebestimmungen nicht erfüllt. Einen konkreten Grund nannte das Ministerium auf Anfrage aber nicht.

Julia und Sergej Skripal würden weiterhin vor der Öffentlichkeit, den Medien und Diplomaten versteckt gehalten, reagierte prompt die russische Botschaft in London. „Die sture Weigerung (Londons), zu kooperieren, Transparenz zu liefern und zahlreiche Fragen zu beantworten, zeigt, dass Großbritannien etwas zu verbergen hat.“

Die beiden Opfer haben keine Familienangehörigen in Großbritannien. Die Ehefrau des Ex-Spions starb an Krebs, der Sohn 2017 an plötzlichem Leberversagen auf einer Russland-Reise.

Die Cousine spielt eine undurchsichtige Rolle. Nach einem BBC-Bericht befürchtet die britische Regierung, dass Viktoria Skripal vom Kreml instrumentalisiert und als Pfand genutzt wird. Sie gab russischen und britischen Medien Interviews, in denen sie die Angaben Großbritanniens zum Anschlag anzweifelte. So behauptete sie, dass ihre Verwandten Opfer einer Fischvergiftung geworden sein könnten.

Das russische Staatsfernsehen veröffentlichte kürzlich einen angeblichen Mitschnitt eines Telefonats zwischen ihr und Julia Skripal. Die Authentizität des Mitschnitts ist aber nicht geklärt.

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Fall Skripal: Diplomaten packen ihre Koffer
Nach dem diplomatischen Tauziehen der vergangenen Tage ist nun das große Kofferpacken angesagt. Auf beiden Seiten bereiten Diplomaten nun ihre Ausreise vor. In den USA wurde das russische Konsulat bereits geräumt.
Im US-Konsulat von St. Petersburg packen die Mitarbeiter eifrig ihre Kisten. Das Konsulat soll noch am Samstag vollständig geräumt werden.
Skripal-Affäre: Moskau dringt auf Antworten aus London
Dutzende Diplomaten müssen im Polit-Krimi um den Anschlag auf den Ex-Agenten Skripal die Koffer packen. Doch viele Fragen bleiben offen. Am Londoner Flughafen Heathrow soll unterdessen eine russische Aeroflot-Maschine durchsucht worden sein.
Russland hat am Freitag der Reihe nach sämtliche Länder ins Aussenministerium bestellt, die zuvor diplomatische Sanktionen gegen das Land ergriffen hatten.
Gegenseitige Schuldzuweisungen
Die Skripal-Affäre eskaliert weiter: Russland weist ebenfalls Diplomaten aus, Deutschland, Frankreich und die USA stellten sich hinter Großbritannien. Ein russischer Diplomat hält den Westen für den Anschlag verantwortlich.
The Russian flag flies from the Russian consulate in central London on March 15, 2018.
Britain's Prime Minister Theresa May said Moscow was "culpable" of the attempted murder of Skripal, a Russian spy who sold secrets to the MI6 British intelligence agency and came to Britain in a 2010 spy swap. She announced the expulsion of 23 diplomats and the suspension of some high-level contacts. / AFP PHOTO / Justin TALLIS
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.