Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Fall Skripal: Luxemburg weist keine Diplomaten aus
International 3 Min. 27.03.2018

Fall Skripal: Luxemburg weist keine Diplomaten aus

Rund 30 russische Diplomaten müssen als Konsequenz des Falls Skripal die EU verlassen. Offizielle in Luxemburg sind aber nicht betroffen.

Fall Skripal: Luxemburg weist keine Diplomaten aus

Rund 30 russische Diplomaten müssen als Konsequenz des Falls Skripal die EU verlassen. Offizielle in Luxemburg sind aber nicht betroffen.
AFP
International 3 Min. 27.03.2018

Fall Skripal: Luxemburg weist keine Diplomaten aus

Eric HAMUS
Eric HAMUS
Luxemburg wird keine russischen Offiziellen des Landes verweisen. Das hat Außenminister Jean Asselborn bestätigt. Es fehlten die Beweise, um die wenigen Diplomaten von Moskau auszuweisen. Man sei aber solidarisch mit den Briten.

Als Konsequenz auf den Giftanschlag auf einen russischen Doppelagenten und seine Tochter im britischen Salisbury haben am Montag 15 EU-Staaten russische Diplomaten ausgewiesen. Luxemburg gehört bis auf Weiteres nicht dazu. Das hat Außenminister Jean Asselborn gegenüber wort.lu bestätigt.


19.03.2018, Großbritannien, Salisbury: Polizisten und Soldaten ziehen Schutzanzüge an, um weitere Untersuchungen im Fall eines Giftanschlags auf den Ex-Doppelagenten Skripal und seine Tochter Yulia vorzunehmen. Foto: Ben Birchall/PA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
14 EU-Staaten weisen russische Diplomaten aus - Russland kündigt Vergeltung an
Wegen des Giftanschlags auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal in Großbritannien weisen insgesamt 14 EU-Staaten russische Diplomaten aus.

Das Großherzogtum werde keine russischen Staatsbürger des Landes verweisen, so Asselborn, der sich einerseits auf die geringe Anzahl der russischen Diplomaten hierzulande und andererseits auf fehlende Beweise beruft. "Wir werden keine Offiziellen aus Moskau bestrafen, wenn wir nicht hundertprozentig sicher sind, dass sie in illegale Aktivitäten, wie Spionage verwickelt sind", betonte der Chef der Luxemburger Diplomatie auf Anfrage. Man stelle sich aber auf die Seite jener Staaten, die auf allen Ebenen solidarisch mit London seien, aber keine diplomatischen Maßnahmen ergreifen könnten. "Außerdem haben wir am Freitag im europäischen Rat die Entscheidung mitgetragen, den Botschafter der EU aus Moskau abzuziehen", ergänzte Asselborn.

Es sei nun Sache der Organisation für das Verbot chemischer Waffen OPCW (Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons), die genauen Hintergründe der Tat zu klären und aufzudecken, wer die Verantwortung für diese Tat zu tragen habe, so Asselborn weiter.

"Moskau muss Verantwortung übernehmen"

Tatsächlich hatte Staatsminister Xavier Bettel beim Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel dieser Entscheidung zugestimmt, nachdem die britische Premierministerin Theresa May ihren Amtskollegen Beweise für den möglichen russischen Giftanschlag auf britischem Boden vorgelegt hatte. Zuvor hatte Bettel noch vor einer Blockbildung gewarnt. Er wolle zuerst zuhören, und dann erst entscheiden, so Bettel am Donnerstagabend in einer Verhandlungspause. "Wenn Russland jedoch wirklich etwas mit der Attacke zu tun hat, muss Moskau auch die Verantwortung übernehmen", fügte der Staatsminister hinzu.

Wenige Stunden später hatten die Staats- und Regierungschefs sich in einer Schlussfolgerung solidarisch hinter Großbritannien gestellt. Es gebe keine andere plausible Erklärung für die Vergiftung des ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal in England Anfang März. Am Freitag dann wurde der EU-Botschafter aus Moskau abgezogen und zurück nach Brüssel zur Berichterstattung gebeten.


Am Tatort konnten etliche Beweisstücke und chemische Reststoffe sicher gestellt werden. Diese werden nun von Experten ausgewertet.
Russland wahrscheinlich hinter Salisbury-Attacke
Nach London geht jetzt auch die EU mit Moskau scharf ins Gericht: Die Verantwortung für den Giftanschlag auf einen ehemaligen Agenten schreibt sie Russland zu. Der EU-Gipfel beteuert seine Solidarität mit Großbritannien.

Während die USA mehr als 60 russische Diplomaten ausgewiesen han, sollen auf europäischer Seite etwa 30 Topdiplomaten betroffen sein. Das hat EU-Ratspräsident Donald Tusk auf einer Pressekonferenz in Warna am Schwarzen Meer bestätigt. Dabei drohte der Ratspräsident noch mit weiteren Konsequenzen: "Zusätzliche Maßnahmen, darunter weitere Ausweisungen, sind nicht ausgeschlossen in den kommenden Tagen und Wochen", so Tusk via Twitter.

Deutschland entschloss sich, vier russische Diplomaten auszuweisen. Frankreich forderte ebenfalls vier Mitarbeiter auf, das Land zu verlassen, Dänemark und die Niederlande je zwei und Tschechien drei. Ging in einer ersten Stellungnahme noch von 14 EU-Staaten die Rede, schloss sich Spanien am späten Abend auch noch an. Luxemburg gesellt sich hingegen zu Ländern wie Belgien und Irland, die sich solidarisch zeigen, jedoch keine Diplomaten des Landes verweisen. 

Außer Großbritannien 16 weitere der insgesamt 28 EU-Staaten 56 russische Diplomaten ausgewiesen. 83 russische Diplomaten und Geheimdienstmitarbeiter müssen 7 weitere Länder - die USA, Kanada, Australien, Albanien, Mazedonien, Norwegen und die Ukraine - verlassen.

Anbei eine Auflistung der EU-Länder:

  • Deutschland 4 Diplomaten
  • Frankreich 4 Diplomaten
  • Polen 4 Diplomaten
  • Tschechien 3 Diplomaten
  • Litauen 3 Diplomaten
  • Spanien 2 Diplomaten
  • Italien 2 Diplomaten
  • Niederlande 2 Diplomaten
  • Dänemark 2 Diplomaten
  • Estland 1 Diplomat
  • Lettland 1 Diplomat
  • Schweden 1 Diplomat
  • Rumänien 1 Diplomat
  • Finnland 1 Diplomat
  • Kroatien 1 Diplomat
  • Ungarn 1 Diplomat

Großbritannien hatte zuerst die Ausweisung von 23 russischen Diplomaten angeordnet.

Nicht-EU-Länder:

USA 60 Diplomaten (datrunter 12 aus der UN-Mission)

  • Kanada 4 Diplomaten
  • Ukraine 13 Diplomaten
  • Australien 2 Diplomaten
  • Albanien 2 Dplomaten
  • Mazedonien 1 Diplomat
  • Norwegen 1 Diplomat

Lesen Sie mehr zu diesem Thema

USA warnen vor immer schlechteren Russland-Beziehungen
Russland und der Westen streiten heftig über den Nervengiftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Skripal. Vorwürfe werden ausgetauscht, Diplomaten ausgewiesen. Skripals Tochter geht es inzwischen besser. Kann sie neues Licht auf den Vorfall werfen?
27.03.2018, Russland, Kemerovo: Wladimir Putin, Präsident von Russland, nimmt an einem Treffen mit Rettungskräften bezüglich der Unterstützungsmaßnahmen nach dem Brand in einem Einkaufszentrum in Sibirien teil. Foto: Alexei Druzhinin/Planet Pix via ZUMA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Russland wahrscheinlich hinter Salisbury-Attacke
Nach London geht jetzt auch die EU mit Moskau scharf ins Gericht: Die Verantwortung für den Giftanschlag auf einen ehemaligen Agenten schreibt sie Russland zu. Der EU-Gipfel beteuert seine Solidarität mit Großbritannien.
Am Tatort konnten etliche Beweisstücke und chemische Reststoffe sicher gestellt werden. Diese werden nun von Experten ausgewertet.
Globale Krisen und ein Giftanschlag: Worum es beim EU-Gipfel geht
Ein zorniger US-Präsident, ein undurchsichtiges Attentat in Salisbury - die Welt ist zu unruhig, als dass sich die EU nur mit sich selbst beschäftigen könnte. Und doch stehen beim EU-Gipfeltreffen in Brüssel auch Finanzen und Austritte auf der Tagesordnung. Eine Vorschau.
British Prime Minister Theresa May (C), German Chancellor Angela Merkel (R) and French President Emmanuel Macron (L) give a press conference following a meeting on the sidelines of the European Union leaders summit in Brussels, on March 22, 2018. / AFP PHOTO / POOL / Francois Lenoir