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Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan gestorben
International 1 6 Min. 18.08.2018 Aus unserem online-Archiv

Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan gestorben

 Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan starb am Samstag nach kurzer Krankheit.

Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan gestorben

Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan starb am Samstag nach kurzer Krankheit.
Foto: dpa
International 1 6 Min. 18.08.2018 Aus unserem online-Archiv

Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan gestorben

Der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan ist tot. Er starb am Samstag im Alter von 80 Jahren nach kurzer Krankheit.

(dpa) - Der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan ist am Samstag im Alter von 80 Jahren nach kurzer Krankheit gestorben. Dies teilte seine Stiftung am Samstag mit. Seine Frau Nane und ihre drei Kinder seien in seinen letzten Tagen an seiner Seite gewesen. Er habe „während seines gesamten Lebens für eine gerechtere und friedlichere Welt“ gekämpft, heißt es in der Mitteilung der Stiftung.


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Schon in seiner Amtszeit als UN-Generalsekretär machte Kofi Annan eine besondere Figur - mit seinem höflichen, leicht gequälten Lächeln, das am Ende doch Hoffen wider alle Hoffnung ausdrückte.

Kofi Annan, der am 8. April 1938 geboren wurde, verbrachte fast sein gesamtes Berufsleben bei den Vereinten Nationen. 1997 wurde der Ghanaer auf Vorschlag der USA, die sich einer Wiederwahl des Ägypters Butros Butros-Ghali widersetzten, als erster Mann aus Subsahara-Afrika UN-Generalsekretär. Fünf Jahre später hatte er sich international einen solchen Ruf erworben, dass seine Wiederwahl unumstritten war. 2001 erhielt er zusammen mit den Vereinten Nationen den Friedensnobelpreis.

Zehn Jahre an der Spitze

In seinen zehn Jahren an der Spitze der Vereinten Nationen galt Annan als das moralische Gewissen der Welt. Er setzte sich mit Charisma und diplomatischem Geschick für Arme und Unterdrückte ein, warb für Frieden und Gerechtigkeit und bot den USA im Streit um den Irakkrieg die Stirn.

Immer wieder bekam er aber auch die Ohnmacht der Weltorganisation zu spüren. Sein letzter Einsatz wurde zu einem schweren Misserfolg. Fast sechs Monate lang versuchte Annan als UN-Sondergesandter eine Lösung für den Syrienkonflikt zu finden und den Krieg zu einem Ende zu führen. Doch die Interessensgegensätze der syrischen und ausländischen Kriegsparteien waren zu groß.

Annans Leben - ein detaillierter Rückblick

Wie kein zweiter war Kofi Annan das personifizierte Weltgewissen. Der integre Diplomat aus Ghana hat sein Ansehen als moralische Autorität geschickt eingesetzt, um als UN-Generalsekretär globale Probleme wie die Aids-Epidemie und Terrorismus anzupacken. Als erster UN-Chef hatte er sich in der Verwaltungshierarchie der Weltorganisation hochgearbeitet und war zudem der erste Amtsinhaber aus den Staaten Afrikas südlich der Sahara.

15.03.2006, Südafrika, Johannesburg: Der frühere südafrikanische Präsident Nelson Mandela und der damalige UN-Generalskretär Kofi Annan (r) stehen nach einem Treffen nebeneinander.
15.03.2006, Südafrika, Johannesburg: Der frühere südafrikanische Präsident Nelson Mandela und der damalige UN-Generalskretär Kofi Annan (r) stehen nach einem Treffen nebeneinander.
Foto: Kim Ludbrook/EPA FILE/dpa

In den höchsten Etagen der Vereinten Nationen hinterließ Annan ab 1987 als stellvertretender Generalsekretär seine Handschrift, bald auch als Chef der Abteilung für Friedenserhaltende Einsätze (DPKO). Mit dem Völkermord in Ruanda im Jahr 1994 ereilte ihn dort eines der dunkelsten Kapitel seiner UN-Karriere. Spannungen zwischen den Volksgruppen der Hutu und Tutsi führten zum Tod von 800.000 bis einer Million Menschen und Annan brauchte zehn Jahre, um in einem BBC-Interview und später in seinen Memoiren zumindest einen Teil der Verantwortung für den Fehlschlag der Friedensbemühungen zu übernehmen.

Denn der Alarmruf aus dem bitterarmen Staat in Ostafrika hätte lauter nicht sein können: Der kanadische General Romeo Dallaire, damals Oberkommandierender der Blauhelme in Ruanda, hatte vor der Vernichtung der Tutsi-Minderheit gewarnt. Aber Annan stoppte einen von Dallaire geplanten Angriff auf ein Waffenlager, das für den Massenmord genutzt werden sollte, und verwies die Sache auch nicht an den UN-Sicherheitsrat. Annans späteres „Bedauern“ und die Aussage, die „internationale Gemeinschaft“ - nicht er selbst - habe versagt, kam als Aufarbeitung des Blutbads vergleichsweise schwach daher.

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Kampf gegen HI-Virus und Aids

Auch das Massaker an 8.000 Muslimen in der bosnischen Stadt Srebrenica im Jahr 1995 - das größte Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg - lastete mit auf Annans Schultern. Dass niederländische Blauhelme das Gemetzel wohl hätten verhindern können, ließ das „Peacekeeping“ auf einen neuen Tiefstand fallen. Beide Tragödien verfolgten Annan auch nach seinem Antritt als UN-Generalsekretär im Jahr 1997. Die von ihm angeordneten Untersuchungsberichte fanden deutliche Kritik am Vorgehen der UN in beiden Fällen.

Als Nachfolger des Ägypters Butros Butros-Ghali führte Annan als UN-Chef die Weltgemeinschaft mit ruhiger Hand durch zehn wechselhafte Jahre. In einer großangelegten Kampagne sagte er dem HI-Virus und der Aids-Epidemie den Kampf an. Für seinen Weltfonds Global Fund, mit dem auch Tuberkulose und Malaria ausgemerzt werden sollen, holte er den Microsoft-Gründer Bill Gates und später auch den U2-Sänger Bono und die damalige französische First Lady Carla Bruni-Sarkozy ins Boot.

Annan paarte als UN-Chef Realismus mit moralischer Führungsstärke und nutzte sein Verhandlungsgeschick, um die UN-Staaten bei globalen Fragen wie der Erderwärmung, Armut, Drogen und Terrorismus aus ihrer nationalen Reserve zu locken. Er kam als bescheidener Spitzendiplomat daher. Als er und die Vereinten Nationen 2001 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurden, bezeichnete ihn das „Time“-Magazin als womöglich „beliebtesten politischen Power-Player weltweit“. Nach Worten des Nobelpreis-Komitees war er zu dieser Zeit der „führende Diplomat Afrikas“. Bemerkenswert war Annans offene Kritik an den USA für deren Invasion des Iraks im Jahr 2003.

Aber auch die Jahre, in denen Annan vom obersten Stockwerk des UN-Hauptquartiers in New York dirigierte, hatten ihre Schattenseiten. Ein Beispiel ist die Umsetzung des Programms „Oil For Food“, das dem Irak den Ölhandel trotz bestehender Sanktionen teilweise erlaubt, um Lebensmittel und andere Güter für die Bevölkerung zu kaufen. Der Diktator Saddam Hussein konnte das Programm laut einer CIA-Studie missbrauchen, um durch Schmiergelder, Zuschläge und Ölschmuggel rund 12,6 Milliarden Dollar zu verdienen. Das Fehlverhalten von UN-Mitarbeitern plagten das Programm mit.

Karrierestart in Genf

Annans Vorname ist in Ghana keine Seltenheit, denn Kofi bedeutet in der örtlichen Sprache Akan schlicht „Freitag“. Kofi Atta Annan wurde am 8. April 1938 - einem Freitag - in Kumasi geboren, als sein westafrikanisches Heimatland noch die britische Kolonie Goldküste war. Er war der Spross einer prominenten Familie: Seine Großväter und ein Onkel waren Stammesführer der Volksgruppe der Fante, sein Vater ein erfolgreicher Manager.

Annan wuchs in den Jahren der ghanaischen Unabhängigkeitsbewegung auf, was ihn sehr prägte. Ab 1958 studierte er in Ghana - ein Privileg, das nur wenigen Einheimischen zugängig war -, bevor er mit Hilfe eines Stipendiums in die USA und später nach Genf wechselte.

Schon 1962 begann er seine Karriere als Beamter bei den Vereinten Nation in Genf. Es folgten Stationen unter anderem in Äthiopien, Ägypten und New York, bevor er am Massachusetts Institute of Technology einen Master in Wirtschaftsstudien ablegte. 1974 verließ er die UN und ging für zwei Jahre zurück nach Ghana - doch es hielt ihn nicht in der Heimat. Annan wechselte zum UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) nach Genf, später folgten Positionen in New York, wo er ab 1986 zur Führung gehörte.

Nach dem Ende seiner zweiten Amtszeit als UN-Chef gab es in Ghana Spekulationen, ob er als Präsidentschaftskandidat antreten würde. Obwohl er keine nennenswerte Parteibasis hatte, rechneten Beobachter ihm Chancen zu, denn die Ghanaer waren stolz auf „ihren Sohn“, den Weltenlenker. Annan selbst zog es wohl nicht ernsthaft in Erwägung. Als Wohnsitze behielt er New York und Genf.

Einsatz für Modernisierung der Landwirtschaft

In der Schweiz gründete er 2007 auch die Kofi Annan Stiftung, die sich für die Förderung von Demokratie und Vermittlung in Krisenlagen einsetzt. Er machte sich auch für eine Modernisierung der Landwirtschaft in Afrika als Schlüssel zu einer besseren Zukunft stark. Obwohl er als Erwachsener nie für eine längere Zeit nach Ghana zurückgegangen war, schlug sein Herz auch immer für die Heimat.

Besonders deutliche Worte fand er dabei nach dem Ende seiner Amtszeit: Zu viele Politiker in Afrika hätten sich persönlich bereichert „und an ihrem Amt auch lange nach dem Ende ihres Mandates festgehalten“. Annan meinte, Afrikas Wachstum könne sich verdoppeln und die Armut könne drastisch reduziert werden, wenn sich endlich die Regierungsführung verbessern würde. „Eine der Folgen der schlechten Führung ist weit verbreitete Korruption“, konstatierte er 2015.

Annan hat aus einer 1970 geschiedenen Ehe mit der Nigerianerin Titi Alakija zwei Kinder. Seine zweite Frau, Nane Maria Lagergren, hat eine Tochter aus einer früheren Ehe.


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