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Ex-NFL-Profi wird nach Amoklauf posthum auf CTE untersucht
International 3 Min. 12.04.2021

Ex-NFL-Profi wird nach Amoklauf posthum auf CTE untersucht

Phillip Adams 2013 im Trikot der Oakland Raiders.

Ex-NFL-Profi wird nach Amoklauf posthum auf CTE untersucht

Phillip Adams 2013 im Trikot der Oakland Raiders.
AFP
International 3 Min. 12.04.2021

Ex-NFL-Profi wird nach Amoklauf posthum auf CTE untersucht

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Phillip Adams erschoss sechs Menschen und sich selbst, die Ursachen sind unklar. Jetzt soll eine Autopsie zeigen, ob sein Sport, der Football, ein Auslöser sein könnte: Adams wäre nicht der erste NFL-Spieler, der an chronisch-traumatischer Enzephalopathie litt.

Es war eine schockierende Nachricht, die am vergangenen Donnerstag aus dem US-Bundesstaat South Carolina kam: Der ehemalige NFL-Profi Phillip Adams hatte in der Kleinstadt Rock Hill fünf Menschen getötet, darunter zwei kleine Kinder. Er hatte einen weiteren Mann schwer verletzt und sich danach erschossen. Die Polizei fand den 32-jährigen Football-Profi, der seine Karriere 2015 nach einigen schweren Verletzungen beendet hatte, kurz nach Mitternacht (Ortszeit) tot im Haus seiner Eltern. Am Samstag erlag das sechste Opfer seinen Verletzungen in einem Krankenhaus in Rock Hill.  

Adams hatte in fünf Jahren seit 2010 insgesamt 78 Spiele auf der Position des Cornerback für die San Francisco 49ers, die New England Patriots, die Seattle Seahawks, die Oakland Raiders, die New York Jets und die Atlanta Falcons bestritten. Adams Vater Alonzo hatte kurz nach der Tat in einem Interview mit einem Lokalsender gesagt: „Er war ein guter Junge, aber der Football hat ihn kaputt gemacht.“ 


Phillip Adams (l.) hatte eine kurze, nicht sehr erfolgreiche Karriere in der NFL, die von Verletzungen überschattet war.
Ex-NFL-Profi erschießt fünf Menschen und sich selbst
Unter den Opfern der Bluttat im US-Staat South Carolina sind zwei Kinder. Der Täter, ein ehemaliger Profi-Footballer, wurde tot aufgefunden.

Was Alonzo Adams damit meinte, blieb offen. Doch während die Ursachen für die Schießerei zunächst komplett im Dunkeln lagen und die Sportkarriere des Täters lediglich interessant für die Schlagzeile zu sein schien, deutet sich jetzt an, dass beides miteinander zu tun haben könnte. Im Raum steht der Verdacht, dass Phillip Adams durch jahrelangen „Kollisionssport“ auf hohem Niveau an CTE gelitten haben könnte - der „chronisch-traumatischen Enzephalopathie“

Diese neurologische Erkrankung wird durch wiederholte Schläge und Zusammenstöße an den Kopf ausgelöst. Dabei kommt es zu teils massiven Schädigungen des Gehirns. Zu den Symptomen der CTE gehören neben starken Kopfschmerzen Sprachstörungen, Gedächtnisverlust bis hin zur Demenz, Persönlichkeitsveränderungen, Depressionen, Suizidrisiko und gesteigerte Aggression - ein Muster, das zur Erklärung von Adams' Tat zumindest beitragen könnte.  

Bei fast 100 ehemaligen NFL-Spielern wurde die Krankheit nachgewiesen - allerdings erst nach ihrem Tod, weil ein endgültiger Nachweis erst durch eine Entnahme von Gewebe im Gehirn geführt werden kann. Für zahlreiche weitere Spieler werden die Symptome zu ihren Lebzeiten zumindest beschrieben. 


Zapping: Wie ein Footballstar zum Killer wurde
Die Netflix-Dokuserie „Der Mörder in Aaron Hernandez“ erzählt eine wahre Geschichte aus dem Abgrund der US-Sportwelt.

Bekannt wurden die Fälle von Lawrence Phillips, der sich 2016 im Alter von 41 Jahren in seiner Gefängniszelle selbst tötete, wo er wegen zahlreicher Gewalttaten einsaß, und von Aaron Hernandez. Er beging 27-jährig im Jahr 2015 Suizid, auch er saß im Gefängnis, wegen Mordes. Dave Duerson (2011) und Junior Deau (2012) nahmen sich ebenfalls das Leben - durch Schüsse in die Brust, damit ihre Gehirne für eine Autopsie unversehrt blieben, was zumindest Duerson in seinem Abschiedsbrief eindeutig festlegte. 

Phillip Adams könnte dieser traurigen Geschichte ein weiteres, besonders tragisches Kapitel hinzugefügt haben. Seine Familie hat den Gerichtsmedizinern die Erlaubnis für eine Untersuchung auf CTE gegeben.

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