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EU und May wollen Scheidung besiegeln
International 3 Min. 24.11.2018

EU und May wollen Scheidung besiegeln

Englands Premierministerin Theresa May kam am Samstagabend zu einer letzten Gesprächsrunde mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zusammen.

EU und May wollen Scheidung besiegeln

Englands Premierministerin Theresa May kam am Samstagabend zu einer letzten Gesprächsrunde mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zusammen.
Foto: AFP
International 3 Min. 24.11.2018

EU und May wollen Scheidung besiegeln

Zeitweise stand das EU-Treffen noch einmal auf der Kippe, doch dann drehte Spanien bei und ließ eine Vetodrohung fallen. Nach der Lösung für Gibraltar zeigt sich Regierungschef Sánchez zufrieden.

(dpa) - Die Europäische Union und Großbritannien können ihr historisches Brexit-Abkommen wie geplant am Sonntag bei einem Sondergipfel in Brüssel besiegeln. Spanien ließ am Samstag eine Vetodrohung wegen eines Streits um Gibraltar fallen und räumte damit das letzte große Hindernis aus dem Weg. EU-Ratschef Donald Tusk lud daraufhin offiziell zum Gipfel ein und warb für die Annahme des Vertragspakets über den britischen EU-Austritt.

Premierministerin Theresa May kam am Samstagabend zu einer letzten Gesprächsrunde mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Tusk nach Brüssel. Sie wirkte bei ihrem Eintreffen gelöst und entspannt. Doch steht ihr nach der erwarteten Billigung der Verträge beim EU-Gipfel noch eine sehr schwierige Aufgabe bevor: Sie muss die Zustimmung des britischen Parlaments gewinnen, wo keine Mehrheit in Sicht ist.

Das Vertragspaket werde die Unsicherheit und die Brüche des für März 2019 geplanten Brexits für Bürger, Unternehmen und für die EU-Staaten so weit wie möglich reduzieren, schrieb Tusk in seinem Einladungsschreiben an die EU-Staats- und Regierungschefs. „Während dieser Verhandlungen wollte niemand irgendwen besiegen“, betonte Tusk. „Und ich glaube, dass wir letztlich den bestmöglichen Kompromiss gefunden haben.“

Zweitweise auf der Kippe

Zuletzt hatte der Gipfel und die Verabschiedung des Brexit-Pakets wegen der Veto-Drohung Spaniens zeitweise auf der Kippe gestanden. Die Regierung in Madrid hatte Änderungen am Vertragsentwurf verlangt, weil sie Festlegungen über den künftigen Status von Gibraltar befürchtete. Das Gebiet am Südzipfel der Iberischen Halbinsel steht seit 1713 unter britischer Souveränität, wird aber von Spanien beansprucht.

Nach stundenlangen Verhandlungen und diversen schriftlichen Zusicherungen der EU und Großbritannien nahm der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez die Drohung am Samstagnachmittag zurück und sagte vor Journalisten: „Europa und das Vereinigte Königreich haben die Forderungen Spaniens akzeptiert. In Folge dessen hebt Spanien sein Veto auf und wird morgen für den Brexit stimmen.“ Nach dem Brexit werde „die politische, juristische und sogar auch die geographische Beziehung Gibraltars zur EU von Spanien bestimmt werden“, sagte Sánchez.

Spanien werde „die Entkolonialisierung“ Gibraltars verfolgen, fügte er hinzu. Der Sonderstatus des Gebiets mit niedrigen Steuern sei für die Armut in der spanischen Nachbarregion mitverantwortlich. Spanien werde gemäß der erzielten Einigung direkt mit London über Gibraltar verhandeln. „Wir haben einen entscheidenden und entschlossenen Schritt nach vorne getan, und wir haben absolute Garantien erhalten, um einen Konflikt zu lösen, der seit mehr als 300 Jahren anhält“, sagte Sánchez.

Nach Angaben von Diplomaten in Brüssel bekommt Spanien zwei Zusicherungen aller 27 EU-Staaten sowie einen Brief der britischen Regierung und einen von Tusk und Juncker - also ein Garantiepaket mit vier Elementen, dass Spanien künftige Vereinbarungen mit Blick auf Gibraltar vorab prüfen und billigen darf. Änderungen an den Brexit-Verträgen soll es aber nicht geben.

600 Seiten

Das Brexit-Paket umfasst einen knapp 600 Seiten starken Austrittsvertrag, der die Einzelheiten der Trennung regelt, darunter die Rechte der EU-Bürger in Großbritannien und Schlusszahlungen Großbritanniens an die EU von schätzungsweise rund 45 Milliarden Euro. Vorgesehen ist zudem eine Übergangsfrist bis Ende 2020, die noch bis Ende 2022 verlängert werden könnte. Begleitet wird der Vertrag von einer politischen Absichtserklärung über eine sehr enge Wirtschafts- und Sicherheitspartnerschaft nach dem Brexit.

In Großbritannien verschärfte sich am Samstag für May die innenpolitische Lage. Die nordirische Partei DUP, auf deren Stimmen Mays Minderheitsregierung angewiesen ist, drohte May mit einem Stopp der Zusammenarbeit. Sollte sich May mit ihrem Abkommen im Parlament in London durchsetzen, würde die Zusammenarbeit auf den Prüfstand kommen, sagte DUP-Chefin Arlene Foster der BBC. Die DUP lehnt die im Austrittsvertrag angelegte Sonderbehandlung des britischen Landesteils Nordirland ab und wirft der Premierministerin vor, schlecht verhandelt zu haben.

DUP-Vizechef Nigel Dodds sagte am Samstag bei einer Parteikonferenz im nordirischen Belfast: „Es ist für die Premierministerin nicht zu spät, ihren Kurs zu ändern.“ Ähnlich äußerte sich Mays großer Widersacher Boris Johnson als Gastredner der Konferenz. Großbritannien drohe zu einem „Vasallenstaat der EU“ zu werden, sagte Johnson.

Viele Brexit-Hardliner in der Konservativen Partei, aber auch große Teile der Opposition stemmen sich gegen das Abkommen. Der britische Finanzminister Philip Hammond warnte vor einem „wirtschaftlichen Chaos“, falls das Parlament im Dezember das Brexit-Abkommen ablehnen sollte. Die Folgen eines „No Deals“ - etwa Verluste von Arbeitsplätzen - wären dann „sehr ernst“.


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