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EU-Gipfel: Schlüsselrolle für Juncker: Der Griechen-Versteher
International 2 Min. 12.02.2015 Aus unserem online-Archiv

EU-Gipfel: Schlüsselrolle für Juncker: Der Griechen-Versteher

4. Februar 2015: Herzliche Begrüßung für Athens Premier Alexis Tsipras durch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

EU-Gipfel: Schlüsselrolle für Juncker: Der Griechen-Versteher

4. Februar 2015: Herzliche Begrüßung für Athens Premier Alexis Tsipras durch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.
AFP
International 2 Min. 12.02.2015 Aus unserem online-Archiv

EU-Gipfel: Schlüsselrolle für Juncker: Der Griechen-Versteher

Schlägt beim EU-Gipfel die Stunde von Jean-Claude Juncker? Kein Brüsseler Spitzenpolitiker kann besser mit den Griechen als der EU-Kommissionschef. Und so könnte Luxemburgs Ex-Premier bei der Lösung der Griechenkrise eine Schlüsselrolle zukommen - auch wenn er sich bis dato vornehm zurückhielt.

mas – Der freundschaftlich-herzliche Empfang, den er Premierminister Alexis Tsipras am vergangenen Mittwoch bescherte, war keine Überraschung. Händedruck, Umarmung bzw. Umklammerung gehören bei Jean-Claude Juncker zum Begrüßungsritual. Da machte er beim eher europaskeptisch eingestellten Syriza-Chef, der bei den Europawahlen am 25. Mai 2014 als Linken-Leader gegen EVP-Kandidat Juncker um das Amt des Kommissionspräsidenten rang, keine Ausnahme. Das handhabte Juncker auch schon bei den Tsipras-Vorgängern so, die entweder die Krise mit zu verantworten hatten oder sich mit deren Bewältigung schwer taten: Konstantinos Simitis, Kostas Karamanlis, Giorgos Papandreou, Loukas Papademos, Panagiotis Pikrammenos, Antonis Samaras.

Erste Auslandsreise nach Athen

Dass Juncker insbesondere bei den Hellenen derart hoch im Kurs steht, erklärte Ex-Premier Samaras mit dem Krisenmanagement des heutigen Kommissionsvorsitzenden: „Mit Mut, Weitsicht und Integrationsfähigkeit hat Juncker Griechenlands Zukunft im Euro verteidigt, als viele andere daran zweifelten.“ Von Jean-Claude Juncker als Premierminister eines kleinen EU-Landes fühlten sich die Griechen in all den Krisenjahren stets fair und mit Achtung behandelt – selbst in jenen Momenten, in denen dieser als Vorsitzender der Eurogruppe Griechenland wegen seines unorthodoxen Umgangs mit seinen Finanzen die Leviten lesen musste.

11. Juni 2013: Der griechische Präsident Karolos Papoulias verleiht dem damaligen Premier Jean-Claude Juncker die höchste Auszeichnung seines Landes, die Grande Croix de l'Ordre du Sauveur.
11. Juni 2013: Der griechische Präsident Karolos Papoulias verleiht dem damaligen Premier Jean-Claude Juncker die höchste Auszeichnung seines Landes, die Grande Croix de l'Ordre du Sauveur.
Nicolas Bouvy

Und während die deutsche Kanzlerin als Verantwortliche für den Griechenland aufgezwungenen Austeritäts- und Sparkurs in Athen zur persona non grata avancierte, zeichneten die Griechen den luxemburgischen Premier und langjährigen Eurogruppe-Leader gleich mehrmals aus. Auf dem Gipfel der Krise erhielt er Anfang 2011 den Ehrendoktortitel der Universität Athen und im Juni 2013, als sich in Luxemburg das Geheimdienst-Gewitter zu entladen drohte, reiste er auf den Peloponnes, um sich mit der höchsten griechischen Medaille dekorieren zu lassen, die Grande croix de l'Ordre du Sauveur.

Plato und die zweite Liga

Um sein gutes Verhältnis zu Griechenland zu untermauern, war es denn auch kein Zufall, dass Junckers erste Reise als designierter Kommissionschef ihn nach Athen führte. Anfang August 2014 ließ er keinen Zweifel an der europäischen Verwurzelung des Landes: „Griechenland gehört zu Europa. Plato kann nicht in der zweiten Liga spielen.“ Bei der Unterredung mit Antonis Samaras, der mit seiner Nea Dimokratia Junckers EVP-Spitzenkandidatur von Beginn an unterstützte, ging es neben der Flüchtlingsfrage um...niedrigere Zinsen und längere Tilgungsfristen für die Hilfskredite.


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