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Es war Nowitschok, doch die Herkunft bleibt unbekannt
International 3 Min. 12.04.2018

Es war Nowitschok, doch die Herkunft bleibt unbekannt

14.03.2018, Großbritannien, Gillingham: Soldaten tragen Schutzanzüge während der Ermittlungen zur Vergiftung des Ex-Doppelagenten Skripal und dessen Tochter. Beide waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank entdeckt worden. (Zu dpa "Experte: «Keine präzise» Quelle für Gift im Fall Skripal") Foto: Andrew Matthews/PA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Es war Nowitschok, doch die Herkunft bleibt unbekannt

14.03.2018, Großbritannien, Gillingham: Soldaten tragen Schutzanzüge während der Ermittlungen zur Vergiftung des Ex-Doppelagenten Skripal und dessen Tochter. Beide waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank entdeckt worden. (Zu dpa "Experte: «Keine präzise» Quelle für Gift im Fall Skripal") Foto: Andrew Matthews/PA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Foto: Andrew Matthews/PA Wire/dpa
International 3 Min. 12.04.2018

Es war Nowitschok, doch die Herkunft bleibt unbekannt

Der Giftanschlag auf den russischen Ex-Spion Skripal in Südengland löste schwere Spannungen zwischen dem Westen und Russland aus. Nun bestätigt die OPCW den Einsatz des Giftes. Doch wer steckt hinter dem Anschlag?

(dpa) - Knapp sechs Wochen nach dem Attentat auf den früheren russischen Doppelspion Sergej Skripal und seine Tochter Julia haben unabhängige Experten den Einsatz des Nervengiftes Nowitschok bestätigt, aber keine Hinweise auf die Täter oder Drahtzieher geliefert. Die Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) veröffentlichte am Donnerstag in Den Haag die Ergebnisse der Untersuchung ihrer Experten. Diese bestätigen britische Angaben, nach denen der in der früheren Sowjetunion fabrizierte Stoff Nowitschok verwendet worden war. Die OPCW äußerte sich aber nicht dazu, woher das Gift kam und wer daher vermutlich für den Anschlag Anfang März im südenglischen Salisbury verantwortlich ist.

Die Ergebnisse der Analyse in den Labors „bestätigen die Ergebnisse Großbritanniens“, teilte die Den Haager Organisation mit. Der Stoff, dessen Name nicht genannt wird, sei von hoher Reinheit. Name und Struktur des chemischen Stoffes seien allerdings im Bericht aufgeführt, der nicht öffentlich sei.

Der britische Außenminister Boris Johnson sagte, der OPCW-Bericht stütze seine Schlussfolgerung, dass Russland für den Anschlag verantwortlich sei. Er bestätige, dass das in Russland entwickelte Nowitschok bei dem Anschlag eingesetzt worden sei. Das Ergebnis basiere auf Tests von vier unabhängigen, hoch angesehenen Labors aus aller Welt. Alle hätten dieselben schlüssigen Ergebnisse. „Es gibt keinen Zweifel, was benutzt wurde, und es gibt keine andere Erklärung, wer dafür verantwortlich ist - nur Russland hat die Mittel, ein Motiv und die Erfahrung“, teilte Außenminister Boris Johnson in London mit. Der Kreml müsse nun Antworten geben und der Gebrauch solcher Waffen beendet werden. Für kommenden Mittwoch habe man zu einer Sitzung des OPCW-Exekutivrats aufgerufen, um die nächsten Schritte zu besprechen.


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Fall Skripal: Russland will mit Außenminister Johnson sprechen
Dem vergifteten Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und seiner Tochter geht es viel besser. Können sie zur Aufklärung des Anschlags beitragen? Moskau drängt auf ein Gespräch mit Außenminister Johnson.

Die russische Regierung wies die Verdächtigungen erneut zurück. Russland habe keine anderen Kampfstoffe besessen als jene, die der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) gemeldet worden seien, sagte der stellvertretende Industrieminister Georgi Kalamanow in Moskau. Sie seien alle bis 2017 unter Aufsicht der OPCW vernichtet worden, bekräftigte er.

London hatte Moskau bereits zuvor als Drahtzieher des Anschlags beschuldigt. Das wiederum wurde von Russland vehement zurück gewiesen. Der Skripal-Fall führte zu einer schweren diplomatischen Krise zwischen Russland und dem Westen. Dutzende Diplomaten wurden wechselseitig ausgewiesen.

Großbritannien hatte die OPCW mit einer unabhängigen Untersuchung beauftragt. Die Experten hatten Bodenproben entnommen und auch Gewebe- und Blutproben der Opfer in internationalen Labors untersuchen lassen. Russland hatte vergeblich gefordert, an der Untersuchung des Anschlags beteiligt zu werden. Andernfalls, so hatte Moskau angedroht, werde es die Ergebnisse der OPCW-Untersuchung nicht akzeptieren.

Skripal und seine Tochter waren vor knapp sechs Wochen bewusstlos auf einer Parkbank im südenglischen Salisbury gefunden worden. Julia Skripal war kürzlich aus dem Krankenhaus entlassen worden und befindet sich nach eigenen Angaben an einem sicheren Ort. Ihr Vater wird weiter in der Klinik behandelt. Er ist seiner Tochter zufolge ernsthaft krank. Auch sie selbst leide noch unter den Folgen der schweren Vergiftung.

Julia Skripal lehnte unterdessen die angebotene Hilfe der russischen Botschaft in London ab. „Im Moment möchte ich von deren Leistungen nicht Gebrauch machen. Aber wenn ich meine Meinung ändere, lasse ich sie es wissen“, teilte die 33-jährige Russin am Mittwochabend in einer über Scotland Yard verbreiteten Stellungnahme mit.

Die russische Botschaft zweifelte umgehend die Echtheit des Schreibens an. Der Text sei so verfasst, dass er die Positionen der britischen Behörden untermauere und jeden Kontakt von Julia Skripal mit der Außenwelt verhindere.

Darüber hinaus erklärte Julia Skripal, keinen Kontakt mehr zu ihrer in Russland lebenden Cousine Viktoria Skripal haben zu wollen. „Ihre Meinungen und Behauptungen sind nicht meine und die meines Vaters“, heißt es in dem von der Polizei veröffentlichten Schreiben. Die Verwandte spielt eine undurchsichtige Rolle. So hatte sie behauptet, die Skripals könnten sich mit Fisch vergiftet haben. London fürchtet laut BBC, dass sie vom Kreml instrumentalisiert wird.

Skripal hatte früher für den russischen Militärgeheimdienst GRU gearbeitet und dem britischen MI6 Informationen weitergeleitet. 2004 flog er auf. Er wurde in Russland zu 13 Jahren Lagerhaft verurteilt. Bei einem Gefangenenaustausch kam er 2010 nach Großbritannien.


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