"Es ist die Hölle!"
"Es ist die Hölle!"
(dpa/KNA) In Aleppo wird die Lage für die Zivilbevölkerung immer dramatischer. Die UN fordern daher erneut eine Feuerpause, um den verbliebenen Zivilisten zu helfen. Die sind großen Gefahren ausgesetzt.
Syrische Pro-Regierungstruppen haben nach UN-Angaben bei ihrer Offensive in Ost-Aleppo mindestens 82 Zivilisten getötet. Die Vereinten Nationen hätten Berichte erhalten, nach denen regimetreue Truppen in den Rebellengebieten in Häuser eingedrungen seien und Menschen getötet hätten, sagte UN-Sprecher Rupert Colville am Dienstag in Genf. Man habe die schlimmsten Vorahnungen für diejenigen Verbliebenen, die sich noch in der „letzten höllischen Ecke“ der Oppositionsgebiete in Aleppo aufhielten.
Den UN-Informationen zufolge wurden zudem zahlreiche Zivilisten inhaftiert. Angesichts der Situation rief der UN-Nothilfekoordinator für Syrien, Jan Egeland, Russland und die syrische Führung dazu auf, eine Feuerpause in der umkämpften Stadt Aleppo zuzulassen. Dann könnten Verletzte und andere gefährdete Gruppen aus den Trümmern der Metropole geholt werden, schrieb Egeland auf Twitter. Moskau und Damaskus seien rechenschaftspflichtig für alle Gräueltaten, die Regierungstruppen und verbündete Milizen derzeit in Aleppo verübten.
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Giftgasangriff auf mehrere Ortschaften in der Provinz Hama
In der umkämpften nordsyrischen Stadt stehen die Rebellen kurz vor einer Niederlage. Im Osten der Stadt kontrollieren sie nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte nur noch knapp drei Prozent ihres bisherigen Einflussgebietes. Die syrische Armee geht derzeit zusammen mit Verbündeten massiv gegen die Aufständischen in der früheren Rebellenhochburg vor.
Bei der Militäroffensive sind nach Berichten der Beobachtungsstelle für Menschenrechte im vergangenen Monat insgesamt fast 600 Zivilisten getötet worden. 463 Zivilisten seien durch Luftangriffe und Artilleriebeschuss des Regimes in den Rebellengebieten im Osten Aleppos getötet worden, rund 130 starben demnach in Gebieten, die das Regime im Westen der Stadt kontrolliert, durch Rebellenbeschuss.
Die Hilfsorganisation Union of Medical Care and Relief Organizations (UOSSM) berichtete am Dienstag von einem Giftgasangriff auf mehrere Ortschaften in der Provinz Hama. Dabei sollen 93 Zivilisten getötet und rund 300 verletzt worden sein.
Flugzeuge sollen demnach am Montagfrüh Bomben auf mehrere Dörfer abgeworfen haben, die von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kontrolliert werden. Ärzte in der Umgebung hätten der Hilfsorganisation von den Opfern und ihren Symptomen berichtet. Bei der Attacke soll eine geruch- und farblose Chemikalie eingesetzt worden sein, die die Atemwege der Opfer angegriffen habe, berichtete ein Sprecher der Organisation der dpa.
Die Beobachtungsstelle mit Sitz in England, die ihre Informationen von einem Netz an Informanten in Syrien bezieht, bestätigte ebenfalls Berichte über einen möglichen Giftgasangriff in der zentralsyrischen Provinz Hama. Man habe Erkenntnisse, dass am Montag Menschen starben, nachdem sie den Rauch von explodierten Geschossen eingeatmet hätten, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, der dpa.
Die Rückeroberung der Stadt Aleppo durch syrische Regierungstruppen verläuft nach Angaben von Helfern unter völliger Missachtung von Menschenrechten und internationalem Völkerrecht. "Die Lage ist höchst bedrohlich und das Leid der Menschen unvorstellbar", sagte der stellvertretende Leiter von Malteser International, Sid Peruvemba, am Dienstag in Köln.
"Unsere Sorge gilt den Zivilisten in den vormals von der Opposition kontrollierten Gebieten, denen möglicherweise lebensrettende Hilfe vorenthalten wird. Hinzu kommen Berichte über willkürliche Festnahmen, massenweise Internierung oder spurloses Verschwinden von Männern." Offenbar stehen die Rebellengruppen, die den Ostteil von Aleppo kontrollierten, vor der endgültigen Niederlage.
Wie Einwohner in den sozialen Netzwerken melden, herrschen Chaos und große Unsicherheit in der Stadt. Die siebenjährige Bana Alabed, die zusammen mit ihrer Mutter auf Twitter aktiv ist, verbreitete am Dienstagmorgen die Nachricht: "Das ist mein letzter Moment, in dem ich lebe oder sterbe. Bana."
Die Mitarbeiter in den von den Maltesern unterstützten medizinischen Einrichtungen in Ost-Aleppo - ein Kinderkrankenhaus und eine Blutbank - mussten unterdessen die Arbeit einstellen. Ärzte und Pflegepersonal seien im letzten verbliebenen Oppositionsgebiet eingeschlossen, hieß es.
Mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amtes beschaffte die Organisation 1.100 Zelte und 13.000 Decken, um auf den Zustrom von Flüchtenden aus dem Umland von Aleppo in die Region Idlib reagieren zu können. "Gemeinsam mit unserer syrischen Partnerorganisation können wir damit 2.200 Familien helfen, die in der Schlacht um Aleppo alles verloren haben", so Peruvemba.
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