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Erster Corona-Impfstoff getestet
International 3 Min. 17.03.2020

Erster Corona-Impfstoff getestet

Neben Moderna in den USA beteiligen sich weltweit Biotech-Firmen an dem globalen Wettlauf, einen Impfstoff gegen den Corona-Virus zu finden.

Erster Corona-Impfstoff getestet

Neben Moderna in den USA beteiligen sich weltweit Biotech-Firmen an dem globalen Wettlauf, einen Impfstoff gegen den Corona-Virus zu finden.
Foto: AFP
International 3 Min. 17.03.2020

Erster Corona-Impfstoff getestet

Thomas SPANG
Thomas SPANG
US-Forscher versuchen, einen Impfstoff zu entwickeln. In Seattle erhielten die ersten Testpersonen eine Injektion mit dem im Eiltempo entwickelten Mittel.

Von Thomas Spang, LW-Korrespondent in Washington

Jennifer Haller (43) fühlte sich nach dem Erhalt der Spritze mit dem experimentellen Impfstoff “großartig”. Die Mitarbeiterin eines kleinen Technologie-Unternehmens in Seattle meldete sich freiwillig, um den auf “Nuklein-Säuren” basierenden Wirkstoff als erste Person an sich testen zu lassen. “Das ist eine wunderbare Möglichkeit für mich, etwas zu tun”, sagt Jennifer. “Wir fühlen uns alle so hilflos”. 

Beim Verlassen des Behandlungszimmers im “Kaiser Permanente Forschungszentrum” huschte ein schüchternes Lächeln über ihr Gesicht. Anschließend erhielten drei weitere Personen eine Gabe des experimentellen Impfstoffs, den das staatliche “National Institute of Health” (NIH) zusammen mit der privaten Biotechfirma “Moderna” in Rekordzeit entwickelt hat.

Rasantes Forschungs-Tempo   

Der für Infektionskrankheiten zuständige Direktor des NIH, Dr. Anthony Fauci, meinte, zwischen der genetischen Entschlüsselung des COVID-19-Virus durch chinesische Forscher und der Entwicklung des Impfstoffs hätten gerade einmal 65 Tage gelegen. Er könne sich nicht an ein ähnlich rasantes Forschungs-Tempo erinnern. 

Erklärungen zum Moderna-Forschungsprojekt: Donald Trump vor Journalisten.
Erklärungen zum Moderna-Forschungsprojekt: Donald Trump vor Journalisten.
Foto: AFP

Mit der Geschwindigkeit kommen aber Risiken. Haller und die 44 anderen gesunden Probanden zwischen 18 und 55 Jahren geben sich freiwillig dafür her, die Sicherheit des Impfstoffs mit dem Namen "mRNA-1273" an sich testen zu lassen. Dafür werden unter normalen Umständen Labortiere eingesetzt. Das ist in diesem Fall nicht möglich, weil es bisher noch nicht gelungen ist, Mäuse zu züchten, die man mit der Lungenkrankheit infizieren könnte. 

Die Testteilnehmer können durch die Impfung nicht an dem neuen Erreger erkranken, weil der Wirkstoff nicht wie üblich aus abgeschwächten Lebendviren besteht, sondern Nukleinsäuren. Diese sollen die Körperzellen der Testpersonen selbst zur Produktion von Antikörpern anregen. Vakzine lassen sich mit dieser Methode deutlich schneller herstellen. Theoretisch sind sie auch sicherer.

Jeder Tag zählt

Das Risiko besteht in ihrer Wirksamkeit. In mehr als zwei Jahrzehnten Forschung hat diese Technologie noch keinen zugelassenen Impfstoff gegen ein Virus hervorgebracht. Fauci sagte, selbst wenn alles in dem Test optimal verlaufe und die Wirksamkeit in einem Folgetest bestätigt werde, werde es 12 bis 18 Monate dauern, ehe der Impfstoff für den Masseneinsatz zur Verfügung stünde.

Leben mit dem Virus: Fastfood in Seattle.
Leben mit dem Virus: Fastfood in Seattle.
Foto: AFP

Moderna-Chef Stéphane Bancel versprach, die Entwicklung aggressiv voran zu treiben. Die Firma kaufe bereits neues Equipment für ihre Produktionsanlage in Norwood im US-Bundesstaat Massachussetts, um schnell im großen Stil den potentiellen Impfstoff produzieren zu können. “Jeder Tag zählt”, sagt Bancel. “Wir haben uns für dieses Risiko entschieden, weil es richtig ist, das zu tun.”

Neben Moderna beteiligen sich weltweit Biotech-Firmen an dem globalen Wettlauf, einen Impfstoff gegen den Corona-Virus zu finden. Da es bisher weder einen Schutz noch ein Medikament zur Behandlung gibt, versuchen Regierungen rund um die Welt die Verbreitung des Erregers durch drastische Maßnahmen einzuschränken. 

Trumps Rat

Nachdem Donald Trump über Wochen die Gefahren durch das Virus heruntergespielt hat, änderte er Anfang der Woche seinen Ton. Der US-Präsident riet Amerikanern, Treffen mit mehr als zehn Personen zu vermeiden. Trump schlägt nun ein Hilfsprogramm in Höhe von 850 Milliarden Dollar vor, dass die Konsequenzen für die Bürger und Unternehmen abmildern soll.


US President Donald Trump arrives to give a press briefing about the coronavirus alongside members of the Coronavirus Task Force in the Brady Press Briefing Room at the White House in Washington, DC, March 9, 2020. (Photo by Olivier DOULIERY / AFP)
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Da der einzige Weg, die Verbreitung des Virus einzuschränken nach Überzeugung von Experten zurzeit darin besteht, den Kontakt zwischen Menschen zu minimieren, haben bereits US-Bundesstaaten und Städte Schulen und Universitäten, Bars und Restaurants sowie Geschäfte geschlossen. New York bereitet Maßnahmen vor, die Bewohner der Stadt anzuhalten, in ihren Wohnungen und Häusern zu bleiben. Entsprechende Maßnahmen sind in San Francisco bereits in Kraft. 



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