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Erster Anruf – Selenskyj und Putin geben Hoffnung im Ukraine-Konflikt
International 3 Min. 12.07.2019

Erster Anruf – Selenskyj und Putin geben Hoffnung im Ukraine-Konflikt

Der russische Staatspräsident Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj, Staatspräsident der Ukraine, haben in einem Telefongespräch erstmals über den Konflikt in der Ukraine geredet.

Erster Anruf – Selenskyj und Putin geben Hoffnung im Ukraine-Konflikt

Der russische Staatspräsident Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj, Staatspräsident der Ukraine, haben in einem Telefongespräch erstmals über den Konflikt in der Ukraine geredet.
Foto: AFP
International 3 Min. 12.07.2019

Erster Anruf – Selenskyj und Putin geben Hoffnung im Ukraine-Konflikt

Bisher hatte Wladimir Putin dem ukrainischen Präsidenten noch nicht einmal zur Wahl gratuliert. Jetzt griff Selenskyj selbst zum Hörer, um den russischen Präsidenten anzurufen. Eine kleine Sensation im Verhältnis zwischen Moskau und Kiew.

(dpa) - Erst eine Videobotschaft, das Angebot eines Treffens und nun ein überraschender Anruf: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj geht auf den Kremlchef Wladimir Putin zu. Zum ersten Mal überhaupt, etwa 20 Minuten lang, telefonieren die beiden Politiker, die den seit Jahren festgefahrenen Ukraine-Konflikt lösen könnten. Seit Wochen ist von einem möglichen Dialog die Rede. Nun ist das Eis gebrochen, wie in Kiew und in Moskau am Freitag zu hören ist. 


30.05.2019, Ukraine, Kiew: Heiko Maas (r, SPD), Außenminister, sein französischer Amtskollege Jean-Yves Le Drian (M) treffen Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine. Der Außenminister reist für politische Gespräche nach Kiew. Foto: Kay Nietfeld/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Der 41-jährige Selenskyj macht den ersten Schritt, nachdem sich Putin seit der Wahl am 21. April zwar freundlich äußerte über den neuen Präsidenten, aber bisher nicht gratulieren mochte. Beide kommunizierten nur über Vermittler und Videoclips miteinander. Selenskyj sei einmal ein talentierter Komiker gewesen, müsse aber nun im höchsten Staatsamt erst noch Format beweisen, hatte Putin immer wieder gesagt. Dabei schwang auch mit, dass schon der junge Kollege den Anfang machen müsse.

Zwar haben auch Putin und Poroschenko hin und wieder telefoniert – eine gemeinsame Ebene fanden sie aber nicht. Da ist es ganz nach Putins Geschmack, der gern hoch zu Ross zeigt, dass sich nun der Neuling an ihn wendet. Der Konflikt in der Ukraine sei außerdem ein innenpolitischer und müsse dort gelöst werden, betont der russische Präsident stets. Dass Selenskyj mit seinem Anruf Putin die Hand zum Kennenlernen reicht, lobt der Kreml als wichtigen Schritt.

Putins Sprecher Dmitri Peskow signalisiert deutlich, was nun in Kiew und Moskau fast schon als abgemachte Sache gilt: Schon bald dürften wohl alle oder fast alle Gefangenen auf beiden Seiten auf freien Fuß kommen. Selenskyj hat immer wieder versprochen, alles dafür zu tun, um etwa die 24 in Russland inhaftierten Seeleute zurück in die Heimat zu holen.

Wolodymyr Selenskyj ist seit dem 20. Mai 2019 der Präsident der Ukraine. Nach seinem Jurastudium arbeitete er als Schauspieler, Synchronsprecher, Drehbuchautor, Fernsehmoderator und Filmproduzent.
Wolodymyr Selenskyj ist seit dem 20. Mai 2019 der Präsident der Ukraine. Nach seinem Jurastudium arbeitete er als Schauspieler, Synchronsprecher, Drehbuchautor, Fernsehmoderator und Filmproduzent.
Foto: Ukrinform/dpa

Die Matrosen sitzen seit November im Gefängnis, weil sie aus Sicht Moskaus bei einem Zwischenfall in der Meerenge von Kertsch in der Schwarzmeer-Region gezielt die russische Grenze verletzt hatten.

Es kommt nicht von ungefähr, dass Selenskyj ausgerechnet jetzt zum Hörer greift. In der Ukraine wird in gut einer Woche am Sonntag (21. Juli) ein neues Parlament gewählt. Umfragen sehen Selenskyjs Partei Diener des Volkes, die bisher nicht im Parlament vertreten ist, als haushohen Favoriten. Und mit Genugtuung sieht Russland in den Umfragen auch, dass insgesamt Kräfte an Zuspruch gewinnen, die wieder für ein besseres Verhältnis beider Länder eintreten. Die "Kriegspartei" in Kiew dagegen sieht sich seit der Abwahl von Selenskyjs Vorgänger Petro Poroschenko in der Defensive.

In Gesprächen mit Merkel und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron hat sich Selenskyj immer wieder dazu bekannt, den 2015 in der weißrussischen Hauptstadt Minsk vereinbarten Friedensplan für das Kriegsgebiet Donbass umzusetzen. Die Kämpfe der aus Russland unterstützten Separatisten und ukrainischen Regierungstruppen dauern aber an.

Seit der Annexion der Krim im März 2014 gelten die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen als belastet.
Seit der Annexion der Krim im März 2014 gelten die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen als belastet.
Foto: AFP

Um die Schritte des Friedensplans umzusetzen, braucht Selenskyj eine starke Mehrheit im Parlament. Die neue Oberste Rada muss etwa über erleichterte Rentenzahlungen und die Wiederherstellung der Wirtschaftsbeziehungen zu den umkämpften Regionen Luhansk und Donezk entscheiden. Für die im Friedensplan vereinbarte sprachliche und kulturelle Autonomie bräuchte er aber eine Zweidrittelmehrheit.  


21.04.2019, Ukraine, Kiew: Wolodymyr Selenskyj (M) geht durch eine Menschenmasse in seinem Hauptquartier. Selenskyj kam demnach bei der Stichwahl in der Ex-Sowjetrepublik auf rund 73 Prozent der Stimmen. Der Amtsinhaber Poroschenko, dem er immer wieder Korruption vorwarf, erlitt eine Niederlage. Foto: Jakub Kotian/TASR/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche und gewisse Fortschritte seien möglich, sagt der ukrainische Politologe Wladimir Fessenko der Deutschen Presse-Agentur in Kiew. Selenskyj wolle ein rasches Ende der Kampfhandlungen. "Aber entscheidend hängt all das von Putin ab – und nicht von Selenskyj", sagt er.

Bei neuen Gesprächen im sogenannten Normandie-Format – Deutschland, Frankreich, Ukraine und Russland – loteten die vier Länder am Freitag auf Beraterebene in Paris aus, wie es nun weitergehen kann. Dem Vernehmen nach prüfen sie, wann ein neuer Gipfel möglich ist. Selenskyj hat schon eine neues Treffen in Minsk vorgeschlagen. Putin hat die Bereitschaft dazu signalisiert, will aber erst zusagen, wenn bei einem Gipfel Minsk-2 auch konkrete Ergebnisse zu erwarten sind.

Dabei geht es aus russischer Sicht immer nur darum, eine Lösung für den Donbass zu finden. Eine Rückgabe der Schwarzmeer-Halbinsel Krim an die Ukraine, die Selenskyj auch immer wieder gefordert hat, steht dabei aber nicht zur Debatte.


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