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Heftige Stürme toben über Europa - drei Todesopfer
International 8 1 5 Min. 30.01.2022
„Malik“ und „Nadia“

Heftige Stürme toben über Europa - drei Todesopfer

Die Straße am Hamburger Fischmarkt mit der Fischauktionshalle an der Elbe steht während einer Sturmflut unter Wasser.
„Malik“ und „Nadia“

Heftige Stürme toben über Europa - drei Todesopfer

Die Straße am Hamburger Fischmarkt mit der Fischauktionshalle an der Elbe steht während einer Sturmflut unter Wasser.
Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
International 8 1 5 Min. 30.01.2022
„Malik“ und „Nadia“

Heftige Stürme toben über Europa - drei Todesopfer

Unwetter sorgen in einigen Teilen Europas für große Probleme. In Luxemburg herrscht am Montag Warnstufe Gelb.

(dpa/jt/mab) - In Großbritannien sind mindestens zwei Menschen durch Sturm „Malik“ ums Leben gekommen. Ein neunjähriger Junge wurde am Samstag im mittelenglischen Dorf Winnothdale getötet, als ein Baum auf ihn stürzte. Ein Mann, der mit ihm unterwegs war, wurde schwer verletzt. 

In der ostschottischen Küstenstadt Aberdeen wurde eine 60-jährige Frau von einem herabstürzenden Baum erschlagen, wie die Polizei in dem britischen Landesteil am Samstag mitteilte. In der Gegend wurden Windgeschwindigkeiten von fast 140 Kilometern pro Stunde gemessen. Landesweit waren vorübergehend mehr als 130.000 Wohnungen und Geschäfte ohne Strom, weil Leitungen gekappt wurden.

Mittlerweile traf „Malik“ auf Dänemark. 10.000 Rettungskräfte standen dort bereit, wie die Agentur Ritzau meldete. In Frederikssund wurden 20 Menschen, die auf tägliche Pflege angewiesen sind, vorsichtshalber an sichere Orte gebracht, berichtete der Sender TV2. Falls es zu Überflutungen komme, könne eine Versorgung dieser Menschen nicht sichergestellt werden, hieß es zur Begründung. 

Auf der Insel Seeland, auf der auch die Hauptstadt Kopenhagen liegt, wurde fast der gesamte regionale Zugverkehr vorsorglich eingestellt. Die Öresundbrücke, die Kopenhagen mit Schweden verbindet, wurde geschlossen. Auch in Norwegen gab es Sturmschäden: Im Dorf Vaksdal bei Bergen sackte wegen heftiger Regenfälle fast ein gesamter Fußballplatz ab.

In Schottland warnte der Wetterdienst trotz des Abzugs von „Malik“ vor weiteren heftigen Winden sowie starkem Regen. Im Norden der britischen Inseln war ein neuer Sturm im Anmarsch, den die Behörden „Corrie“ tauften.

Sturmflut an der Nordseeküste

Auch Deutschland hat eine stürmische Nacht hinter sich. Sturmtief „Nadia“ ist mit gefährlichen Böen über den Norden des Landes hinweggefegt und hat mehrere schwere Unglücke verursacht. Im brandenburgischen Beelitz kam ein Fußgänger ums Leben, weil ein Wahlplakat umgeweht wurde und auf ihn stürzte. In Bremen erlitt ein Mensch in einem Park schwere Verletzungen, als ein Baum auf ihn fiel. Mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu knapp 130 Kilometern pro Stunde fegte „Nadia“ in der Nacht zu Sonntag über viele Teile Norddeutschlands hinweg.

Die höchste Windgeschwindigkeit wurde auf Hallig Hooge (Kreis Nordfriesland) mit 127 km/h gemessen, sagte eine Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Sonntagmorgen. In List auf Sylt, Kap Arkona auf Rügen und Glücksburg bei Flensburg wurden Werte von 119 km/h in der Spitze gemessen.

Warnstufe Gelb für Luxemburg

In Luxemburg verhielt sich das Wetter am Wochenende ruhig. Allerdings erwartet der staatliche Wetterdienst Meteolux am Montag stellenweise stürmischen Wind mit Geschwindigkeiten von bis zu 70 Kilometern pro Stunde. Örtlich sind auch 85 Kilometer pro Stunde möglich. 

Meteolux hat aufgrund des starken Windes für Montag im ganzen Land die Warnstufe Gelb herausgegeben. Im Norden des Landes besteht bis Montagmittag auch eine Schneewarnung. Mehr dazu unter www.wort.lu/de/service/weather

Allein in Hamburg gab es nach Angaben der Polizei Hunderte Einsätze. Eine schwere Sturmflut setzte den Fischmarkt im Stadtteil Altona unter Wasser. Der Scheitel wurde nach BSH-Angaben gegen 0.17 Uhr erreicht. Der Wasserstand am Pegel St. Pauli lag 2,84 Metern über dem mittleren Hochwasser, wie eine Sprecherin mitteilte. Wie ein dpa-Fotograf berichtete, zog es Hunderte Schaulustige zum Fischmarkt. Durch die Überflutungen wurden demnach mehrere Autos beschädigt.

Auch an anderen Küstenabschnitten gab es Sturmfluten. „Zwar nicht überall eine schwere Sturmflut wie in Hamburg“, sagte die BSH-Sprecherin. Es sei aber die gesamte deutsche Nordseeküste betroffen gewesen. In Bremerhaven habe der Scheitelwert beispielsweise bei 2,14 Metern über dem mittleren Hochwasser gelegen. Das BSH rechnete auch am Sonntag noch mit Sturmfluten oder schweren Sturmfluten an den Küsten.

An der Nordseeküste spricht man von einer Sturmflut, wenn das Hochwasser mindestens 1,5 Meter höher als normal aufläuft. Von einer schweren oder sehr schweren Sturmflut wird erst ab Werten von 2,5 beziehungsweise 3,5 Meter gesprochen. 

Schiffe in Not

In Hamburg und auf der Nordsee kam es außerdem zu zwei Vorfällen mit Schiffen: Im Hamburger Hafen fuhr sich ein Binnenschiff unter einer Brücke fest. Das Schiff sei beim Durchfahren mit dem Steuerhaus an der Freihafenelbbrücke hängengeblieben und habe sich verklemmt, sagte ein Polizeisprecher. Verletzte gab es ersten Erkenntnissen zufolge nicht. An Bord des Schiffes befanden sich demnach zwei Menschen. Die Unfallursache war zunächst unklar. Es sei möglich, dass sich der Kapitän wegen des steigenden Wasserstandes der Elbe verschätzt habe.

Der zweite Vorfall ereignete sich 16 Seemeilen (ca. 30 Kilometer) vor der ostfriesischen Küste. Dort trieb ein unbeladener Frachter mehrere Stunden im Meer. Die 190 Meter lange „Vienna“ hatte wegen des Sturms erkennbar Probleme zu manövrieren, wie ein Sprecher des Havariekommandos in Cuxhaven am Sonntagmorgen mitteilte. Die Maschine sei zu schwach gewesen, um das Schiff gegen Wind und Wellen zu halten. Daher wurden unter anderem Notschlepper zu dem Havaristen entsandt. Der Frachter sei nach etwa sechs Stunden gesichert worden. 

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Auch der Bahnverkehr war am Sonntagvormittag noch beeinträchtigt. Die Probleme sollten voraussichtlich bis in die Mittagsstunden anhalten, teilte die Deutsche Bahn mit. 

Auf dem Abschnitt zwischen Stralsund und Ostseebad Binz fielen die ICE- und IC-Züge aus. Zwischen Bremen und Hamburg kam es zu Verspätungen, da der Streckenabschnitt nur eingleisig befahrbar war. Zwischen Rostock und Hamburg sowie Berlin sollten Fahrgäste mit kurzfristigen Zugausfällen und Verspätungen rechnen. Auch im Regionalverkehr kam es wegen der Unwetterschäden noch zu Verspätungen und Ausfällen. Als Gründe nannte die Bahn vielerorts Bäume, die auf die Gleise gestürzt waren - oder Störungen der Oberleitung.

Am Sonntagvormittag hob der DWD seine Unwetterwarnung auf. Bis zum späten Sonntagnachmittag ist den Angaben zufolge aber weiter mit Sturmböen zu rechnen. 

An der Nordseeküste spricht man von einer Sturmflut, wenn das Hochwasser mindestens 1,5 Meter höher als normal aufläuft. Von einer schweren oder sehr schweren Sturmflut wird erst ab Werten von 2,5 beziehungsweise 3,5 Meter gesprochen.


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