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Erste Interessenten für Russlands Corona-Impfstoff „Sputnik V“
International 4 Min. 12.08.2020

Erste Interessenten für Russlands Corona-Impfstoff „Sputnik V“

Der erste Impfstoff gegen Covid-19, der am Dienstag von Russland zugelassen wurde, wurde noch nicht in großangelegten klinischen Studien gestestet.

Erste Interessenten für Russlands Corona-Impfstoff „Sputnik V“

Der erste Impfstoff gegen Covid-19, der am Dienstag von Russland zugelassen wurde, wurde noch nicht in großangelegten klinischen Studien gestestet.
Foto: AFP
International 4 Min. 12.08.2020

Erste Interessenten für Russlands Corona-Impfstoff „Sputnik V“

Etliche Daten zu dem Präparat fehlen noch oder sind nicht bekannt. Dennoch haben erste Länder bereits Interesse bekundet.

(dpa) - Erste Länder haben bereits Interesse an Russlands Corona-Impfstoff „Sputnik V“ bekundet - dem ersten zugelassenen weltweit. Der brasilianische Bundesstaat Paraná kündigte an, ein Abkommen mit Russland zu schließen, um den Impfstoff selbst zu produzieren. Der Vertrag dazu solle an diesem Mittwoch unterschrieben werden, sagte Jorge Callado, Präsident des federführenden Technologie-Instituts Tecpar in Curitiba, im brasilianischen Fernsehen.

Die Impfung soll voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2021 verfügbar sein. „Wir werden in Etappen arbeiten“, sagte der russische Konsul in Curitiba, Acef Said, der Deutschen Presse-Agentur. „Die technisch-wissenschaftliche Kooperation öffnet die Möglichkeit, Impfstoff-Tests zu machen und die Impfung hier für die brasilianische Bevölkerung zu produzieren.“

Die Kooperation war nach einem Medienbericht schon im Juli Thema von Gesprächen zwischen dem russischen Botschafter in Brasilien, Sergey Akopov, und dem Gouverneur des Paraná, Carlos Roberto Massa Júnior, gewesen. Auch die brasilianische Regierung und der Bundesstaat São Paulo haben Abkommen mit Unternehmen (AstraZeneca, Sinovac), die Impfstoff-Test in Brasilien durchführen und Zugang zu einer eventuellen Impfung für die brasilianische Bevölkerung ermöglichen.


ARCHIV - 19.06.2020, Baden-Württemberg, Tübingen: ILLUSTRATION - Ein Mann demonstriert im Institut für Tropenmedizin an der Uniklinik Tübingen, wie eine Frau geimpft wird. (zu dpa "WHO-Chefforscherin hält breite Corona-Impfung Mitte 2021 für möglich" am 20.07.2020) Foto: Christoph Schmidt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Offiziell hieß es vom Gesundheitsministerium, man verfolge aufmerksam alle Impfstoffe in der Entwicklung. Hinter vorgehaltener Hand geben sich Beamte nach einem brasilianischen Medienbericht im Hinblick auf „Sputnik V“ zurückhaltender. Nach der mit einer immensen Korruption verbundenen Beschaffung von Atemgeräten wird nun ein Ansturm der Bundesstaaten auf den Impfstoff befürchtet - ohne Garantie für deren Wirksamkeit.

Internationales Interesse ist groß

Der Chef des russischen Investmentfonds, Kirill Dmitrijew, sagte: „Wir sind offen für eine internationale Zusammenarbeit.“ Nach seinen Angaben haben mehrere Länder Interesse bekundet, den Impfstoff selbst zu produzieren. Er nannte außer Brasilien die Philippinen und die Vereinigten Arabischen Emirate. Mit diesen Ländern arbeite Russland zusammen, sagte er russischen Medien zufolge. Nach russischen Angaben haben schon mehr als 20 Länder Interesse angemeldet.

Der russische Präsident Wladimir Putin gab die Zulassung am Dienstag bekannt.
Der russische Präsident Wladimir Putin gab die Zulassung am Dienstag bekannt.
Foto: AFP

Es gebe darüber hinaus auch Interesse aus dem Ausland, an der dritten und damit entscheidenden Testphase für eine mögliche Zulassung teilzunehmen. Genaue Angaben machte Dmitrijew zunächst nicht. Die neue Testphase sollte mit der Zulassung des Impfstoffes beginnen. Russland habe bereits international Anfragen über eine Milliarde Dosen erhalten. Der vom Kreml gegründete Fonds finanziert die Produktion und Entwicklung des Impfstoffs.


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Auch Israel teilte mit, grundsätzlich an „Sputnik V“ interessiert zu sein. Es gebe bereits Beratungen über den neuen Impfstoff, hatte der israelische Gesundheitsminister Juli Edelstein am Dienstag gesagt.

Das iranische Gesundheitsministerium hat den russischen Impfstoff mit der Büchse der Pandora verglichen und Vorsicht angemahnt. „Bevor nicht alle klinischen Studien beendet sind, ist der Gebrauch von Impfstoffen wie eine Büchse der Pandora und dementsprechend potenziell auch gefährlich“, twitterte Pressechef Kianusch Dschahanpur am Mittwoch. Alle Staaten sollten sich bewusst sein, dass ein Wettlauf um einen Impfstoff kein anderes Ziel verfolgen sollte als den Schutz der Gesundheit der Menschen, erklärte der Pressechef des Gesundheitsministeriums. Teheran behauptet, auch selbst an einem Corona-Impfstoff zu arbeiten. Die Ergebnisse sollen von Experten-Teams bald bekanntgegeben werden.

Zuvor hatte der russische Präsident Wladimir Putin die Zulassung des Impfstoffs zur breiten Verwendung in der Bevölkerung bekanntgegeben. Sie erfolgte damit vor dem Vorliegen der Ergebnisse großer klinischer Studien - ein Vorgehen, das dem international üblichen Ablauf widerspricht. Weder die Wirksamkeit noch die Nebenwirkungen lassen sich derzeit fundiert beurteilen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO reagierte zurückhaltend. Die WHO sei sich bewusst, dass Russland ein Vakzin registriert habe, und begrüße alle Fortschritte bei der Forschung und Entwicklung zu Covid-19-Impfstoffen, teilte das WHO-Regionalbüro Europa auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Zugleich wies das Büro darauf hin, dass die beschleunigte Impfstoffforschung in jedem Entwicklungsschritt gemäß bewährter Prozesse vonstattengehen sollte.

US-Präsident Donald Trump erklärte die Suche nach einem Impfstoff in den Vereinigten Staaten würde Fortschritte machen.
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Foto: AFP

Derweil versprach US-Präsident Donald Trump dem amerikanischen Volk schnelle Fortschritte bei der Entwicklung eines eigenen Impfstoffes. „Wir sind auf dem besten Weg, schnell 100 Millionen Dosen zu produzieren, sobald der Impfstoff zugelassen ist, und kurz danach bis zu 500 Millionen“, sagte Trump im Weißen Haus. Mehrere aussichtsreiche Stoffe seien in der letzten Erprobungsphase und stünden vor einer Zulassung.


A member of the medical staff clad in protective gear prepares to give an infant the Bacillus CalmetteñGuÈrin (BCG) vaccine for tuberculosis at a community health centre in Banda Aceh on June 15, 2020. - In the worldwide battle against COVID-19, it was reported in May that scientists were investigating whether a century-old tuberculosis vaccine might offer some additional protection against the novel coronavirus. But the World Health Organization, for its part, said in April that there is no evidence that BCG protects people against infection with COVID-19. (Photo by CHAIDEER MAHYUDDIN / AFP)
US-Impfstoffkandidat geht in heiße Testphase
In den USA hat eine Impfstoffstudie mit 30000 Probanden begonnen - der Top-Immunologe des Landes, Anthony Fauci, spricht von einem „historischen Ereignis“.

Der Name für den russischen Impfstoff „Sputnik V“ soll an den ersten Satelliten im All erinnern, den die Sowjetunion 1957 vor den USA gestartet hatte. Der Impfstoff wurde vom staatlichen Gamaleja-Institut für Epidemiologie und Mikrobiologie in Moskau entwickelt. Erst wenige Menschen haben ihn im Rahmen einer Studie erhalten. 

Der Chef des russischen Investmentfonds hatte erklärt, die Phase-III-Studie solle nun beginnen. Zehntausende Freiwillige sollen demnach innerhalb eines Monats geimpft werden. Massenimpfungen in der Bevölkerung seien dann für den Herbst geplant, hieß es. Zugleich schaltete der Fonds zu seinem Impfstoff eine eigene Internetseite mit Informationen frei - in insgesamt sieben Sprachen.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, erklärte, es sei ein „hochriskantes Experiment am Menschen“, wenn ein Impfstoff wie der in Russland ohne entscheidende dritte Testphase zugelassen werde. „Es ist unverantwortlich, ganze Bevölkerungsgruppen bereits in diesem Stadium der Entwicklung zu impfen“, sagte er der „Rheinischen Post“ (Mittwoch).

Laut einer Liste der Weltgesundheitsorganisation vom Montag werden derzeit sechs andere Impfstoff-Kandidaten in einer Phase-III-Studie getestet. Nur ein gut wirksamer Impfstoff kann Experten zufolge eine rasche deutliche Wende in der Corona-Pandemie bringen, ohne dass strenge Lockdown-Regeln nötig sind.


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