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Erneut schweres Erdbeben: Panik in Erdbebenregion in Mittelitalien
Rettungshelfer tragen eine Frau in ihrem Rollstuhl aus den Trümmern.

Erneut schweres Erdbeben: Panik in Erdbebenregion in Mittelitalien

Foto: AFP
Rettungshelfer tragen eine Frau in ihrem Rollstuhl aus den Trümmern.
International 12 3 Min. 30.10.2016

Erneut schweres Erdbeben: Panik in Erdbebenregion in Mittelitalien

Anne-Aymone SCHMITZ
Anne-Aymone SCHMITZ
Italien kommt nicht zur Ruhe: Am Sonntagmorgen gab es erneut ein schweres Beben südöstlich von Perugia.

(dpa) - Wieder ist Mittelitalien von einem starken Erdbeben erschüttert worden. Das Beben am Sonntag sei das stärkste seit 1980, sagte der Chef des italienischen Zivilschutzes, Fabrizio Curcio, am Sonntagmittag. Todesopfer gebe es nach ersten Erkenntnissen nicht. Mehrere Personen wurden lebend aus Trümmern geborgen. Rund 20 Menschen seien verletzt worden, es schwebe aber niemand in Lebensgefahr. Auf Bildern waren zerstörte Kirchen und Häuser, Schuttberge und tiefe Risse in den Straßen zu sehen. Fernsehbilder zeigten sogar einen tiefen Riss in einem massiven Berg.

Italiens Premierminister Matteo Renzi sagte den Menschen sofortige Hilfe zu und sprach ihnen sein Mitgefühl aus. „Wir werden alles wieder aufbauen: die Häuser, die Kirchen und die Geschäfte“, versprach der Regierungschef. Papst Franziskus sagte, er bete für die Menschen in der betroffenen Region.

„Es war ein sehr starker Erdstoß“, sagte der Cesare Spuri vom Zivilschutz in der Region Marken. „Es ist alles eingestürzt“, sagte der Bürgermeister der kleinen Gemeinde Ussita, Marco Rinaldi, der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. In dem Ort hatten bereits die Beben von vergangenem Mittwoch starke Schäden angerichtet. „Ich sehe eine Rauchsäule, es ist ein Desaster, ein Desaster! Ich habe im Auto geschlafen und die Hölle gesehen.“

Der Präsident der Region Marken, Luca Ceriscioli, befürchtet Zehntausende Obdachlose. Zudem könne die Zahl der Hilfsbedürftigen auf bis zu hunderttausend steigen, sagte Ceriscioli.

Der Erdstoß gegen 7.40 Uhr am Sonntag hatte eine Stärke von 6,5, wie das italienische Institut für Geophysik und Vulkanologie und das Helmholtz-Zentrum in Potsdam mitteilten. Das Zentrum lag nahe der Stadt Norcia, die für ihren mittelalterlichen Kern bekannt ist. Auf der berühmten Piazza San Benedetto stürzte die Basilika aus dem 14. Jahrhundert ein. Am frühen Sonntagnachmittag erschütterte ein stärkeres Nachbeben die Region.

Das Beben am Morgen ereignete sich den Experten zufolge in etwa zehn Kilometern Tiefe. Es handele sich um ein weiteres Nachbeben der verheerenden Erdstöße im Sommer rund um das Bergstädtchen Amatrice mit rund 300 Toten, sagte der Seismologe Frederik Tilmann vom Deutschen Geoforschungsinstitut in Potsdam. Die Beben regten sich gegenseitig an: „Wir sprechen von einer Erdbebensequenz - also mehreren Beben, die in der Größe etwas variieren, wo aber das größte nicht unbedingt am Anfang steht.“

Menschen laufen auf die Straßen

Bei Betroffenen löste das erneute Beben Panik aus. In der Region Marken liefen Menschen erschreckt auf die Straße, wie Ansa berichtete. Das Beben sei deutlich und lange in der Provinz Umbrien und in Städten wie Florenz und Ancona - vor allem in oberen Stockwerken - zu spüren gewesen. Telefonleitungen in dem betroffenen Gebiet waren unterbrochen.

In der Fassade der Papstbasilika Sankt Paul in Rom wurde ein Riss festgestellt.
In der Fassade der Papstbasilika Sankt Paul in Rom wurde ein Riss festgestellt.
Foto: AFP

Auch in Rom wackelte es. Vorübergehend wurden die zwei zentralen Metrolinien A und B gestoppt. Es gebe technische Überprüfungen nach dem Beben, war auf der Internetseite der Verkehrsgesellschaft Atac zu lesen. Den Angaben zufolge gab es auch Verzögerungen im Zugverkehr. Mehrere Gebäude wurden vorsorglich überprüft und teils geschlossen - darunter auch zwei Basiliken. Zwei Straßen wurden gesperrt.

Die Gefahr für die Menschen in der Region sei nicht gebannt, sagte der Seismologe Tilmann: „Es wird natürlich auf jeden Fall zu Nachbeben kommen.“ Auch die Wahrscheinlichkeit eines starken Bebens sei derzeit sehr viel höher als im langfristigen Mittel. „Es ist sicher weise, noch eine Weile wegzubleiben für die Menschen, die das können.“

Erst am Mittwochabend hatten zwei starke Erdstöße die Region in Mittelitalien erschüttert, die bereits vor zwei Monaten von einem verheerenden Beben mit 298 Opfern heimgesucht worden war. Die meisten starben im Ort Amatrice, auch dort gab es am Sonntag neue Schäden. Die italienische Regierung schätzte die Erdbebenschäden zuletzt auf rund vier Milliarden Euro.

Das mittlere Italien ist eine derjenigen Regionen in Europa, die besonders häufig von schweren Erdstößen heimgesucht werden. Immer wieder trifft es die bergige Gegend in den Abruzzen. Grund für die Beben sind riesige Spannungen, die sich im Untergrund aufbauen. Denn der „Adriatische Sporn“ - ein Anhängsel der afrikanischen Erdplatte - reibt sich hier an der eurasische Platte. Auch deshalb haben sich Italiens Mittelgebirge aufgefaltet.

Erdbeben zerstört Kulturschätze in Mittelitalien

Das heftige Erdbeben hat auch zahlreiche Kulturschätze zerstört. Allein in der Stadt Norcia in Umbrien wurden mehrere historische Kirchen verwüstet, darunter die Basilika di San Benedetto, die Kathedrale Santa Maria Argentae und die Kirche San Francesco. Die Stadt habe mit dem Erdbeben einen Teil ihrer Geschichte verloren, sagte der Kunsthistoriker Romano Cordella der Nachrichtenagentur Ansa. Tausende Hinweise auf Schäden seien eingegangen, sagte die Generalsekretärin des Kulturministeriums, Antonia Pasqua Recchia. „Heute weinen wir wenigstens um unser Kulturerbe, und nicht um Tote.“


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