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Ermittlungen zu Smolensk-Absturz laufen noch immer
International 2 Min. 10.04.2015 Aus unserem online-Archiv
Flugzeugunglück in Russland

Ermittlungen zu Smolensk-Absturz laufen noch immer

Von der Maschine blieben nur Trümmerteile übrig.
Flugzeugunglück in Russland

Ermittlungen zu Smolensk-Absturz laufen noch immer

Von der Maschine blieben nur Trümmerteile übrig.
AFP
International 2 Min. 10.04.2015 Aus unserem online-Archiv
Flugzeugunglück in Russland

Ermittlungen zu Smolensk-Absturz laufen noch immer

Vor fünf Jahren stürzte ein Regierungsflugzeug mit dem damaligen polnischen Präsidenten Kaczynski in Russland ab. Die Ermittlungen laufen noch immer und Verschwörungstheorien kursieren.

(dpa) - Massentrauer vor dem polnischen Präsidentenpalast, Anklagen und Mordgerüchte - am Freitag jährt sich zum fünften Mal der Absturz der polnischen Präsidentenmaschine über dem russischen Smolensk. Die Nachricht vom Tod von 96 Menschen, darunter der damalige polnische Präsident Lech Kaczynski, schockte das ganze Land.

Zusammen mit höchsten Vertretern des Militärs, des Parlaments und des politischen Lebens war er auf dem Weg zu einer Gedenkfeier für die Opfer von Katyn, jener 22.000 Polen, die 1943 vom sowjetischen Geheimdienst hingerichtet wurden. Doch die Tupolew TU-154 verunglückte beim Landeanflug im Nebel.

Gesprächsprotokoll veröffentlicht

Die Ermittlungen der Warschauer Militärstaatsanwaltschaft sind noch nicht beendet, gerade wurde das Verfahren um sechs Monate bis zum 10. Oktober verlängert, und schon jetzt warnt Behördenchef Ireneusz Szelag, die Ermittlungen würden sich wohl bis ins kommende Jahr hinziehen. Eine Untersuchungskommission des Innenministeriums mit Luftfahrtexperten geht von menschlichem Versagen aus, genauer gesagt von Pilotenfehlern. Szelag sieht auch Hinweise auf eine Mitschuld der russischen Fluglotsen.

Doch neue Gesprächsprotokolle der Blackbox, die vor wenigen Tagen an einen Rundfunksender durchsickerten, sorgen für neue Kontroversen. Eine dritte Person war entweder im Cockpit oder unmittelbar davor - offenbar handelte es sich um Luftwaffenchef Andrzej Blasik. Galt das ihm zugeschriebene „Da ist doch noch Platz“ den Piloten, die angesichts der schwierigen Sichtverhältnisse zögerten und wiederholt um Ruhe baten? Oder war die Aufforderung an andere Personen im angrenzenden VIP-Salon gerichtet?

Sterbliche Überreste falsch identifiziert

Verschwörungstheoretiker wollen von der Theorie eines tragischen, letztlich vermeidbaren Unglücks nichts wissen. „Es war Mord“, zeigte sich der nationalkonservative Oppositionschef Jaroslaw Kaczynski, der Zwillingsbruder des Präsidenten, schon vor Jahren überzeugt. Der Absturz sei ein Anschlag auf Kaczynski gewesen, die russischen Ermittler an der Unglücksstelle hätten mehr vertuscht als aufgeklärt.

Bei dem Absturz kam Polens Präsident Lech Kaczynski ums Leben.
Bei dem Absturz kam Polens Präsident Lech Kaczynski ums Leben.
Foto: AFP

Dass in einigen Fällen die sterblichen Überreste der Absturzopfer falsch identifiziert wurden, wie Exhumierungen und DNA-Analysen ergaben, wird als Bestätigung absichtlicher russischer Irreführung ausgelegt - und nicht etwa der Tatsache, dass angesichts der Wucht des Aufpralls in vielen Fällen eine exakte Identifizierung der Toten schwierig gewesen sein dürfte.

„Die Anschlagshypothese ist sehr wahrscheinlich“

Der PiS-Abgeordnete Antoni Macierewicz leitet einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss der PiS zum Smolensk-Absturz. Er kam in seinem jüngsten Bericht zu dem Schluss, es habe eine Explosion an Bord gegeben. Allerdings ließen sich Gerüchte über angebliche Sprengstofffunde in den Trümmern bisher nicht bestätigen.

Vor dem fünften Jahrestag haben derartige Berichte Konjunktur. Gerade erschien das Buch „Angriff auf die Wahrheit“ von Malgorzata Wassermann, der Tochter des bei dem Absturz verunglückten ehemaligen Geheimdienstkoordinators Zbigniew Wassermann. „Mein gegenwärtiges Wissen grenzt an Sicherheit, dass es eine Explosion gab“, schreibt sie darin. „Die Anschlagshypothese ist sehr wahrscheinlich.“ Zusammen mit anderen Opfer-Angehörigen spricht sich Wassermann für eine neue, internationale Untersuchungskommission aus.

War der russische Geheimdienst impliziert?

Ebenfalls am Mittwoch erschien das Buch „Verschlussakte S“ des deutschen Enthüllungsjournalisten Jürgen Roth. In einem Interview mit dem der PiS nahestehenden Fernsehsender Telewizja Republika sagte er, der russische Geheimdienst FSB habe eine „wesentliche Rolle“ bei dem Anschlag auf die Präsidentenmaschine gespielt. Er sei im Besitz zweier Berichte deutscher Sicherheitsdienste, in denen von Sprengstoff an Bord des Flugzeugs ausgegangen werde.

Der BND dementierte dies. „Ob es sich dabei gegebenenfalls um eine Fälschung handeln könnte, kann hier zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschließend bewertet werden“, sagte ein Sprecher. Der polnische Außenminister Grzegorz Schetyna verwies die Berichte in den „Bereich der Belletristik“.