Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Erdogan warnt USA vor Ende der Partnerschaft

Erdogan warnt USA vor Ende der Partnerschaft

Foto: AFP
International 2 Min. 11.08.2018

Erdogan warnt USA vor Ende der Partnerschaft

Der türkische Staatschef Erdogan verschärft im Streit mit den USA den Ton. US-Präsident Trump lässt die Zölle auf Stahl und Aluminium aus der Türkei erhöhen - das trifft die Wirtschaft des Nato-Mitglieds.

(dpa) - Im Streit mit den USA droht der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan dem Nato-Bündnispartner mit einem Bruch. Falls sich die USA weiter respektlos verhielten, werde seine Regierung damit beginnen, „nach neuen Freunden und Verbündeten zu suchen“, schrieb Erdogan in einem am Freitagabend (Ortszeit) veröffentlichten Gastbeitrag der „New York Times“ (NYT). Der Konflikt hat starke Auswirkungen auf die türkische Wirtschaft, die Landeswährung Lira sank zuletzt auf ein neues Tief zum US-Dollar und zum Euro.


(FILES) In this file photo taken on July 15, 2018 Turkish President Tayyip Erdogan delivers a speech during a ceremony marking the second anniversary of the attempted coup at the Presidential Palace in Ankara, Turkey. - Turkish President Recep Tayyip Erdogan on August 10, 2018 pledged that Turkey would prevail in an "economic war" after the lira crashed to historic lows over Ankara's strains with Washington. (Photo by ADEM ALTAN / AFP)
US-Strafzölle gegen Türkei verdoppelt
Im diplomatischen Konflikt mit der Türkei heizt US-Präsident Donald Trump die Krise um den Verfall der türkischen Währung Lira mit einer Verdoppelung von US-Strafzöllen an.

Im Zentrum des Streits stehen zwei Geistliche: Washington fordert die Freilassung des US-amerikanischen Pastors Andrew Brunson, der wegen des Verdachts auf Spionage und Terrorvorwürfen in der Türkei unter Hausarrest steht. „Schande, Schande! Sie ziehen einen Pastor einem strategischen Nato-Partner vor“, sagte Erdogan am Samstag vor Anhängern in der Provinz Ordu am Schwarzen Meer. Ankara wiederum verlangt bisher vergeblich die Auslieferung des im US-Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen, den Erdogan für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich macht.

Lira auf Talfahrt

US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag angeordnet, die Zölle auf Stahl aus der Türkei von diesem Montag an auf 50 Prozent zu verdoppeln und damit die türkische Wirtschaft bewusst stark unter Druck gesetzt. Für einen Dollar wurden zeitweise 6,87 Lira fällig, zu Monatsbeginn waren es weniger als 5 Lira.

„Sie bedrohen uns“, rief Erdogan seinen Anhängern nun mit Blick auf die USA zu. Die Türkei werde aber nicht nachgeben: „Man kann diese Nation nicht mit Drohungen zähmen.“ In der „New York Times“ kündigte er an, sollte die US-Regierung die Souveränität der Türkei nicht respektieren, „dann könnte unsere Partnerschaft in Gefahr sein“.


TOPSHOT - A money changer counts Turkish lira banknotes at a currency exchange office in Istanbul, on August 8, 2018. - The Turkish lira on August 1 slumped to record lows of 5,0 against the dollar as the US hit Turkey's justice and interior ministers with sanctions over the case of an American pastor on trial for terror-related charges. (Photo by Yasin AKGUL / AFP)
Nach neuen US-Strafzöllen: Türkei kündigt Vergeltung an
Die Türkei hat nach neuen Strafzöllen der USA gegen die Türkei, inmitten einer massiven Krise der Landeswährung Lira, Vergeltung angekündigt.

Nach Angaben von Handelsminister Wilbur Ross seien die erhöhten Strafzölle ein entscheidender Schritt, um die Lebensfähigkeit der heimischen Stahlindustrie sicherzustellen, hieß es in einer Erklärung, die das Weiße Haus in Washington am Freitagabend (Ortszeit) herausgab. Trumps Worten nach wird Aluminium aus der Türkei nun mit Zöllen von 20 Prozent belegt. Das Land exportierte im vergangenen Jahr nach Angaben des Handelsministeriums in Ankara Eisen, Stahl und Aluminium im Wert von 1,1 Milliarden Dollar (950 Mio Euro) in die USA - das sei ein Anteil von 0,7 Prozent aller Ausfuhren.

"Wirtschaftskrieg" gegen die Türkei

Bereits am Freitag hatte Erdogan die Nation zum Zusammenhalt aufgerufen und von einem „Wirtschaftskrieg“ gegen die Türkei gesprochen. „Keine Bedrohung, Erpressung oder Operation wird die Türkei einschüchtern“, schrieb Erdogans Sprecher Ibrahim Kalin auf Twitter. „Die Türkei wird auch diesen Kampf gewinnen.“ Verantwortung für den dramatischen Absturz der Lira übernahm Erdogans Regierung nicht.

In dem „NYT“-Gastbeitrag warf Erdogan der Trump-Regierung vor, den türkischen Prediger Gülen nicht auszuliefern. Der Präsident schrieb, der Putschversuch vom Juli 2016, für den Gülen verantwortlich sei, ähnele dem, „was das amerikanische Volk zweifellos nach Pearl Harbor und den Angriffen vom 11. September erlebt hat“.

Erdogan kritisierte zudem, die Reaktion der USA nach dem Putsch sei „alles andere als zufriedenstellend“ gewesen. „Das türkische Volk hatte erwartet, dass die Vereinigten Staaten die Attacke eindeutig verurteilen und ihre Solidarität mit der gewählten Führung der Türkei ausdrücken. Das haben sie nicht getan.“


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

US-Strafzölle gegen Türkei verdoppelt
Im diplomatischen Konflikt mit der Türkei heizt US-Präsident Donald Trump die Krise um den Verfall der türkischen Währung Lira mit einer Verdoppelung von US-Strafzöllen an.
(FILES) In this file photo taken on July 15, 2018 Turkish President Tayyip Erdogan delivers a speech during a ceremony marking the second anniversary of the attempted coup at the Presidential Palace in Ankara, Turkey. - Turkish President Recep Tayyip Erdogan on August 10, 2018 pledged that Turkey would prevail in an "economic war" after the lira crashed to historic lows over Ankara's strains with Washington. (Photo by ADEM ALTAN / AFP)
Alleinherrscher Erdogan
Der Alleinherrscher Erdogan verschärft nicht nur die gesellschaftliche Polarisierung in der Türkei. Er vertieft auch die Gräben zur Europäischen Union.
Im Weißen Haus: Trump empfängt Erdogan
Wenige Tage vor seiner ersten Auslandsreise empfängt US-Präsident Trump seinen türkischen Amtskollegen Erdogan. Die beiden wollen vorrangig über Syrien reden. Allerdings dürfte es auch um die Kurdenfrage gehen.
Recep Tayyip Erdogan wird bei Donald Trump wohl auch seine Forderung nach der Auslieferung von Fethullah Gülen erneuern.