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Erdogan sympathisiert mit Todesstrafe
International 08.08.2016 Aus unserem online-Archiv
Kundgebung mit Millionen Zuschauern

Erdogan sympathisiert mit Todesstrafe

Ein Meer aus türkischen Fahnen flankierte Erdogans Rede.
Kundgebung mit Millionen Zuschauern

Erdogan sympathisiert mit Todesstrafe

Ein Meer aus türkischen Fahnen flankierte Erdogans Rede.
Foto: REUTERS
International 08.08.2016 Aus unserem online-Archiv
Kundgebung mit Millionen Zuschauern

Erdogan sympathisiert mit Todesstrafe

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Nach dem Putschversuch sucht der türkische Präsident Erdogan den Schulterschluss mit der Opposition. Vor Millionen in Istanbul spricht er von der Todesstrafe und kritisiert Deutschland.

(dpa) - Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat bei einer Großveranstaltung mit mehreren Millionen Teilnehmern erneut die Wiedereinführung der Todesstrafe in Aussicht gestellt. „Wenn es (das Volk) so eine Entscheidung trifft, dann, glaube ich, werden die politischen Parteien sich dieser Entscheidung fügen“, sagte Erdogan am Sonntagabend in Istanbul bei der Kundgebung gegen den Putschversuch. Vor jubelnden Teilnehmern fügte er hinzu: „So eine Entscheidung vom Parlament würde ich ratifizieren.“

Erdogan kritisierte Deutschland erneut. „Wo ist die Demokratie?“, fragte er, nachdem ihm untersagt worden war, bei der Kundgebung in Köln vor einer Woche per Videoschalte zu sprechen. Den deutschen Behörden warf er vor, bei einer früheren Veranstaltung in Köln eine Videoschalte der PKK zugelassen zu haben. „Sollen sie die Terroristen nur ernähren“, sagte er. „Wie ein Bumerang wird es sie treffen.“

Erdogan dankte bei der „Demokratie- und Märtyrer-Versammlung“ in Istanbul den anwesenden Oppositionsvertretern für ihre Teilnahme. Zu der Veranstaltung waren auf Einladung des Präsidenten auch Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu von der Mitte-Links-Partei CHP und der Chef der ultranationalistischen MHP, Devlet Bahceli, gekommen. Nicht eingeladen wurde die pro-kurdische HDP. Erdogan wirft der zweitgrößten Oppositionspartei im Parlament Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK vor.

"Versöhnungskultur"

Kilicdaroglu forderte, die „Versöhnungskultur“ in die Zukunft zu tragen. Bahceli sprach sich für eine Überwindung der „Polarisierung“ der Türkei aus und sagte: „Lasst uns eine neue Seite aufschlagen.“ Armeechef Hulusi Akar - der von den Putschisten gefangen genommen worden war - nannte die Umstürzler aus den Reihen der Streitkräfte „Monster und Verräter mit blutigen Händen in Militäruniform“. Die Türkei macht den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich und geht hart gegen dessen Anhänger vor.

Aus türkischen Regierungskreisen hieß es, an der Großkundgebung hätten auf dem Veranstaltungsareal in Yenikapi und in der Umgebung rund fünf Millionen Menschen teilgenommen. Anwesende sprachen zwar ebenfalls von einem Millionenpublikum, hielten fünf Millionen allerdings für zu hoch gegriffen.


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