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Erderwärmung: Weltklimarat mit dringendem Appell
International 3 Min. 08.08.2019

Erderwärmung: Weltklimarat mit dringendem Appell

Ein landwirtschaftlich genutztes Feld neben einer Savanne in Rio Preto in Brasilien. Der Weltklimarat fordert mehr Maßnahmen zum Schutz von Wäldern und Mooren.

Erderwärmung: Weltklimarat mit dringendem Appell

Ein landwirtschaftlich genutztes Feld neben einer Savanne in Rio Preto in Brasilien. Der Weltklimarat fordert mehr Maßnahmen zum Schutz von Wäldern und Mooren.
Foto: AFP/Nelson Almeida
International 3 Min. 08.08.2019

Erderwärmung: Weltklimarat mit dringendem Appell

Taten statt Worte, auch bei der sorgsamen Landnutzung – das muss nach Meinung des Weltklimarats das Motto der kommenden Jahre sein. Die Erderwärmung könnte die Versorgung mit Lebensmitteln beeinträchtigen.

(dpa/jt) - Der weltweite Temperaturanstieg hat über den Landflächen bereits 1,53 Grad erreicht. Das geht aus dem am Donnerstag in Genf veröffentlichten Sonderbericht des Weltklimarats IPCC hervor. Unter Berücksichtigung der sich langsamer erwärmenden Meeresflächen liege das globale Temperaturplus gegenüber der vorindustriellen Zeit bei knapp 0,87 Grad. Verglichen wurden die Zeiträume 1850 bis 1900 und 2006 bis 2015. Der Weltklimarat hatte 2018 vor den Auswirkungen gewarnt, falls die globale Temperatur insgesamt über 1,5 Grad steigen sollte.

In den kommenden Jahrzehnten werde die Zahl, Dauer und Intensität von Hitzewellen sowie Dürren nicht zuletzt rund ums Mittelmeer zunehmen, warnen die 107 Forscher aus 53 Ländern. In vielen Regionen werden zudem häufiger extreme Regenfälle vorkommen.

Die Stabilität des Nahrungsmittel-Angebots wird voraussichtlich sinken, da das Ausmaß und die Häufigkeit von Extremwetter-Ereignissen, die die Lebensmittelproduktion beeinträchtigen, steigen wird.  

Der Weltklimarat empfiehlt in seinem Bericht dringend, im Kampf gegen eine weitere Erwärmung der Erde die Wälder und nicht zuletzt die Moore besser zu schützen. Zugleich sieht der IPCC Gefahren für die sichere Versorgung mit Lebensmitteln. „Die Stabilität des Nahrungsmittel-Angebots wird voraussichtlich sinken, da das Ausmaß und die Häufigkeit von Extremwetter-Ereignissen, die die Lebensmittelproduktion beeinträchtigen, steigen wird.“ 

Das Klima wird durch den hohen Fleischkonsum geschädigt.
Das Klima wird durch den hohen Fleischkonsum geschädigt.
Foto: Christophe Gateau/dpa

Klimaforscher Jim Skea, der an der Ausarbeitung des Berichts beteiligt war, schrieb auf Twitter: "Der IPCC gibt keine Ernährungsempfehlungen ab. Auf Grundlage von wissenschaftlichen Erkenntnissen haben wir jedoch hervorgehoben, dass es bestimmte Ernährungsweisen gibt, die einen niedrigeren Ausstoß von Kohlenstoffdioxid zur Folge haben."


Es gehe auch darum, die gesamte Kette der Erzeugung und des Konsums von Nahrungsmitteln zu überdenken. Laut Angaben des IPCC hat sich die weltweite Fleischproduktion pro Kopf seit den 1960er Jahren mehr als verdoppelt. Eine ausgewogene Ernährung, die verstärkt auf Gemüse und Getreide statt auf tierische Produkte setze, könne dazu beitragen, die Kohlendioxid-Emissionen wesentlich zu senken.    

Die Land- und Forstwirtschaft steuert laut IPCC rund 23 Prozent der vom Menschen verursachten Treibhausgase bei. „Hier liegt sehr viel Potenzial“, sagte die deutsche Co-Autorin des Berichts, Almut Arneth aus Karlsruhe. Generell mache der Bericht deutlich, dass die Ressource Land begrenzt sei. „Wir können nicht weitermachen wie bisher.“ Sehr skeptisch sei sie, dass die im Bericht auch thematisierten Aufforstungen, bis hin zu Bioenergie-Plantagen, ein guter Weg seien. Laut IPCC leben rund 500 Millionen Menschen in Gebieten, die von Versteppung bedroht sind. Diese Regionen seien umso anfälliger für Wetterextreme wie Dürren, Hitzewellen und Staubstürme.

Konflikte um Landnutzung vorprogrammiert

„Es ist sehr wichtig, dass der Weltklimarat die Bedeutung von Landflächen und Wäldern voll erkannt hat“, erklärte Greenpeace-Waldexperte Christoph Thies. „Der Land-Sektor muss nun stärker in die nationalen Beiträge zur Erfüllung des Pariser Klimaabkommens einfließen“, so Thies. Er kritisiert am Report aber, dass die massive Aufforstung sehr unkritisch gesehen werde. „Wir bevorzugen die Alternative der Renaturierung von Ökosystemen wie Wäldern und Mooren.“ So entstünden im Gegensatz zu aufgeforsteten Monokulturen auch Lebensräume für viele Tiere und Pflanzenarten.


(FILES) File photo taken on October 13, 2014 showing an aereal view of an illegal felling area in the Amazon forest during an overflight by Greenpeace activists over areas of illegal exploitation of timber, as part of the second stage of the "The Amazon's Silent Crisis" report, in the state of Para, Brazil, - The head of Brazil's National Institute for Space Research (INPE) Ricardo Galvao said on Friday he's going to be sacked following a row with President Jair Bolsonaro over deforestation in the Amazon rainforest. Galvao had accused far-right Bolsonaro of "cowardice" for having publically questioned satellite data produced by INPE that showed Amazon rainforest deforestation had increased 88 percent in June compared to the same period one year earlier. (Photo by RAPHAEL ALVES / AFP)
Abholzung am Amazonas hat sich nahezu vervierfacht
Die Rodungen im Regenwald von Brasilien nehmen eklatante Ausmaße an. Doch Präsident Bolsonaro hält die Zahlen für Schwindel.

Der Bericht steht im Zeichen des Pariser Klimaabkommens. Darin wurde 2015 das Ziel festgelegt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, wenn möglich sogar auf 1,5 Grad, im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Dazu müssten die Staaten den Netto-Ausstoß ihrer Treibhausgase stark reduzieren. 

 

Feldarbeiter im Kongo: Durch den Klimawandel sinken in vielen Regionen der Welt die Ernteerträge.
Feldarbeiter im Kongo: Durch den Klimawandel sinken in vielen Regionen der Welt die Ernteerträge.
Foto: AFP/Samir Tounsi

Um das zu schaffen, wollen einige Experten große Flächen für Wälder nutzen, die die Treibhausgase aus der Atmosphäre ziehen können. In Verbindung mit dem Ziel der Lebensmittelsicherheit für die gesamte Bevölkerung drohen so Landkonflikte – zusätzlich zu den Entwicklungen, die der Klimawandel bereits jetzt ausgelöst hat.

„Der Bericht bestätigt, dass die vom Menschen verursachte Überhitzung der Atmosphäre schon jetzt zu mehr Hitzewellen und Dürren, heftigeren Starkregen und Überschwemmungen führt“, so die Hilfsorganisation Oxfam. Besonders besorgniserregend sei die Warnung vor einer Beeinträchtigung der weltweiten Nahrungsmittelversorgung, falls sich die Erde weiter deutlich erwärme.

Die Forscher hatten zunächst eine große wissenschaftliche Analyse erarbeitet, deren Zusammenfassung in Genf seit vergangenem Freitag intensiv beraten wurde. Die vor allem politischen Delegierten einigten sich dabei auf den nun veröffentlichten Bericht, der somit auch von den IPCC-Mitgliedsländern anerkannt ist. Die Dringlichkeit des Themas verdeutlichte zu Wochenbeginn nicht zuletzt die Mitteilung des Klimawandel-Dienstes Copernicus, dass der Juli 2019 global gesehen der heißeste Monat seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1880 war.



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