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Erbgroßherzogliches Paar: Stéphanie und Guillaume in Auschwitz
International 20 3 Min. 27.01.2015 Aus unserem online-Archiv

Erbgroßherzogliches Paar: Stéphanie und Guillaume in Auschwitz

International 20 3 Min. 27.01.2015 Aus unserem online-Archiv

Erbgroßherzogliches Paar: Stéphanie und Guillaume in Auschwitz

Das erbgroßherzogliche Paar und Premierminister Xavier Bettel nehmen am Dienstag an einer Gedenkfeier für die Holocaust-Opfer in Auschwitz teil. Verfolgen Sie die Zeremonie hier im Live-Video.

(ks/jl) - Gemeinsam mit Premierminister Xavier Bettel sind Erbgroßherzog Guillaume und seine Frau Stéphanie nach Auschwitz gereist, um am Dienstag an der offiziellen Zeremonie im Gedenken an die Holocaust-Opfer teilzunehmen. Heute jährt sich die Befreiung des Konzentrationslagers zum 70. Mal.

In eisiger Kälte wurde im Beisein der drei luxemburgischen Persönlichkeiten am frühen Nachmittag eine Gedenktafel in luxemburgischer Sprache enthüllt, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Das erbgroßherzogliche Paar legte zudem Blumen nieder.

Der Erbgroßherzog erklärte, dass die Gedenktafel nicht reine Symbolik sei, denn schließlich habe das Großherzogtum selbst unter der Naziherrschaft gelitten. Er erinnerte an die vielen Juden aus Luxemburg, die in Auschwitz und anderen Konzentrationslagern starben. "Die luxemburgische Gedenktafel ist eine Mahnung an die gesamte Menschheit, so etwas nie mehr zuzulassen." Sein persönlicher Wunsch sei es, dass möglichst viele, vor allem junge Menschen, nach Auschwitz kämen: "Nur durch die Erinnerung in den Herzen der Menschen bleibt ein Schutzwall gegen die Barberei bestehen."

Aufarbeitung in Luxemburg noch nicht abgeschlossen

Premierminister Xavier Bettel schlug ähnliche Töne an: "Eine Amnesie wäre die schlimmste Krankheit für die Menschheit." Luxemburg habe noch viel Erinnerungsarbeit zu leisten. Viele Luxemburger hätten nach dem Krieg Helden sein wollen, seien es aber nicht alle gewesen. Dies aufzuarbeiten und anzuerkennen sei wichtig. Damit spielte er auf die Kollaboration luxemburgischer Behörden im Zweiten Weltkrieg an, die derzeit von Historikern erforscht wird.

Bettel dankte im Besonderen Gerd Klestadt dafür, dass er ihn und das erbgroßherzogliche Paar nach Auschwitz begleitete. Klestadt, der als Jude in das Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert wurde, lebt heute in Luxemburg und erzählt als Zeitzeuge regelmäßig Schülern von seinen schrecklichen Erlebnissen im Zweiten Weltkrieg. (Sehen Sie hier ein Video mit ihm)

Gedenkfeier mit zahlreichen Überlebenden

Der polnische Präsident Bronislaw Komorowski rief bei der internationalen Gedenkzeremonie im ehemaligen deutschen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau zu einem entschlossenen Vorgehen gegen Rassismus und Antisemitismus auf.

Der polnische Präsident Komorowski war der einzige Politiker, der bei der Gedenkfeier das Wort ergriff.
Der polnische Präsident Komorowski war der einzige Politiker, der bei der Gedenkfeier das Wort ergriff.
REUTERS

Komorowski nannte Auschwitz eine „Hölle von Hass und Gewalt“. Gegen jede Relativierung der nationalsozialistischen Verbrechen müsse entschlossen Widerstand geleistet werden. „Die deutschen Nationalsozialisten haben meine polnische Heimat zum ewigen jüdischen Friedhof gemacht“, sagte er vor mehr als 300 Überlebenden.

Vor Staats- und Regierungschefs sowie Regierungsmitgliedern aus rund 50 Staaten ergriffen drei ehemalige Auschwitz-Häftlinge stellvertretend für die anderen Überlebenden das Wort. „Wir alle müssen uns erinnern“, sagte etwa Roman Kent. „Wenn Sie, die Führer der Welt, sich erinnern, dann wird anderes Unrecht wie in Darfur, Biafra, Kosovo keinen Platz auf der Erde mehr haben.“

Überlebende wie er könnten das in Auschwitz Geschehen niemals vergessen, sagte Kent. „Die Schreie der ermordeten Kinder klingen in meinen Ohren, bis ich sterbe. Die Unmenschlichkeit von damals ist in meine Erinnerung gemeißelt. Diese Erlebnisse halten uns wach bis ans Ende unserer Tage.“

Putin bleibt in Moskau

Der russische Präsident Wladimir Putin, der in Auschwitz nicht dabei war, zündete bei einer Gedenkfeier im Jüdischen Museum in Moskau mit Oberrabbiner Berel Lazar schwarze Kerzen an. Putin würdigte dabei auch den großen Beitrag des jüdischen Volkes im Kampf gegen den Faschismus. Eine halbe Million Juden hätten in der Roten Armee gekämpft, fast 200 000 seien gefallen.

Auschwitz-Birkenau war das größte der nationalsozialistischen Vernichtungslager. Hier wurden mindestens 1,1 Millionen Menschen ermordet. Soldaten der Roten Armee hatten die letzten noch etwa 7500 Häftlinge am 27. Januar 1945 befreit.


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