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Entsetzen nach mörderischer Attacke auf Lehrer in Frankreich
International 5 1 4 Min. 17.10.2020

Entsetzen nach mörderischer Attacke auf Lehrer in Frankreich

Der Angreifer wurde in Eragny erschossen.

Entsetzen nach mörderischer Attacke auf Lehrer in Frankreich

Der Angreifer wurde in Eragny erschossen.
Foto: Abdulmonam Eassa/AFP
International 5 1 4 Min. 17.10.2020

Entsetzen nach mörderischer Attacke auf Lehrer in Frankreich

Der Präsident nennt ganz bewusst keine Details. Doch nach allem, was man weiß, muss die tödliche Attacke auf einen Lehrer grausam gewesen sein. Macron sieht darin einen Angriff auf die Meinungsfreiheit.

(dpa) - In Frankreich sitzt der Schock nach einer brutalen islamistischen Terrorattacke auf einen Lehrer tief. Der Mann ist nach ersten Erkenntnissen am Freitagnachmittag in einem Pariser Vorort enthauptet worden. 

Nach der brutalen Tat in Conflans-Sainte-Honorine sind insgesamt neun Personen festgenommen worden, darunter ein Minderjähriger. Berichten nach soll es sich bei den Festgenommenen um Mitglieder der Familie des mutmaßlichen Täters sowie andere Personen handeln. Der mutmaßliche Täter war kurz nach der Tat von der Polizei getötet worden.

Präsident Emmanuel Macron hatte sich am Abend zum Tatort aufgemacht, in einer kurzen Erklärung aber keine Details zur Tat genannt. Es wurde erwartet, dass sich die Ermittler im Laufe des Samstags äußern. Die Anti-Terror-Fahnder der Staatsanwaltschaft hatten die Ermittlungen übernommen - Macron sprach von einem islamistischen Terrorakt.

„Mein erstes Gefühl ist zunächst einmal Angst, aber ich glaube, es ist genau das, wonach diese Terroristen suchen“, sagte die Beigeordnete Ministerin im Innenministerium, Marlène Schiappa, dem Sender Franceinfo. „Die Schule bildet den freien Geist, aufgeklärte Bürger - und genau das ist es, was die Islamisten, die von Dummheit, Unwissenheit, Indoktrination und Hass leben, nicht tolerieren können.“

Mohammed-Karikaturen im Unterricht gezeigt

Bei dem mutmaßlichen Täter soll es sich Berichten zufolge um einen 18-jährigen Tschetschenen handeln, der in Moskau geboren wurde. Über das Motiv der Tat wird in Frankreich spekuliert. Der Lehrer soll im Unterricht beim Thema Meinungsfreiheit Mohammed-Karikaturen gezeigt haben. An der Schule habe es auch Unmut darüber gegeben; der Lehrer sei bedroht worden, berichtete der Sender Franceinfo.

Der Vater eines 13-Jährigen sagte dem Sender France Inter, dass der Lehrer muslimische Schüler gefragt habe, ob sie den Raum verlassen wollten, bevor er die Bilder zeigte. Der Lehrer sei nicht „herablassend oder respektlos“ gewesen. Der mutmaßliche Täter soll nach der Tat im Netz mit dem Tod des Mannes geprahlt haben.

Macron: „Bösartiger islamistischer Terroranschlag“

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eilte zum Tatort und fand deutliche Worte: „Unser Mitbürger wurde feige angegriffen, er war das Opfer eines bösartigen islamistischen Terroranschlags.“  

Macron spricht in Conflans Saint-Honorine vor Journalisten.
Macron spricht in Conflans Saint-Honorine vor Journalisten.
Foto: Abdulmonam Eassa/AFP

„Sie werden damit nicht durchkommen“, sagte er mit Blick auf Gewalt und Terroristen und weigerte sich geradezu, grausige Details zu nennen. Auch von den Ermittlern gab es zunächst keine offiziellen Informationen. Am Abend und in der Nacht liefen Medien zufolge Durchsuchungen - außerdem gab es mehrere Festnahmen.

Berichten und dem Bürgermeister des Vororts zufolge wurde der Lehrer auf offener Straße angegriffen und enthauptet. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen. Das Opfer soll Berichten nach Mitte 40 gewesen sein und am Freitag ganz in der Nähe des Schulgebäudes attackiert worden sein.

Der mutmaßliche Täter wurde kurze Zeit später von der Polizei aufgegriffen. Laut Medien hat er versucht, die Polizei anzugreifen - daraufhin hat diese auf ihn geschossen und ihn getötet. Der 18-jährige Täter soll „Allahu akbar“ („Gott ist groß“) gerufen haben und mit einem Küchenmesser bewaffnet gewesen sein. Außerdem soll er mit der Tat im Netz geprahlt haben.

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Direktorin der Schule 

Macron betonte in seiner kurzen Ansprache, dass die Bildung ein hohes Gut sei. Es sei kein Zufall, dass ein Terrorist ausgerechnet einen Lehrer ermordet habe, weil er das Land in seinen Werten habe angreifen wollen. Der Lehrer sei ermordet worden, weil er für Meinungsfreiheit eingestanden habe.


(ARCHIVES) - Photo prise le 17 janvier 2008 de personnes traversant une rue à Vaulx-en-Velin. Le président Nicolas Sarkozy dévoile le 08 février 2008 son très attendu plan pour les banlieues, une de ses principales promesses de campagne, qui a suscité de grands espoirs, sur fond de désaccords entre les ministres en charge du dossier, Christine Boutin et Fadela Amara.   AFP PHOTO / FRED DUFOUR
Islamismus in Frankreich: Verlorene Banlieues
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will gegen den islamistischen Separatismus vorgehen. Doch ihm fehlt ein Konzept zur besseren Integration der Muslime.

„Ich möchte heute Abend allen Lehrern Frankreichs sagen, dass wir mit ihnen zusammen sind, dass die ganze Nation heute und morgen an ihrer Seite sein wird, um sie zu schützen, zu verteidigen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre schönste Aufgabe zu erfüllen, die es gibt: freie Bürger zu machen“, sagte er. Er erwähnte auch, dass die Direktorin der Schule in den vergangenen Wochen hohem Druck ausgesetzt gewesen sei - ging aber nicht auf die Hintergründe ein.

Im Kampf gegen radikalen Islamismus hatte der Staatschef zuletzt vor allem auf die Bildung als zentrales Element gesetzt. Der Fernunterricht von Kindern, die zu Hause bleiben, solle vom kommenden Sommer an strikt eingegrenzt werden, kündigte Macron Anfang Oktober an. Ausnahmen solle es nur noch aus Gesundheitsgründen geben. Unterricht sei vom Alter von drei Jahren an verpflichtend.

Zahlreiche Politikerinnen und Politiker reagierten geschockt auf den Vorfall. „Dieser Angriff ist nicht nur ein Angriff zu viel. Er ist barbarisch und sehr ernst“, sagte David Le Bars, Generalsekretär einer Polizeigewerkschaft, dem Sender Franceinfo. „Wir befinden uns wieder in diesem Kreislauf der Gewalt. Und die Menschen sind sich dessen bewusst.“

Erst vor wenigen Wochen hatte es vor dem ehemaligen Redaktionsgebäude des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ in Paris eine Messerattacke gegeben. Dabei wurden zwei Menschen verletzt - auch hier hat der Täter veröffentlichte Mohammed-Karikaturen als Motiv für die Tat angegeben.


Zu der Attacke war es am Freitag in unmittelbarer Nähe der früheren Büros des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ gekommen.
Verdächtiger gesteht Messerattacke von Paris
Eine brutale Attacke an der Stelle, wo 2015 das schreckliche Attentat auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ stattfand. Kann das Zufall sein? Wohl eher nicht.

Auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ hatte es im Januar 2015 einen tödlichen Anschlag gegeben. Aktuell läuft in Paris der Prozess gegen mutmaßliche Helfer der Terrorserie im Januar 2015, bei der insgesamt 17 Menschen getötet wurden.

Frankreich wird seit Jahren von islamistischen Anschlägen erschüttert - dabei starben mehr als 250 Menschen. Daher ist die Terrorgefahr fast ständig im Bewusstsein der Menschen. Frankreichs Regierung hat den Kampf gegen den Terror zu einer Top-Priorität gemacht und warnt immer wieder, dass die Gefahr von Terrorangriffen sehr hoch sei.


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