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Entlasteter Verdächtiger spricht
International 2 Min. 30.12.2016 Aus unserem online-Archiv
Nach dem Berlin-Attentat

Entlasteter Verdächtiger spricht

Die Polizei in Berlin hatte unmittelbar nach dem Anschlag einen Pakistaner festgenommen, der allerdings mit der Tat nichts zu tun hatte.
Nach dem Berlin-Attentat

Entlasteter Verdächtiger spricht

Die Polizei in Berlin hatte unmittelbar nach dem Anschlag einen Pakistaner festgenommen, der allerdings mit der Tat nichts zu tun hatte.
Foto: AFP
International 2 Min. 30.12.2016 Aus unserem online-Archiv
Nach dem Berlin-Attentat

Entlasteter Verdächtiger spricht

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Naveed B. wurde unmittelbar nach dem Weihnachtsmarkt-Anschlag festgenommen, dann entlastet und schließlich freigelassen. Jetzt hat er Angst um sein Leben - und berichtet von von Misshandlungen.

(dpa/tom) - Der unmittelbar nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt festgenommene und dann wieder freigelassene Pakistaner Naveed B. beschuldigt die Polizei, misshandelt worden zu sein. Das schreibt die britische Zeitung „The Guardian“, die nach eigenen Angaben mit dem zunächst Verdächtigten gesprochen hat.

„Er erinnert sich daran, dass zwei Polizisten die Hacken ihrer Schuhe in seine Füße gruben, und dass einer mit einer Hand großen Druck auf seinen Nacken ausgeübt hat“, heißt es in dem Artikel. Als er sich später gegen Fotos und Entkleidung gewehrt habe, hätten sie ihn geschlagen.

Ein Übersetzer sei bei den Verhören anwesend gewesen, dieser habe aber nur Punjabi und Urdu gesprochen, nicht B.'s Muttersprache Balochi. Urdu spricht er nur gebrochen. Die Kommunikation sei sehr mühsam gewesen, er können nur vermuten, dass er von den Polizisten verstanden wurde. Sie hätten ihn gefragt, ob er wisse, was in Berlin passiert sei. Er verneinte. "Sie sagten 'Jemand ist mit einem Fahrzeug in eine Menschenmenge gefahren und hat viele Leute getötet. Und am Steuer von diesem Laster saßen Sie, oder?'" B., von Beruf Schafhirte, gab zur Antwort, dass er gar nicht Autofahren könne. Er sei vor dem Krieg und dem Tod in Pakistan geflohen und habe in Deutschland Hilfe erfahren. "Ihr seid wie meine Mutter" habe er gesagt - und dass er lieber sterben wolle, als solch eine Tat zu begehen.

Laut „Guardian“ hat B. mit dem Blatt gesprochen, um bekannter zu machen, dass er unschuldig sei. Er habe nach eigenen Angaben nach der Festnahme und der Veröffentlichung seiner Identität Angst um sein eigenes Leben und das seiner Familie in Pakistan. Nur Stunden nach dem Anschlag hatte der deutsche Innenminister Thomas de Maizière der Öffentlichkeit mitgeteilt, dass sich ein 24-jähriger Pakistaner namens Naveed B. in Gewahrsam befinde. Seine Familie in Pakistan sei von Sicherheitskräften kontaktiert worden. Es habe Drohanrufe gegeben.

Der Mann stammt aus der armen und unruhigen Provinz Baluchistan. Dort sind viele Extremistengruppen aktiv, unter anderem Separatisten, die für mehr Unabhängigkeit kämpfen. Menschenrechtsaktivisten sagen, der Staat lasse regelmäßig Menschen verschwinden. B. war laut „Guardian“ für eine der Gruppen für Baluchistans Unabhängigkeit politisch aktiv gewesen. Dafür habe er Todesdrohungen erhalten.

Die Deutsche Presse-Agentur hatte berichtet, dass der Pakistaner nach der Freilassung an einen sicheren Ort gebracht worden war, damit Asylgegner ihn nicht angreifen können. Im "Guardian"-Artikel heißt es, er solle dort zwei weitere Monate bleiben. Er bekomme Essen geliefert und müsse die Polizei benachrichtigen, wenn er hinausgehe. Er solle auf keinen Fall zurück in die Flüchtlingsunterkunft in Tempelhof gehen, in der er bisher gewohnt habe.