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Einbruch in Dresdens Schatzkammer: Polizei veröffentlicht Fahndungsvideo
International 5 1 3 Min. 25.11.2019 Aus unserem online-Archiv

Einbruch in Dresdens Schatzkammer: Polizei veröffentlicht Fahndungsvideo

Das Grüne Gewölbe in Dresden.

Einbruch in Dresdens Schatzkammer: Polizei veröffentlicht Fahndungsvideo

Das Grüne Gewölbe in Dresden.
AFP
International 5 1 3 Min. 25.11.2019 Aus unserem online-Archiv

Einbruch in Dresdens Schatzkammer: Polizei veröffentlicht Fahndungsvideo

Hier lagern besonders wertvolle Juwelen und andere Kunstschätze: Das Grüne Gewölbe in Dresden, eines der bekanntesten Museen Deutschlands, wurde zur Zielscheibe von Einbrechern. Wie hoch ist der Schaden?

(dpa) - Bestürzung, Kopfschütteln, ungläubige Gesichter: Vor den Türen des Dresdner Residenzschlosses stehen am Montagmorgen zahlreiche Besucher vor verschlossenen Türen. Ein Schild am Eingang weist darauf hin, dass das Museum aus „organisatorischen Gründen“ geschlossen bleibt.

Die Nachricht ist ein Schock: Es gab einen spektakulären Kunstraub in Dresdens weltberühmter Schatzkammer - dem Grünen Gewölbe. Drei Juwelengarnituren ließen die unbekannten Diebe aus der Schmucksammlung mitgehen. Stücke von unschätzbarem Wert.

„Es ist bedrückend, dass man in solche Einrichtungen überhaupt einbrechen kann“, sagt der 77 Jahre alter Holger Heidrich, ein Kunstliebhaber mit Jahreskarte für die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), sichtbar fassungslos. Er habe immer geglaubt, die Kunstschätze seien „bombensicher“, so Heidrich.

Die Werte, die im Grünen Gewölbe und im Residenzschloss zu finden sind, sind von den ‎Menschen im Freistaat Sachsen über viele Jahrhunderte hart erarbeitet worden.

Michael Kretschmer, Ministerpräsident Sachsens

 So sicher sind die Schätze im Grünen Gewölbe, das Juwelen, Diamanten und andere wertvolle Kunstschätze beherbergt, offenbar nicht: Die Polizei berichtet von Aufzeichnungen der Überwachungskamera, die im Juwelenzimmer zwei Einbrecher zeigt. Offenbar konnten die Diebe am Montagmorgen gegen 05.00 Uhr durch ein Fenster Richtung Schlossplatz einsteigen, haben dafür das Gitter durchtrennt und das Fenster eingeschlagen. Zielsicher seien sie auf eine Vitrine zugegangen und hätten diese zerschlagen.

Bisher sind die Täter auf der Flucht. Wie konnten die Täter in das Residenzschloss eindringen? Der Einbruch wirft auch Fragen nach dem Sicherheitskonzept auf.

Polizei veröffentlicht Überwachungsvideo

Am Montagabend hat die Polizei am Montagabend einen Ausschnitt aus einem Überwachungsvideo veröffentlicht. Darauf ist zu sehen, wie zwei Einbrecher mit Taschenlampen in das Juwelenzimmer im Residenzschloss kommen. Einer von ihnen, mit Kapuze auf dem Kopf, schlägt mit einer Axt auf die Scheiben der Vitrine ein und versucht, sie aufzubrechen.

Mehrere noch unbekannte Täter waren am Montagmorgen gegen 05.00 Uhr in das streng gesicherte Museum eingedrungen und hatten Schmuckstücke mit Diamanten und Brillanten des 18. Jahrhunderts gestohlen. Nach Angaben der Ermittler stiegen sie über eines der mit Gitter versehenen Fenster im Erdgeschoss in das Museumsdomizil in der Altstadt ein, gingen gezielt ins Juwelenzimmer und stahlen eine noch unbekannte Anzahl von Kostbarkeiten. Die Polizei sucht Zeugen zu dem Einbruch und den gestohlenen Gegenständen und hält auch Mittäter für möglich.

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Unter den gestohlenen Stücken sind nach Angaben der Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) einige der kostbarsten Stücke der Juwelensammlung aus dem 18. Jahrhundert. Dabei handelt es sich um prominente Kunstwerke der Diamantrosen- und Brillantgarnitur sowie des Brillantschmucks der Königinnen wie Kleinod und Bruststern des polnischen Weißen Adler-Ordens, die Große Brustschleife, eine Kette aus sächsischen Perlen, eine Epaulette (Schulterstück) und ein mit über 770 Diamanten besetzter Degen.  

Das Juwelenzimmer gilt als der prachtvollste Raum des Grünen Gewölbes. Täfelungen, Spiegel, Türbekrönungen mit Kurhut und Königskrone, Pilaster und Marmorfußboden wurden nach historischen Quellen rekonstruiert.

In vier Hightech-Vitrinen liegen verschiedene Kostbarkeiten mit Brillanten, Diamanten, Smaragden, Rubinen und Saphiren - darunter der weltgrößte blaue Stein dieser Art. Im Juwelenzimmer befinden sich auch die „Juwelen der Königin“: drei Meter Diamanten und Brillanten auf tiefdunkelblauer indischer Rohseide.

Das Juwelenzimmer im Grünen Gewölbe.
Das Juwelenzimmer im Grünen Gewölbe.
Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbil

Der Direktor des Grünen Gewölbes, Dirk Syndram, bezeichnet die gestohlenen Juwelen als eine „Art Weltkulturerbe“. Es gebe nirgendwo in Europa eine Juwelengarnitur in dieser Form und Qualität, die Diamanten seien im 18. Jahrhundert geschliffen worden.

Der Schock sitzt tief: Mitarbeitern der Staatlichen Kunstsammlungen stehen am Montag die Tränen in den Augen. Innenminister Roland Wöller (CDU) spricht von einem bitteren Tag für das kulturelle Erbe in Sachsen, Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) sieht alle Sachsen als Opfer des Einbruchs. „Man kann die ‎Geschichte unseres Landes, unseres Freistaates nicht verstehen, ohne das Grüne Gewölbe und ‎die Staatlichen Kunstsammlungen Sachsens.“


Trierer Goldschatz: Polizei fahndet mit Video nach Tätern
Das Polizeipräsidium Trier veröffentlichte am Freitag ein Überwachungsvideo der beiden Verdächtigen, in der Hoffnung dadurch Hinweise auf ihre Identität zu erhalten.

Das Historische Grüne Gewölbe ist eines der weltberühmten Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und ein barockes Gesamtkunstwerk.

In den im Zweiten Weltkrieg zerstörten und prachtvoll rekonstruierten Räumen des Residenzschlosses sind rund 3000 Schmuckstücke und andere Meisterwerke aus Gold, Silber, Edelsteinen und Elfenbein zu sehen. Das 1723 bis 1729 eingerichtete Prunkstück der Kunstsammlung des legendären Kurfürst-Königs August der Starke (1670-1733) gilt als eine der reichsten Schatzkammern Europas.  

Eines der wertvollsten Stücke des Grünen Gewölbes wird derzeit im Metropolitan Museum of Art in New York ausstellt - der Grüne Diamant. Das Hut-Schmuckstück mit dem einzigartigen Stein von 41 Karat und natürlicher Färbung gilt als spektakulärste Leihgabe der Ausstellung „Making Marvels: Science and Splendor at the Courts of Europe“ des Metropolitan Museum of Art.


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