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Ein Jahr nach dem Erdbeben in Nepal: Zwei Gäste aus Nepal in Luxemburg
Wie geht es den Menschen in Nepal, ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben?

Ein Jahr nach dem Erdbeben in Nepal: Zwei Gäste aus Nepal in Luxemburg

Foto: REUTERS
Wie geht es den Menschen in Nepal, ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben?
International 4 Min. 11.06.2016

Ein Jahr nach dem Erdbeben in Nepal: Zwei Gäste aus Nepal in Luxemburg

Françoise HANFF
Françoise HANFF
Wie geht es den Menschen in Nepal, ein Jahr nach dem Erdbeben? Wie geht es den Kindern? Mit diesem Thema befasste sich diese Woche die ONGD-FNEL und hat aus diesem Grund zwei Gäste aus Nepal nach Luxemburg eingeladen.

Von Françoise Hanff

Die „Organisation non gouvernementale de développement - Fédération nationale des éclaireurs 
et éclaireuses du Luxembourg“ (ONGD-FNEL) führte diese Woche eine Sensibilisierungskampagne über das Leben in Nepal ein Jahr nach dem Erdbeben durch mit einem Augenmerk auf Kinderrechte.

Unermüdlicher Einsatz

Bei dem Erdbeben im Frühjahr 2015 kamen 7500 Menschen ums Leben. Rund 15000 wurden verletzt.
Bei dem Erdbeben im Frühjahr 2015 kamen 7500 Menschen ums Leben. Rund 15000 wurden verletzt.
Foto: Right4Children

Aus diesem Grund waren zwei Mitglieder der Hauptpartner aus Nepal zu Gast in Luxemburg. Indira Ranamagar setzt sich mittels ihrer Vereinigung „Prisoners Assistance Nepal“ für inhaftierte Frauen und ihre Kinder ein und hat mehrere Kinderheime gegründet. Aktuell kümmert sie sich um rund 450 Kinder. 2014 wurde Indira Ranamagar mit dem „World's Children's Prize Honorary Award“ für ihr Engagement ausgezeichnet.

Douglas Maclagan ist seit 1994 in Nepal aktiv. Der Mitbegründer mehrerer Vereinigungen ohne Gewinnzweck ist im Moment hauptsächlich für seine Organisation „Right4Children“ tätig und hat bislang in seiner Karriere rund 62 000 Menschen betreut.

Im Rahmen der Sensibilisierungswoche fanden u. a. Besuche in Lyzeen, eine Konferenz mit dem Titel „Un an après le séisme – la situation des droits des enfants au Népal“  in der „Banque de Luxembourg“, Treffen mit Scouts und dem Ombudsman für Kinderrechte statt. Auf dem Programm von Indira Ranamagar standen ein Besuch im Gefängnis in Schrassig sowie eine Audienz bei Großherzogin Maria Teresa.

Wegen sozialen Stigmas vernachlässigt

Indira Ranamagar verteilt Kinderkleider und Nahrungsergänzungsmittel an Mütter im Frauengefängnis in Kathmandu.
Indira Ranamagar verteilt Kinderkleider und Nahrungsergänzungsmittel an Mütter im Frauengefängnis in Kathmandu.
Foto: Cécile Godfroy/ONGD-FNEL

„Die Kinder hinter Gittern haben mein Herz gebrochen. Sie werden von der Gesellschaft, der Regierung und ihrer eigenen Familie wegen des sozialen Stigmas vernachlässigt. Vor 25 Jahren habe ich beschlossen, mich für sie einzusetzen“, erklärt Indira Ranamagar bei einem Pressegespräch. Bislang hat die Menschenrechtsaktivistin über tausend Kindern zu einem besseren Leben und einer Zukunft verholfen.

Wenn ein Elternteil oder gar beide eine Haftstrafe im Gefängnis absitzen, sind die Kinder dazu verdammt, entweder auf der Straße zu leben oder bei ihren Eltern im schmutzigen und überfüllten Gefängnis.

Die Arbeit von Indira Ranamagar und ihrer Mitarbeiter ist vielschichtig: Im Gefängnis versorgen sie die Frauen mit dem Nötigsten und bringen ihnen Lesen und Schreiben bei, sodass sie später in Freiheit eine bessere Existenz für sich und ihren Nachwuchs aufbauen können.


Geborgenheit und Ausbildung im Heim

Die Kinder selbst kommen in ein Heim, in dem sie sicher sind und eine Ausbildung erhalten. Außerdem erlernen die Kleinen handwerkliche und landwirtschaftliche Fähigkeiten und wachsen in natürlicher Umgebung mit Tieren auf.

Großen Wert legt Indira Ranamagar auf den Wiederaufbau von Schulgebäuden und des Schulsystems nach dem Erdbeben. Es sei sehr wichtig, einerseits die Frauen zu stärken. Andererseits sollte mehr Geld in die Kinder und ihre Ausbildung investiert werden. „Ausbildung kann die Gesellschaft und die Welt verändern, ohne jemanden zu verletzen.“

Die Hauptursachen vieler Probleme sieht die Aktivistin in der Armut der Bevölkerung, aber auch in der Korruption der Behörden.

"Alle Besitztümer bedeuten nichts“

Für Douglas Maclagan war es im Alter von 28 Jahren ein Schlüsselerlebnis, das in ihm sein Engagement zugunsten der Kinder in Nepal weckte. In einem abgelegenen Dorf überreichte eine junge Mutter ihm ihr krankes unterernährtes Baby. Leider konnte er nichts für das Kind tun. Am darauffolgenden Tag starb das Kind.

Douglas Maclagan arbeitet seit 1994 in Nepal.
Douglas Maclagan arbeitet seit 1994 in Nepal.
Foto: ONGD-FNEL

„Hier begann meine Geschichte in Nepal. Ich kam aus einem privilegierten Umfeld in London, mir wurde alles auf einem Goldtablett präsentiert, aber die einzige Sache, die diese Frau von mir verlangte, konnte ich ihr nicht geben. Alle Besitztümer bedeuten nichts“, so Douglas Maclagan.

Der Brite beschloss daraufhin, ein geerbtes Haus in London zu verkaufen und gründete mehrere Vereinigungen ohne Gewinnzweck. Sein erstes Ziel bestand darin, die Kindersterblichkeit zu stoppen. „Wir errichteten insgesamt 89 Kindertagesstätten, in denen auch werdende Mütter notwendige Pflege bekamen.“

Es gelang dem Briten und seiner nepalesischen Frau, in ihrem Dorf die Kindersterblichkeit von 34 auf sechs Prozent zu verringern. Die perinatale Sterblichkeit der Frauen sank auf null. „Die Regierung hat unser Modell anschließend kopiert.“

Kampf gegen den Kinderhandel

Nach dem Krieg in Nepal hat Douglas Maclagan sich verstärkt dem Kinderschutz und dem Kampf gegen den Kinderhandel verschrieben. Zurzeit schätze man die Zahl der nach Indien verschleppten Mädchen und jungen Frauen auf 20800. Aber auch der nationale Menschenhandel habe zugenommen.

Schulmädchen in Lalitpur nach dem Erdbeben.
Schulmädchen in Lalitpur nach dem Erdbeben.
Foto: Setu Nepal

Mit dem Versprechen, die Kinder auszubilden, trennten Adoptionsagenten diese von ihrer finanziell unter Druck geratenen Familie und verkauften sie zu hohen Preisen an adoptionswillige Europäer.

Eine andere Masche bestehe darin, für die Ausbildung eines einzigen Kindes zahlreiche Sponsoren via Internet abzuzocken. „Mit einem Kind können so rund 12000 Dollar verdient werden.“

Kopierbare Modelle

Die Organisation „Right4Children“ konzentriert sich nicht mehr auf die Befreiung von Kindern, sondern auf Präventions- und Unterstützungsarbeit und schafft diesbezüglich Modelle, die von anderen nachgeahmt werden können.

Mit der ONGD-FNEL beispielsweise kümmert sich Douglas Maclagan um den Bau von kinderfreundlichen Schulen. Diese umfassen angepasste Infrastrukturen, eine Weiterbildung der Lehrer und Kinderclubs, in denen die Schüler selbst Radiosendungen zu lehrreichen Themen moderieren. Mittlerweile erreichen die Beiträge rund 54000 Zuhörer.

www.panepal.org

right4children.org

www.ongd-fnel.lu


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