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Ein Jahr nach Annexion: Krim-Bewohner lehnen Rückkehr zur Ukraine ab
International 3 Min. 16.03.2015 Aus unserem online-Archiv

Ein Jahr nach Annexion: Krim-Bewohner lehnen Rückkehr zur Ukraine ab

Die Krim-Bewohner feierten am Montag den Jahrestag des Anschlusses an Russland.

Ein Jahr nach Annexion: Krim-Bewohner lehnen Rückkehr zur Ukraine ab

Die Krim-Bewohner feierten am Montag den Jahrestag des Anschlusses an Russland.
VIKTOR DRACHEV
International 3 Min. 16.03.2015 Aus unserem online-Archiv

Ein Jahr nach Annexion: Krim-Bewohner lehnen Rückkehr zur Ukraine ab

Wie eine Geheimoperation zog Russland vor einem Jahr den Anschluss der Krim an sein Staatsgebiet durch. Durch ein umstrittenes Referendum wurde die Halbinsel wieder russisch. Die Ukraine protestierte, der Westen verhängte Sanktionen. Wie ist nun die Lage?

(dpa) - Ein Jahr ist es her, dass die Krim nach dem umstrittenen Referendum am 16. März über den Beitritt zu Russland den Besitzer wechselte. Dass das neue Leben nach anderen, strengeren Gesetzen nicht leicht ist, geben viele Krim-Bewohner unumwunden zu. Die Preise und die Arbeitslosigkeit sind gestiegen. Zudem halbierte sich die Zahl der Touristen im vergangenen Jahr auf etwa drei Millionen im Vergleich zu 2013 - auch weil der Westen Sanktionen verhängt hat. Doch ein Zurück zur Ukraine lehnt die Mehrheit der Krim-Bewohner ab. Sie loben vor allem die höheren Löhne, Renten und besseren Sozialleistungen.

Zum ersten Jahrestag der „Heimkehr der Krim“ kann sich Kremlchef Wladimir Putin als Hauptinitiator dieses geopolitischen Erdbebens weiter in blendenden Umfragewerten sonnen. 88 Prozent der Befragten befürworteten die Linie des russischen Präsidenten, wie das staatliche Meinungsforschungsinstitut Wziom mitteilt. Das Institut hat in einer anderen Umfrage außerdem ermittelt, dass auch nach dem Beitritt der Krim 90 Prozent der Bewohner wieder so abstimmen würden wie vor einem Jahr.

Annexion ohne Blutvergießen

Für einen Verbleib der Halbinsel in der Ukraine würden sich demnach nur fünf Prozent der Befragten aussprechen. Am größten ist die Ablehnung unter den Krim-Tataren, die einst von den Kommunisten deportiert worden waren und sich erst gegen Ende der Sowjetunion hier wieder ansiedeln durften. 

Die islamisch geprägte Gemeinschaft strebt traditionell selbst eine unabhängige Krim-Republik an. Tataren-Vertreter Nariman Dscheljalow traut russischen Umfragen nicht. Er meint, dass die „Leute einfach Angst haben, das zu sagen, was sie denken“. Allerdings zeigt sich auch die Gemeinschaft der Tataren ein Jahr nach dem Referendum tief gespalten.

Wie in einer Geheimoperation wurde das zu Sowjetzeiten 1954 von Kremlchef Nikita Chruschtschow an die Ukraine abgetretene Gebiet am 21. März 2014 wieder Teil des Riesenreichs. Ohne Blutvergießen. Die EU und die USA kritisierten zuerst die Volksabstimmung als verfassungswidrig. Sie verurteilten die Annexion als schweren Völkerrechtsbruch. Es folgten Sanktionen und der Ausschluss Russlands aus der G8-Gruppe der führenden Industriestaaten.

Krim für Russland strategisch wichtig

Eindruck machte das allerdings keinen auf den russischen Machtapparat. Putin begründete die Aufnahme der Krim immer wieder mit einer ganzen Reihe von Argumenten. Die seit Jahrhunderten von Russen kontrollierte Halbinsel sollte mit der „Muttererde“ vereint werden. Der Präsident verglich das auch mit der deutschen Wiedervereinigung. Zudem wollte Moskau nach dem Machtwechsel in Kiew die mehrheitlich von Russen bewohnte Krim nicht dem Einfluss ukrainischer Nationalisten überlassen.

Vor allem aber machte Putin deutlich, dass er das strategisch wichtige Gebiet nicht dem Westen überlassen wollte. In der Küstenstadt Sewastopol hat die russische Schwarzmeerflotte seit mehr als 230 Jahren ihren Heimathafen. Dass sich Kriegsschiffe von Nato-Staaten - allen voran der USA - zu Manövern im Schwarzen Meer aufhalten, ist für die Russen seit langem ein Ärgernis. Fast 25 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion wäre ein Nato-Stützpunkt auf einer ukrainischen Krim aus Sicht vieler Russen einer neuen Niederlage nach dem Kalten Krieg gleichgekommen.

Ukraine will Krim zurück

Die neue Militarisierung der Halbinsel ist unübersehbar. Das russische Verteidigungsministerium hat eine massive Aufrüstung der Schwarzmeerflotte angekündigt. Das sind auch Antworten an die von der EU und den USA unterstützte ukrainische Führung. „Der ukrainische Staat wird das zeitweilig okkupierte Territorium wieder unter seine Kontrolle bringen“, verspricht der prowestliche Präsident Petro Poroschenko zum Jahrestag. „Die Ukraine wird niemals auf ihr souveränes Recht auf die Krim verzichten“, sagt Poroschenko.

Russland warnte die Ukraine auch unter Verweis auf seine militärische Stärke vor einem „Revanchismus“. Für den Fall eines Krieges und den Versuch der Ukraine, die Krim Russland zu entreißen, sieht sich die Atommacht bestens gerüstet.


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