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Dutzende jüdische Gräber im Elsass geschändet
Ein Grabstein in Quatzenheim wurde mit dem Schriftzug "Elsassiches Schwarzen Wolfe" (sic!) verunstaltet. Der Tag ist offenbar ein Hinweis auf eine Separatistengruppe, die in den den 1970er Jahren im Elsass aktiv war.

Dutzende jüdische Gräber im Elsass geschändet

Bild: Frederick Florin/AFP
Ein Grabstein in Quatzenheim wurde mit dem Schriftzug "Elsassiches Schwarzen Wolfe" (sic!) verunstaltet. Der Tag ist offenbar ein Hinweis auf eine Separatistengruppe, die in den den 1970er Jahren im Elsass aktiv war.
International 2 Min. 19.02.2019

Dutzende jüdische Gräber im Elsass geschändet

Wieder sorgt ein antisemitischer Akt für Aufsehen in Frankreich. In einer kleinen Gemeinde nordwestlich von Straßburg wurden Dutzende Gräber eines jüdischen Friedhofs mit Hakenkreuzen besprüht.

(dpa/jt) - Nach der Gräberschändung auf einem jüdischen Friedhof im Elsass hat Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron ein entschlossenes Vorgehen gegen den Antisemitismus zugesagt. „Wir werden Maßnahmen ergreifen, wir werden Gesetze entscheiden, und wir werden bestrafen“, sagte Macron am Dienstag bei seinem kurzfristig angesetzten Besuch in Quatzenheim nordwestlich von Straßburg.

Es wurden laut Präfektur rund 80 Gräber geschändet. Die französische Nachrichtenagentur AFP sprach von sogar 96 Gräbern. Auf TV-Bildern waren farbige Hakenkreuze auf Grabmälern zu sehen. Die Hintergründe der Tat blieben zunächst offen. Präfekt Jean-Luc Marx sprach von einer „abscheulichen antisemitischen Tat“. Der Abgeordnete Sylvain Waserman, dessen jüdische Großmutter im KZ Auschwitz umkam, drückte auf Facebook seinen "Ekel" und "tiefen Schmerz" aus.

Laut einem AFP-Fotografen wurden die Gräber mit blauen und gelben Hakenkreuzen beschmiert. Ein Grab trägt die orthographisch fehlerhafte Inschrift "Elsassisches Schwarzen Wolfe". Offenbar wollten die unbekannten Sprayer damit die "Schwarzen Wölfe" würdigen, eine in den 1970er Jahren im Elsass aktive deutschnationalistische Separatistengruppe.

Die Grabsteine wurden mit blauen Hakenkreuzen beschmiert.
Die Grabsteine wurden mit blauen Hakenkreuzen beschmiert.
Foto: AFP/Frederick Florin

Auch aus Israel kam Protest. „Die Schändung von Gräbern auf dem jüdischen Friedhof in Frankreich erinnert an dunkle Tage in der Geschichte des jüdischen Volkes“, teilte Einwanderungsminister Joav Gallant mit. „Ich verurteilte aufs Schärfste den Antisemitismus in Frankreich und rufe die Juden auf: Kommt nach Hause, emigriert nach Israel“, schrieb der Ressortchef.

In Frankreich gibt es zur Zeit ein breite Debatte über Antisemitismus. Die Zahl antisemitischer Vorfälle war im vergangenen Jahr sprunghaft angestiegen. Erst am Wochenende war der Schriftsteller und Philosoph Alain Finkielkraut am Rande einer „Gelbwesten“-Demonstration in Paris beschimpft worden. Am Wochenende wurden laut Medien zwei Minderjährige in der Pariser Vorstadt Sarcelles festgenommen, weil sie vor einer Synagoge geschossen haben sollen - dieser Vorfall sei aber von der Justiz bisher nicht als antisemitisch eingestuft worden.

Am Abend waren in Paris und in den Regionen Demonstrationen gegen den Antisemitismus geplant. An der Kundgebung in der Hauptstadt wollten Regierungschef Édouard Philippe und zahlreiche Minister teilnehmen.

Tausende Demonstranten setzten am Dienstagabend auf der Pariser Place de la République ein Zeichen gegen Antisemitismus.
Tausende Demonstranten setzten am Dienstagabend auf der Pariser Place de la République ein Zeichen gegen Antisemitismus.
Bild: François Guillot/AFP

Macron wollte sich hingegen laut Élyséepalast am Abend mit den Präsidenten der Nationalversammlung und des Senats, Richard Ferrand und Gérard Larcher, zur Schoah-Erinnerungsstätte in der Hauptstadt begeben.

In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass es in Frankreich im vergangenen Jahr 541 antisemitische Vorfälle gab - fast drei Viertel (74 Prozent) mehr als noch im Jahr zuvor. Die Zahlen lösten Empörung aus. Innenminister Christophe Castaner sprach davon, dass sich der Antisemitismus „wie ein Gift“ ausbreite.



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